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Die Rechner runterfahren: Das Online-Musikmagazin Rockszene.de verabschiedet sich am 1. März 2021.

Der Kreis schließt sich

Rockszene.de wird zum 1. März 2021 eingestellt

17. Februar 2021, Von: Andreas Haug / Redaktion, Foto(s): Andreas Haug

Eine Information für alle unsere Leserinnen und Leser, Kunden, Partner und Freunde: Nur noch anderthalb Wochen, dann wird der Betrieb dieses Online-Magazins eingestellt und Rockszene.de in den –dann hoffentlich- wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Nach 21 Jahren und zwei Monaten präsentieren wir die letzte Ausgabe unseres täglichen Musik-Medienangebots in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 2021. Über die Beweg-und Hintergründe informieren wir ausführlich im nachfolgenden Artikel.

Am 1. Januar 2000 ist „Rockszene.de – Das Online-Musikmagazin für Hannover und Umland“ offiziell an den Start gegangen. Nach einem Jahr des Aufbaus und der Orientierung und einem Eigentümer-Wechsel Anfang 2001, wurde dieses Magazin schließlich seit dem 1. März 2001 voll gewerblich betrieben. Ein kleines lokal und regional basiertes, verlagsunabhängiges und nicht von öffentlicher Hand gefördertes Indie- Rock´n´Roll-Medienunternehmen mit sehr anständiger Reichweite.

2020 war unser 20-jähriges Jubiläum, das wir nicht gefeiert haben und auch natürlich nicht feiern konnten. Am 1. März 2021 ist unser 20-jähriges Jubiläum im Geschäftsbetrieb. Auch diesen Jahrestag werden und können wir nicht feiern, sondern wollen uns stattdessen verabschieden.  

Im Herbst 2019 haben wir uns sehr viele Gedanken über die Jubiläumssituation gemacht. Sollen wir klein oder groß feiern? Eine Party mit geladenen Gästen in einem Club mit ein oder zwei Bands, eine etwas größere Nummer mit einem Indoor-Festival über ein oder zwei Tage? Oder etwas anderes?

Erinnerungen an das zehnjährige Jubiläum im März 2010 kamen auf, an die 240° Akustik-Show mit den Bands Carry Me, Ich Kann Fliegen und Fat Belly mit 300 geladenen Gästen im technisch sehr speziell hergerichteten MusikZentrum in Hannover. Wir waren uns schon damals sicher, dass wir das nicht wiederholen werden, einfach, weil es zu besonders und zu schön war.

Immer ein gutes Team und tolle Partner – wirtschaftlich immer gesund

In jenem Herbst 2019- es war wohl im September oder Oktober 2019- war die Situation von Rockszene.de vollkommen in Ordnung. Personell und wirtschaftlich lief alles gut und wir blickten auf wirklich viele sehr zufriedenstellende Jahre als kleines Unternehmen zurück. Alles war schön.

Wir hatten immer ein gutes Team, einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren über vier, fünf, sieben Jahre an Bord und auch heute sind -im Kern-  einige sogar noch von Beginn an dabei. Wir hatten über all die Jahre fast immer ganz gute Einnahmen, konnten immer die Kosten decken und unterm Strich blieb – salopp gesagt – immer ein solider, kleiner Gewinn hängen. Wir hatten nie Schulden, mussten nie Kredite aufnehmen oder bedienen. Wir haben den Betrieb im Einzelunternehmen mit teils sogar ehrenamtlichen, in der Mehrzahl aber selbstständigen Honorarkräften erfolgreich geführt.

Dass dies solange möglich war ist, über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinaus,  vor allem unseren Geschäftsfreunden, Kunden, Kooperations- wie Werbepartnern und natürlich den vielen Leserinnen und Lesern, respektive Nutzerinnen und Nutzern unserer Serviceangebote zu verdanken, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben.

Einige davon über viele, viele Jahre. Ob mit Werbebuchungen, anderen Aufträgen und weiterer, wertvoller Unterstützung. Nicht zu vergessen sind dabei auch die vielen, vielen Musikerinnen, Musiker und Bands, mit denen wir rund um zahlreiche Konzerte und Festivals arbeiten durften, bei denen wir involviert waren oder die wir maßgeblich mitgestaltet haben. Dafür sind wir sehr, sehr dankbar!

Die Verantwortung, die Zukunftsperspektiven zu durchleuchten

Nun hat man aber auch die Verantwortung, alle paar Jahre einmal eine Firma in Richtung Zukunftsperspektive zu durchleuchten. Das macht man am besten dann, wenn alles im grünen Bereich ist und erfolgreich läuft. Dies war im Herbst 2019 bei Rockszene.de der Fall.

Der Medienmarkt hat sich, vor allem in jüngerer Vergangenheit, massiv verändert, die Ansprüche der Nutzer an Online-Medienangebote, vor allem in Hinblick auf mobile Service-Leistungen sind stark gestiegen. Social-Media, verbunden mit veränderter Mediennutzung, boomt weiterhin. Gute, gut ausgebildete, motivierte und engagierte Allround-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ebenfalls unverzichtbar und fallen nicht vom Himmel und vielversprechende Bewerberinnen und Bewerber stehen nicht gerade vor der Tür Schlange.

