Gehört und Gesehen - The Flesh And The Blood

23.10.2018Wayste

Wayste

The Flesh And The Blood

Day By Day Records / Through Love Records / Indigo (2018, CD)

In Teilen Deutschlands und unter Insidern wird seit einigen Wochen das Leipziger Trio Wayste sehr hoch gehandelt. Offensichtlich zu Recht. Zumindest das im September erschienene Album lässt hart aufhorchen. Was Wayste hier zwischen Hardcore, Progressive, Noise-Rock und Punk vom Stapel lassen, dürfte auch den an härteste und temporeiche Musik gewöhnten Hörer sehr überraschen. Es geht alles noch eine Spur verrückter, ideenreicher, schneller und härter. Wayste zeigen das auf „The Flesh And Blood“ auf äußerst kompromisslose und leidenschaftliche Art und Weise.

Sich was trauen, was kaum jemand anderes macht, Grenzen überschreiten, alles über weit als 100 % machen, nicht nach links oder rechts schauen, nicht zurück, sondern nur nach vorn. Das eigene Ding durchziehen und dabei die Hörer immer wieder durchrütteln und überraschen bis diese in einen Rausch geraten. „The Flesh And Blood“ ist ein Album mit zwölf Songs die Elemente aus erbarmungslosem Hardcore, Punk, Noise-Rock, Blues, Folk-Punk und Progressive auf so geschickte Weise verbinden, dass so etwas wie ein Wayste-Sound geboren scheint.

Musikalisch und spieltechnisch höchst inspiriert und versiert nehmen Wayste den Hörer mit auf eine Höllenfahrt, die einem wie ein Freistil-Ritt mit unzähligen Unbekannten vorkommt. Laut, extrem hart und zupackend. Man weiß nie, was nach der nächsten Kurve kommt, wo eventuell –wie in einer perfekten Illusions-Geisterbahn- ein Erschrecker steht, mit dem man nie im Leben gerechnet hatte, der dann aber zum Freund wird.

„The Flesh And Blood“ ist ein künstlerischer, musikalischer, spielerischer Exzess, der aber für den Hörer keine negativen Nebenwirkungen hat. Das Gegenteil von schnörkellos, aber auch nicht verkopft verfrickelt. Wayste scheinen keinem Konzept zu folgen, sondern mit dieser Platte ausschließlich ihrem Bauch und ihrem Herzen. Konventionen werden nicht beachtet. Es ist ein Genuss, diesem obendrein hervorragend aufgenommenen und gemischten Album zu folgen und eine Freude, dass es noch Künstler gibt, die ihren eigenen Weg gehen, unangepasst aber dennoch zugänglich andere mitreißen.

Der Pressetext gibt eine vage Orientierungshilfe in Richtung von Bands wie Every Time I Die oder Converge. Diese bekannten Namen dürften sich durchaus geschmeichelt fühlen. Wayste legen da, bei allem Respekt vor den Größen, oft noch ein bisschen mehr auf den Tisch und wären auch gut beraten, in Zukunft einfach da weiterzumachen, wo sie mit „The Flesh And The Blood“ aufhören.

Es hört und fühlt sich so an, dass das Leipziger Trio in einem offenen, spannenden, nicht wirklich eindeutig definierten Genre mit dieser Platte neue Maßstäbe setzen. Sensationell!


Andreas Haug
(10 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.facebook.com/waysteband
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