Gehört und Gesehen - Stage Fright (2DVD)

08.12.2006Motörhead

Motörhead

Stage Fright (2DVD)

Steamhammer/SPV (2005)

Wer ihren Auftritt Ende 2004 in der mittlerweile zur AWD-Hall umgetauften Stadionsporthalle erlebt hat, kennt den Einstieg. Lemmy Kilmister hat es zur guten Gewohnheit gemacht, sich und seine Arbeitskollegen höflich vorzustellen. Auch „Stage Fright“ beginnt mit formaler Geste: „Good Evening..., guudenabend..., we are Motörhead...“, spricht der Bandchef ins traditionsgemäß hoch aufgehängte Mikro und wartet einen kurzen Jubelsturm ab. „We play rock’n’roll!“

Disc 1 der DVD beweist mit bester Durchschlagskraft, dass Beständigkeit nicht zwangsläufig auf der Stelle tritt. Der mit 23 High-Definition-Kameras mitgeschnittene Auftritt in der Düsseldorfer Philipshalle (7.12.2004) zeigt die vor 30 Jahren in Betrieb genommene Dampframme in bestechender Form. Und voll auf der Höhe der Zeit, obwohl sich im Klangbild der Band doch eigentlich kaum jemals etwas verändert hat.

Das Set schwingt sich mit atemberaubendem Tempo von Klassikern wie „Stay Clean“, „Shoot You In The Back” und „Love Me Like A Raptile“ zu neuem Stoff des 2004er Albums „Inferno“. Wer es gekauft habe, will Lemmy wissen, bevor er das grandiose Stück „Killers“ lostritt. „Sonst geht es halt klauen, ich will nur, dass ihr die verdammten Songs hört.“ Mit dem akustisch vorgetragenen „Whorehouse Blues“ sowie den obligatorischen Zugabenkrachern „Ace Of Spades“ und Overkill“ endet das von Regisseur Sven Offen (Grönemeyer u.a.) und Lichtdesigner Gert Hof (Rammstein u.a.) famos in Szene gesetzte Konzert.

Als Bonus der ersten Disc wurde ein DVD-Check mit Motörhead angefügt. Lemmy, Mikkey und Phil sitzen entspannt vor dem Fernseher und kommentieren den Mitschnitt. Richtig schön bunt wird es schließlich auf Disc 2. Unter dem Titel „We are the roadcrew“ kommen inmitten eindrucksvoller Tourbilder die verdienten Mitarbeiter zu Wort. Bühnenhelfer, Techniker und der meisterlich fluchende Koch schwärmen, lärmen und lästern über das Leben mit Motörhead.

Zu den weiteren Menüpunkten gehören ein ausführliches und technisch aufschlussreiches „Making of“, ein „L.A. Special“, in dem unter anderem Kerry King von Slayer zu Wort kommt, sowie bierselige und begeisterte Statements von Konzertbesuchern. Ein ungeahntes Highlight ist auch der Einblick in den „Backstage Rider“. Die lange Liste verrät, was Lemmy in der Garderobe vorzufinden wünscht: eben nicht nur zwei große Flaschen Jack Daniels und „plain old Coca Cola“, sondern auch einen Liter fettreduzierter Milch und Cracker für den Käse.

Na, also. Pünktlich zu ihrem 30-jährigen Jubiläum lässt eine der lautesten Bands im Rock’n’Roll-Zirkus richtig tief blicken...

www.spv.de
www.imotorhead.com


Mark Preisegger
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