Es braucht aber gerade gute und junge Talente. Wir hatten Glück, in puncto  Nachwuchs einige wirklich sehr gute junge Leute an Bord zu haben. Sogar einige engagierte Studierende der Fachhochschule Hannover im Bereich Journalistik haben bei Rockszene.de ihre Praxissemester mit großer Motivation und Einsatz erfolgreich absolviert.

Überschaubare und begrenzte Möglichkeiten

Die Möglichkeiten, das Magazin Rockszene.de in Anbetracht der Unternehmensstruktur, der speziellen Arbeitsorganisation und personeller wie wirtschaftlicher Ressourcen massiv weiterzuentwickeln, sind dann insgesamt natürlich irgendwann doch überschaubar und begrenzt.

Wir kamen bei unserer nüchternen Analyse, die Zukunft betreffend, zu dem Schluss, dass wir dieses Magazin auf lange Sicht nicht mehr so führen und betreiben können, wie wir es in den letzten gut 20 Jahren getan haben. Rahmenbedingungen, Anforderungen und Erwartungen haben sich geändert, sind vor allem in jüngerer Vergangenheit immer anspruchsvoller geworden.

Wir haben im Herbst 2019 etwa festgestellt, dass wir sehr viel tun und weiterentwickeln müssten, um Rockszene.de über längere Zeit attraktiv zu halten, die Zuverlässigkeit in allen Bereichen sicherzustellen und –ganz wichtig- auch Neues zu entwickeln, neue Akzente im Angebot zu setzen. Da stand unter anderem als nächstes ein weiterer und dringend nötiger Re-launch auf der Agenda.

Das ist vom Grundsatz eigentlich eine völlig normale Sache, sich wie eine Schlange ab und an zu häuten und neue Dinge anzugehen und diese umsetzen. Das hatten wir in den vielen Jahren auch  immer mal wieder gemacht. Die zentrale Frage im Herbst 2019 war jedoch: Was müssen wir konkret tun, um zukünftig noch längerfristig eine Rolle zu spielen und welche personellen, wie strukturellen Rahmenbedingungen müssen wir unter Berücksichtigung des sich stark verändernden Marktes schaffen?

Alternatives Modell im Sandkasten erdacht und kalkuliert

Das Ergebnis der Analysen war, dass ein längeres Weiterführen nach dem langjährig bewährten und natürlich sehr arbeitsintensiven Geschäfts-und Organisationsmodell über Kurz oder Lang nicht mehr gut funktionieren würde oder sich in absehbarer Zeit zu einem Ritt auf der Rasierklinge entwickeln könnte.

Ein alternatives Modell wurde erdacht mit markanten Veränderungen der Unternehmensstruktur. Was bräuchten wir eigentlich, um langfristig „gut aufgestellt“ und „safe“ zu sein?

Wir haben das Magazin und das Unternehmen als Sandkastenmodell neu gedacht, waren da sehr kreativ und lösungsorientiert und kamen zu dem Schluss, dass wir eine Art neues Firmenkonstrukt mit einem Kernteam zu neuen Rahmenbedingungen aufstellen müssten.

Weg vom Modell „Einzelunternehmung plus freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Honorar-Basis und dezentraler, fast reiner Homeoffice-Arbeit“ hin zu einer Firma mit größerem, modernem Büro mit mindestens vier voll ausgestatteten Arbeitsplätzen an einem attraktiven Standort in Hannover, in der dann ein kleines Kern-Team von Angestellten auf Basis Teil-oder Vollzeit arbeitet. Mit allen Sozialleistungen. Personelle Back-Up-Überlegungen hinsichtlich der Technik, sowie ein Outsourcing von Social-Media-Aktivitäten spielten ebenfalls eine Rolle. Dazu kamen finanziell noch attraktivere Angebote für Autorinnen und Autoren, freie Fotografinnen und Fotografen.

Kein Marktpotenzial zur Deckung sechsstelliger Fixkosten

Soweit, so gut. Könnte man andenken, wenn da nicht die horrenden Fixkosten wären, die sich dann nicht mehr im bisher überschaubaren Rahmen halten würden, sondern sich sehr deutlich in den sechsstelligen Euro-Bereich im Jahr (!) hinein bewegen würden.

Um solch immens hohe Kosten zu decken und darüber hinaus noch einen Gewinn zu erwirtschaften, müssten die bisherigen stabilen Werbeeinnahmen unseres Magazins vervielfacht werden, zudem müssten wir uns vom kostenlosen Angebot für unsere Leserinnen und Leser verabschieden und ein Abo-Modell mit Pay-Wall für Rockszene.de etablieren.

Aufgrund unserer Erfahrungen und Einschätzungen, was die Situation und Zukunftsperspektive von journalistisch-distanziert berichtenden „Stand-Alone-Online-Musikmagazinen mit lokal-regionalen Schwerpunkten und dazugehörigen Service-Angeboten“ angeht, sehen wir nicht das Marktpotenzial, entsprechend hohe Einnahmen im jährlich sehr deutlich sechsstelligen Bereich generieren zu können. Das gibt das Ganze dann letztlich einfach nicht her.

