Gehört und Gesehen - Scylla/Charybdis

03.12.2019Lady Crank

Lady Crank

Scylla/Charybdis

Timezone (2019, CD)

Obwohl die aus Hannover und Berlin stammende Band Lady Crank bereits seit einigen Jahren in der Szene mit ihren Live-Shows und Musikvideos für Furore sorgt, stand bislang eine Album-Veröffentlichung aus. Die gibt es jetzt mit „Scylla/Charybdis“. Die elf Songs zeigen, wie sich das Trio zuletzt stilistisch weiterentwickelt hat und musikalisch teils noch extremer dem Spaß, der Spieltechnik und –gesamtkünstlerisch- dem kreativen Wahnsinn zugewandt ist.

Lady Crank hatte zwar bereits eine Vergangenheit und Ursprünge, in unserem Archiv fanden wir allerdings einen Artikel, der die Konzertpremiere der seinerzeit noch als Quartett operierenden Gruppe für den 14. Januar 2014 im Kulturpalast Linden vermeldet. Als support für Florian Hofer. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen.

Lady Crank haben zahlreiche Songs geschrieben, Musikvideos veröffentlicht und Shows gespielt. Auch den einen oder anderen personellen Wechsel gab es. Aktuell sind Lady Crank Janni Stefos (Gesang, Gitarre), Johannes Horas Möllers (Bass, Gesang) und Christoph Schöneberg (Schlagzeug, Gesang).

Eine längst in der subkulturellen Rockszene etablierte Band, die sich jedoch bis Ende November 2019 Zeit für ein komplettes Album gelassen hat und das war offensichtlich keine schlechte Idee.

Einst eher dem Grunge und härterem Alternative-Rock zugeneigt, präsentieren sich Lady Crank auf ihrem Debütalbum „Scylla/Charybdis“ als multi-kreatives, hochinspiriertes Team, das Elemente aus Post-Hardcore, Mathcore und modernem Progressive-Metal zu einem explosiven musikalischen Gemisch so geschickt und geschmackvoll vermengt, dass der Konsument sich zunächst einmal setzen und tief durchatmen muss.

Was bitte ist das für ein Album? Man wird schwindelig vom Tempo, der Kompositionskunst, der äußerst versierten Spieltechnik, den überraschenden Brüchen und der rohen, ungebremsten Leidenschaft. Für letztere war die Band ohnehin schon vorher bekannt.

Was die elf Songs auf „Scylla/Charybdis“ mit bärenstarker Kraft vorantreiben, ist eine wilde Achterbahnfahrt mit zahlreichen Loopings. Man kommt völlig durchgeschüttelt heraus, weiß kaum noch, wo links, rechts, vorne, hinten, oben oder unten ist. Gut geht es einem dennoch, kein flaues Gefühl in der Magengegend, sondern eher ein Gefühl tiefer Zufriedenheit und Glück. Vorausgesetzt, man steht auf progressive, harte Extremerlebnisse. Sonst könnte es möglicherweise ein bisschen schwierig werden.

Aufgenommen und soundtechnisch sehr ansprechend in Szene gesetzt wurde das Album in Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Tontechniker Timo Sauer und dem The-Aqualung-Musiker Cornelius Laube. In Sachen Optik gab es ebenfalls Input aus dem Hause von The Aqualung: Daniel Höft gestaltete das Cover-Artwork.

Spontan möchte man sich nach dem Hören des Albums gemeinsame Konzerte von Lady Crank mit Bands wie The Hirsch Effekt, TesseracT oder auch Lysistrata vorstellen. Das wäre dann weniger eine Achterbahnfahrt, als eine Reise zum Mond. Rückkehr: Irgendwann. Mit zerrissenen Fallschirmen über einer zerbeulter Raumkapsel in irgendeinem Ozean. Zustand: Erschöpft aber glücklich.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.facebook.com/ladycrankmusic
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