Gehört und Gesehen - Take A Little Time

08.12.2006Seedcake

Seedcake

Take A Little Time

Eigenproduktion (2003)

Hier ist er nun, der erste Longplayer der Göttinger Band Seedcake. Nach vorausgegangenen Kurz-Demos, bietet „Take A Little Time“ zehn Songs mit über 40 Minuten Spielzeit. Das lohnt sich dann ja mal – könnte man meinen.

Seedcake ist eine Band, die so gar nicht in die heutige mitunter oft sehr einfältige, streng genormte und formatierte Musiklandschaft passen will. Seedcake hört man sofort aus Hunderten von Bands heraus, stilistisch dürfte es ohnehin kaum jemanden geben, der sich wie Seedcake auf dem Terrain einer kaum definierbaren, sehr eigenwilligen Spielart von melancholischem Rock und Pop bewegt.

Diese Band ist definitiv so nicht austauschbar, dazu kommt noch, dass das Göttinger Quartett eine CD abliefert, wie es von 500 Produktionen vielleicht nur ein bis zweimal der Fall ist.

„Take A Little Time“ ist in der Besetzung Bass, Gitarre, Keyboards, Schlagzeug und Gesang daheim mit einem Studio-Software-Tool am Rechner produziert worden, auf den Einsatz sündhaft teurer Mikrofone und dergleichen wurde oder musste dabei hörbar verzichtet werden.

Die Platte hat dadurch den Charme eines Rough Mixes einer Live-Studio-Session, wie sie ihn internationale Bands häufig als Demo zunächst für den internen Gebrauch im Rahmen einer Albumproduktion, später dann oft als Extra-Bonus-Disk, verwenden.

„Take A Little Time“ klingt dann auch so richtig nach einer Homerecording- Demo-CD, die aber augenscheinlich mit sehr viel Herzblut eingespielt wurde. Ein Hauch von Exklusivität macht sich da breit, denn hätten Seedcake einen Plattendeal und würden große Produktionen von professionellem Format vorlegen, die vorliegende CD dürfte unter Bootleggern sicher Höchstpreise erzielen.

Seedcake verfügen über viel Talent im Songwriting, haben ein sehr sicheres Händchen für ergreifende Melodien, die der charismatische Sänger und Gitarrist Jan Hagerodt mit einer Leidenschaft intoniert, die alles andere als gekünstelt wirkt.

Gleich der Opener „Why should I Care“ versprüht so etwas wie süße Melancholie und Sehnsucht, „Counting The Hours“ verfügt über Hitpotenzial und die Ballade „Strange Romantic Melody“ zählt ebenfalls zu den kompositorischen Höhepunkten der Platte.

Mit diesem Album haben sich Seedcake auf das Wesentliche in der Musik beschränkt: Songs zu schreiben und diese „aus dem Bauch heraus“ überzeugend zu spielen. Soundfragen sind da nebensächlich, denn was nützt die beste Produktion, wenn der Künstler nichts auf dem Herzen hat ?

www.seedcake.de


Andreas Haug
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