Am Ende all dieser Überlegungen machte sich ein sehr warmes Gefühl bei unserem Chef Andreas Haug breit, der die Idee hatte, das 20-jährige Jubiläum von Rockszene.de als Geschäftsbetrieb zum Anlass zu nehmen, das Magazin exakt am Stichtag 1. März 2021 in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken.

Bevor der Kater kommt

Andreas lässt sich wie folgt zitieren „Man muss nicht alles immer weiter und weiter führen, Expansionsversuche unternehmen und sich damit am Ende womöglich noch in Gefahr begeben. 20 Jahre, respektive 21 Jahre und zwei Monate sind eine verdammt lange Zeit. Für uns eine schöne, ereignis- und erfolgreiche Zeit. Da darf es bitte gestattet sein, sich gesund und mit einem freundlichen Lächeln von der super-langen, schönen Party zu verabschieden und den Heimweg anzutreten, bevor noch irgendein Kater auf einen lauert. Der Zeitpunkt, 1. März 2021, ist bewusst gewählt. Es schließt sich genau dann ein Kreis.“

Die Entscheidung fiel bereits Mitte November 2019. Der Plan war, das Jahr 2020 als „letzte Rock´n´Roll Saison“ nochmal mit vollem Einsatz und Freude durchzuspielen, alles nochmal möglichst richtig gut zu machen, zum Ende nochmal einen Sprint hinzulegen, um dann ins Ziel einzulaufen. Ähnlich wie ein Marathonläufer, der schließlich für die letzten 400 Meter in ein Stadion einläuft und den Lauf gut nach Hause bringt, um dann seine Karriere zu beenden.

Wir haben nach Gesprächen im engsten Kreis des Rockszene.de-Kern-Teams im weiteren Verlauf des Jahres 2020 noch die allerengsten, sehr langjährigen Geschäfts-und Kooperationspartner persönlich informieren können. Das war uns wichtig, das so zu tun, aber auch das hat sich lange Zeit hingezogen, die passende Gelegenheit für diese Gespräche zu finden.

Wir arbeiten seit mehr als einem Jahr mit dem Wissen, dass am 1. März 2021 die letzte Ausgabe von Rockszene.de erscheinen wird, haben das aber meist bei der täglichen Arbeit verdrängt und wollten das auch keinesfalls an die große Glocke hängen. Das hätte im letzten Jahr zu einem überflüssigen Signal geraten können. Es gab und gibt auch heute Wichtigeres.

Zuverlässig die Arbeit machen

Uns haben auch nicht ganz so viele gefragt, wie es uns in der Pandemie geht und wie es so läuft. Im Nachhinein war das auch ganz gut, weil es Situationen gibt, in denen man über bestimmte Dinge nicht sprechen und keine großen Erklärungen abgeben möchte. Diejenigen, die uns gefragt haben, haben dann glücklicherweise nicht hart nachgebohrt. Man hätte irgendwann dann doch mit der Sprache herausrücken müssen, dass wir uns –Pandemie hin oder her- ohnehin in der letzten Runde befinden.

Uns war es ganz besonders in den letzten Monaten wichtig, einfach zuverlässig unsere tägliche Arbeit zu machen, so, wie wir das vom Grundsatz seit dem 1. Januar 2000 kontinuierlich getan haben.

In der letzten Ausgabe vom 28. Februar auf den 1. März 2021 werden wir uns dann mit ein paar Erinnerungen an viele tolle Jahre und bestimmt ganz vielen Dankeschöns von euch verabschieden. Bis zu diesem Datum sind wir für euch da und voll am Start.

Wir wollen vom Grundsatz so aufhören, wie wir begonnen haben, als wirtschaftlich kleine, unabhängige, verlässliche und gesunde Medienfirma. Mit all den Menschen, die dahinter stehen oder über die Jahre standen. Es werden dann am Ende etwas mehr als 40 gewesen sein, die von „nur mal kurz für einen Einsatz“ bis „über viele Jahre als Allrounder“ für und mit uns gearbeitet und das Magazin entscheidend mitgeprägt haben.

Abschied mit einem guten Gefühl

Wir verabschieden uns mit einem guten Gefühl und der Erinnerung an viele aufregende und schöne Jahre. Natürlich auch mit einem weinendem, aber vor allem lachenden Auge.

 „Nichts ist für immer“ und „Alles hat seine Zeit“ lauten alte Weisheiten und angelehnt an ein altes Sprichwort wollen wir noch hinzufügen: „Man soll ein gutes und treues Pferd nicht so lange reiten, bis es irgendwann tot unter einem zusammenbricht“.

Wir schicken in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März unseren geliebten Gaul ein letztes Mal auf die Weide, bringen ihn dann in den warmen Stall, legen ihm eine weiche Decke über den Rücken und dann gibt es noch einen ganz dicken Gute-Nacht-Kuss, in der Hoffnung auf niemals endende schöne Träume.


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