Gehört und Gesehen - Rise

21.06.2019Hollywood Vampires

Hollywood Vampires

Rise

eagleMusic/edel (2019, CD)

Das zweite Album der Allstar-Band um Schock-Rocker Alice Cooper, Aerosmith-Gitarrist Joe Perry und dem in erster Linie als Superstar-Schauspieler bekannten Johnny Depp, das man beim flüchtigen Durchhören leicht unterschätzen kann. Okay, Rock, Hardrock, Rock´n´Roll, kernige Gitarrenriffs und ein leichter Psychedelic-/Glam-Einschlag. Sowas kennt man natürlich schon aus dem Repertoire von Alice Cooper und in Teilen auch von Aerosmith und anderen Protagonisten, die seit den Siebzigern im Geschäft sind. Warum also Hollywood Vampires? Vielleicht, weil diese Bandkonstellation besonders cool ist und noch das gewisse Etwas besitzt.

Es ist durchaus eine gesunde Skepsis angebracht, wenn Namedropping über einen hereinbricht, es Kollaborationen von langjährigen Helden des Rock, Hardrock und Rock´n´Roll gibt. Schnell kommen Begriffe wie „Supergroup“ auf den Tisch und im Fall der Hollywood Vampires ist da noch der extrem populäre und wandelbare Superstar-Schauspieler Johnny Depp. Der spielt in dieser Band Gitarre und singt auch den einen oder anderen Song. „Kann der in der Rolle als Musiker in dieser Liga überhaupt wirklich mithalten oder geht es hier mehr um Promi-Vermarktung und erhöhten Glamfaktor?“ Diese Frage mag einem vor einer näheren Auseinandersetzung mit dieser Band und ihrer Musik tatsächlich erst einmal in den Kopf schießen.

Die Antworten gibt das neue Hollywood-Vampires-Album selbst, das Perry, Cooper und Depp zusammen mit Tommy Henriksen produziert haben. Henriksen spielt auf der Platte auch diverse Instrumente, wie Bass, Keyboards und Gitarre und steuert ebenfalls hier und da mal Gesang bei. Zum erweiterten Stamm gehört auch Schlagzeuger Glen Sobel. Dazu haben noch diverse Gastmusiker mitgewirkt, auf der lockeren, Rockabilly-angehauchten Nummer „Welcome To Bushwackers“ etwa ist mit Jeff Beck ein weiterer, langjähriger Gitarrenmeister mit von der Partie.

Insgesamt 16 Tracks sind auf „Rise“ versammelt, zwischen einigen Songs gibt es immer mal wieder leicht geisterhaft anmutende Einspieler mit geheimnisvollem Stimmenwirrwarr, Instrumenten-Schnipseln und elektronischen Sounds und Effekten. Jeweils zwischen einer halben und anderthalb Minuten lang.

Subtil humorvoll

Die Hollywood Vampires überraschen und überzeugen mit ihrem stellenweise subtil humorvollen und sehr lässig wie laid-back gespieltem Rock´n´Roll mit zeitweise leichten Glam-und Psychedelic-Einschlag. Mal klingt das hart und schmutzig, dann wieder locker-leicht. Am ehesten scheinen wohl das Mitwirken von Alice Cooper und der Einfluss seiner musikalischen Wurzeln durch.

Cooper übernimmt meist den Lead-Gesang, aber auch Depp und Perry demonstrieren, dass sie sehr gefühlvolle und ausdrucksstarke Sänger sind. Wenn Joe Perry den Song „You Can´t Put Your Arms Around A Memory“ intoniert, dann zeigt sich gleichzeitig die musikalische wie atmosphärische Vielfalt dieses Albums. Dieser Song hat ein gewisses Indie-Rock´n´Roll-Flair mit leichtem Robert-Forster-Gefühl im Gesang.

Wenn dann Johnny Depp ans Mikro tritt, dann bekommen Songs wie „Git From Round Me“ beinahe etwas Hypnotisches. Ein Höhepunkt ist die Interpretation des David-Bowie-Allzeit-Klassikers „Heroes“, ebenfalls mit Johnny Depp am Leadgesang. Das Timbre seiner Stimme kommt dem von Bowie relativ nah. Aufgenommen hatten die Hollywood Vampires „Heroes“ bereits Anfang Juni 2018 am Originalschauplatz, in den Berliner Hansa Studios, dort wo David Bowie und Brian Eno anno 1977 diesen Welthit auf Band brachten.

Rock´n´Roll mit kreativem Pfiff

Es dürfte eine besondere Kunst sein, Rock´n´Roll heutzutage so inspiriert und mit kreativem Pfiff zu präsentieren wie Hollywood Vampires, die von Haus aus das perfekte Bild der coolen Band abgeben und das schon rein optisch. In einem Genre, in dem so gut wie jedes Riff und jedes Solo bereits gespielt wurden, zeigen Hollywood Vampires in Songs wie „People Who Died“, wie man auch 2019 noch ein Rock´n´Roll-Gitarrensolo so spielen kann, als sei es eben gerade erst erfunden worden. Da dürfte bei vielen, auch sehr langjährigen und vielleicht auch strapazierten Rock-Hörern (wieder mal) das Herz hüpfen.

„We Gotta Rise“ kontrastiert das Album dann mit eine Art Marching-Band-Persiflage, ein Song zum Mitsingen und Mitgrölen bei dem eingangs Alice Cooper als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vorgestellt wird.

Ein auf gewisse Art und Weise lässig-lustiges und irgendwie auch magisches Album.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.hollywoodvampires.com
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