Gehört und Gesehen - The Beatles (White Album – 50th Anniversary Reissue)

16.11.2018The Beatles

The Beatles

The Beatles (White Album – 50th Anniversary Reissue)

Universal Music (2018, 3CD)

Offiziell trägt die Original-Veröffentlichung aus dem Jahr 1968 schlicht den Namen der Band: „The Beatles“, landläufig ist sie aber aufgrund der Cover-Gestaltung als das „weiße Album“ bekannt. Es ist das erste Doppel-Album der Beatles und enthält sage und schreibe 30 Songs. In diesem Jahr, zum 50-jährigen Jubiläum, ist eine restaurierte und remasterte Sonder-Edition dieses legendären Albums erschienen. Erstmals gibt es auch die 4-Spur-Demo-Aufnahmen, die im Haus von George Harrison stattfanden, die so genannten „Esher-Sessions“.

Nicht immer sind Remastering-Projekte von Album-Klassikern das Gelbe vom Ei. Was bei manchen Platten in Sachen technischer Neubearbeitung und zum Teil sogar Mischung gemacht wird, stellt nicht immer Fans zufrieden, die über Original-Vinyl-Versionen der Alben verfügen. Im konkreten Fall des „weißen Albums“ der Beatles kann man vor dem Produktionsteam dagegen nur den Hut ziehen. Die Ton-und Stereoqualität der ursprünglichen Studioaufnahmen und die Bearbeitung der Demo-Sessions im Haus von George Harrison sind ausgezeichnet gelungen.

Das „weiße Album“ in dessen 2018er-Jubiläums-Editon klingt stellenweise wärmer und frischer als manche aktuelle Produktion in ähnlichen musikalischen Stilrichtungen.

Als The Beatles vom Frühjahr bis in den Herbst 1968 an den Songs arbeiteten und in verschiedenen Räumlichkeiten der Abbey Road Studios aufnahmen, waren sie zuvor einige Monate in Indien gewesen. Die künstlerischen Inspirationen für das Schreiben neuer Musik waren sehr groß und vielfältig. Das „weiße Album“ zeichnet sich vor allem durch seine Vielfalt zwischen Pop, Folk, Blues, Rock sowie Pop und Rock mit psychedelischen Elementen aus.

Zu den bekanntesten Songs dieses Doppel-Albums zählen Titel wie „Back In The U.S.S.R.“, „Dear Prudence“, „Ob-La-Di, Ob-La-Da“, „While My Guitar Gently Weeps“, „Helter Skelter“, „Happiness Is A Warm Gun“, „Revolution“ und „Black Bird“. Viele dieser Songs wurden zu Klassikern der Rockgeschichte und wurden vielfach von anderen Bands und Einzelkünstlern interpretiert.

Um das Album, vor allem um die Entstehungsgeschichte, ranken sich einige Anekdoten und auch Mythen. Hierauf näher einzugehen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Musikalisch dürfte „das weiße Album“ zu den besten und abwechslungsreichsten der Beatles gehören. Künstlerisch bietet die Band einerseits schlüssige, eingängige Songs, bietet zeitweise Elemente aus progressiver-Rockmusik oder feiert auch mal eine experimentelle Orgie wie mit „Revolution 9“. Zunächst spannend und atmosphärisch, im längeren Verlauf aber zunehmend schwer zugänglich und ebenso schwer erträglich. Als hätte man probiert, so etwas wie einen schier endlosen Albtraum unter Drogeneinfluss mit Geräuschen und Effekten musikalisch zu illustrieren.

Für eingefleischte Fans von hohem Wert dürfte die CD mit den Demo-Aufnahmen zum Album sein. George Harrison verfügte bereits 1968 über ein 4-Spur-Tonbandgerät und lud seine Bandkollegen in sein Haus in Esher. Dort spielte man Rohfassungen und erste Songentwürfe auf Akustikgitarren ein.

So manche kreative Idee wurde dort zu Tage gefördert, allerdings waren es mehr Jam-Sessions mit allem was an zeitweiligen Aussetzern und Herumprobieren sowie kleinen Albereien zu tun hat. Diese Aufnahmen wurden im Rahmen der Möglichkeiten bei der aktuellen Bearbeitung ebenfalls auf eine hohe Soundqualität gebracht. Für viele haben die Demos, darunter auch Songs von später nicht veröffentlichten Songs, sicherlich einen hohen Liebhaberwert.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.thebeatles.com
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