Gehört und Gesehen - Low Spirits & Fireworks

14.09.2019Kyles Tolone

Kyles Tolone

Low Spirits & Fireworks

Kyles Tolone Records /record Jet / Edel (2019, CD)

Elf neue Songs hat die Alternative-Rock-Band Kyles Tolone auf ihrem neuen Album „Low Spirits & Fireworks“ verewigt, Songs, die einen nicht sofort mit zuckersüßen Ohrwurm-Melodien überschütten oder direkt um die Ohren fliegen. Die Göttinger sind offensichtlich keine Band, die gleich mit der Tür ins Haus fällt, sondern zunächst einmal professionell-routiniert und gefällig klingt. Hört man genauer hin und widmet sich dem Album intensiver, da spürt man förmlich die Kraft, Tiefe und Emotionalität, die in der Musik von Kyles Tolone steckt und dass da Songs und Melodien sind, die man plötzlich nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

In Zeiten von Playlists auf Streaming-Portalen, fragt sich der klassische Album-Hörer nicht selten, wo die Reise hingehen sollen, ob Bands zukünftig überhaupt noch Longplayer mit allem Drum und Dran produzieren und veröffentlichen oder ob man die Hörgewohnheiten umstellen muss und nur von Song zu Song denkt oder von Skip zu Skip.

Auch wenn Kyles Tolone in den letzten Wochen und Monaten drei Songs als Singles und die dazugehörigen Videos veröffentlicht haben, um auf ihr neue Platte aufmerksam zu machen, zeigt die Band mit „Low Spirits & Fireworks“, das Alben mit einem sehr geschmackvollen Coverartwork mehr als nur eine Existenzberechtigung haben, weil sie –wie in diesem Fall- einen sehr schlüssigen und stimmigen Musikgenuss erlauben.

Es ist angenehm und macht Spaß, dem neuen Werk von Kyles Tolone zu lauschen, man kann es wunderbar nebenher bei der Erledigung der Arbeit hören. Da ist keine aufdringliche Band, die nach Aufmerksamkeit schreit und „Low Spirits & Fireworks“ ist auch kein aufdringliches Album. Vielmehr wirkt die Platte unterbewusst und beginnt sich langsam, aber zielsicher in die Gehörgänge zu schlängeln und dort festzusetzen. Das fühlt sich nicht nach schnellem Spaß sondern nach Nachhaltigkeit an.

Dann unterbricht man doch seine Tätigkeit und ist interessiert, sich genauer mit den Songs auseinanderzusetzen, denn so manche Melodie ist schließlich doch zu so etwas wie einem dezenten Ohrwurm geworden, wie etwa im grandiosen, packenden und dramatischen Song „The Void“. Schaut man das Video dazu oder hört man wenigstens mal genauer auf den Songtext, dann vermag sich Gänsehaut einzustellen, mindestens dürfte man berührt sein und erfährt, dass unter der Oberfläche sehr viel Tiefe und Substanz ist.

Mit „Low Spirits & Fireworks“ präsentieren sich Kyles Tolone als eine Band zwischen Leichtigkeit und Tiefgang. Hier sind hörbar gereifte Künstlerpersönlichkeiten am Werk, die auf diesem obendrein hervorragend arrangierten und produzierten Album zeigen, mit wie viel Herz und Seele sie ihre Musik leben und spielen.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.kylestolone.com
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