Gehört und Gesehen - Kvitravn

25.01.2021Wardruna

Wardruna

Kvitravn

Sony Music/Columbia (2021, CD, LP, digital)

Wardruna ist das Projekt des norwegischen Musikers Einar Selvik. Zusammen mit Lindy Fay Hella und Hallvard Kleiveland macht er Musik, die von Norwegens vorchristlicher Kultur inspiriert ist. Dazu gehört neben dem Einsatz von Instrumenten wie Ziegenhorn, Kravik-Leier und Tagelharpa (Pferdeschwanzhaar-Harfe) auch eine traditionelle nordische Gesangstechnik. Es sind vor allem auch die Texte, die an jene Zeit angelehnt sind. Mit dem Album „Kvitravn“ haben Wardruna nun ihr fünftes Studioalbum vorgelegt, das alle diese Elemente wieder vereinen soll.

„Kvitravn“ heißt auf Deutsch „weißer Rabe“ und ist das erste Wardruna Album bei dem Majorlabel Sony Music. Es enthält insgesamt elf Songs, die neben der Stammbesetzung, mit einigen Gastmusikerinnen und Gastmusikern aufgenommen wurden. Zu den musikalischen Gästen zählen unter anderem die norwegische Sängerin Kirsten Bråten Berg und ihre Tochter Sigrid, Multi-Instrumentalist Unni Løvlid, der Sänger Ingebjørg Lognvik Reinholdt und der Ziegenhorn- und Weidenflötenspieler Eilif Gundersen.

Das Album startet mit dem Song „Synkverv“, der sofort eine musikalische Landschaft aufbaut, die durch viele verschiedene Instrumente geprägt ist. Zum Teil wirkt diese aber ein bisschen zu überladen und synthetisch. Dadurch erinnert sie eher an Musik von Enya, als an die Songs ihres vorherigen Album „Skald“. Dieser Eindruck zieht sich auch durch die Songs „Fylgjutal“ und „Kvit hjort“, die für mich die schwächsten Titel des Albums sind.

Viel besser ist hingegen der Titeltrack „Kvitravn“. Es besteht aus immer wiederkehrenden musikalischen Motiven, die es fast ein bisschen meditativ erscheinen lassen. Geprägt wird es vor allem durch den Einsatz traditioneller nordischer Instrument, sowie den tiefen Gesang von Einar Selvik.

Ein weiterer Song der überzeugen kann ist „Skugge“. Wer Wardruna mit der Wikingerzeit verbindet, wird an diesem Titel seine Freude haben. Insbesondere durch den tiefen Doppelgesang von Einar Selvik und Ingebjørg Lognvik Reinholdt und den durchgängigen Einsatz der Trommel fühlt man sich, als ob man mit einem Wikingerschiff auf großer Fahrt befindet.

Ähnlich gut, aber auf eine andere Weise, ist der Song „Munin“, der viel reduzierter ist als die anderen Songs des Albums. Hier stehen klar der Gesang und damit auch der Text im Vordergrund. Er handelt von einem der Raben Odins und gehört zu den besten Songs des Albums.

Das absolute Highlight ist aber der allerletzte Titel „Andvevarljod“. Der längste Song des Albums schafft es gleichzeitig reduzierter als viele der anderen Songs zu sein und dennoch eine Vielfalt an den Tag zu legen. Er spielt mit der Dualität dem männlichen und weiblichen Gesang, der sich immer wieder abwechselt. Und auch die Instrumente werden in den einzelnen Passagen unterschiedlich stark eingesetzt, so dass ein Song entsteht der, trotz seiner Länge, nicht langweilig wird.

Insgesamt ist Wardruna mit „Kvitravn“ ein Album gelungen, das es zwar schafft mit vielen der Songs zu überzeugen, das aber im Vergleich zum vorherigen Album „Skald“ irgendwie geschliffener klingt. Die besten Beispiele dafür sind, die von mir bereits genannten Titel, „Synkverv“, „Fylgjutal“ und „Kvit hjort“. Der etwas neue und nicht mehr so raue Sound könnte eventuell mit dem Wechsel zum Majorlabel zusammenhängen.


Stephan Meßmann
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.wardruna.com
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