Gehört und Gesehen - The Thread

23.08.2018Lysistrata

Lysistrata

The Thread

Vicious Circle Records (2018, CD)

Eine junge, inspirierte und leidenschaftlich musizierende Band ist Lysistrata. Das französische Trio, das stilistisch zwischen Post-Hardcore, Math-Rock und Post-Rock agiert, legt mit „The Thread“ sein Debütalbum vor. Die drei Freunde sind um die 20 Jahre und gehen auf die sieben Songs der Platte ideenreich und mit frischer, gesunder Härte zu Werke, wie man es so oft nur von jungen, unverbrauchten Bands kennt, die in der frühen Phase ihrer Karriere ihr erstes oder zweites Album einspielen.

Lysistrata sind Sänger und Gitarrist Théo Guéneau, Bassist und Sänger Max Roy und Schlagzeuger Ben Amos Cooper. Die drei Freunde spielen schon seit Schulzeiten zusammen und werden in ihrem Heimatland Frankreich bereits als sehr heißer neuer Act gehandelt. Darüber hinaus wurde man bereits mit einigen Musikpreisen ausgezeichnet. In diesem Sommer tourt die Band äußerst umfangreich und spielt auf Festivals vieler unterschiedlicher Größenordnungen. Im September und Oktober wird man auch einige ausgesuchte Club-Shows in Deutschland spielen, darunter am 24.Oktober im LUX in Hannover.

Auf dem Hamburger Reeperbahnfestival, traditionell eine wichtige Plattform für viele interessante, moderne internationale Newcomer, sind Lysistrata ebenfalls zu Gast.

Wenn man potenziellen Hörern, die zu Fans werden sollen, das Debütalbum einer Band nahebringen möchte, deren Name womöglich kaum oder noch gar nicht geläufig ist, müssen oft Orientierungshilfen in Form von namhaften populären und etablierten Acts des jeweiligen Genres her. Im Fall von Lysistrata fallen Namen wie At The Drive In oder Refused. Bei ihren Post-Hardcore-Kompositionen- und Arrangements dürfte vielen die Band Funeral For A Friend in den Sinn kommen. Ziemlich sicher haben die drei Jungs von Lysistrata entsprechende Platten dieser Bands daheim im Regal oder als Sounddateien auf dem Rechner.

Auf „The Thread“ präsentiert die Band eine ziemliche Bandbreite ihres Könnens. Das sind griffige Post-Hardcore Songs, in instrumentalen Parts geht es deutlich in Richtung Post-Rock und angenehme Dissonanzen, Kanten, überraschende Breaks, Akzente und auch mal feines frickeliges Spiel sind zu vernehmen. Es gibt dreiminütige Songs, aber auch über acht- oder gar über elfminütige Kompositionen mit einer gewissen Komplexität. Produziert wurde das Album mit analogem Equipment, einige Takes haben die drei Musiker live eingespielt. Es lag den Musikern am Herzen, auf dem Album die Bühnenenergie einzufangen.

Lysistrata erweisen sich auf ihrem Debüt als spielerisch sehr versierte, hoch motivierte junge, wilde Band mit Herz, Bauch und Eiern, die im Umfeld von Post-Hardcore/Post-/Math-Rock das oft angeführte und beschworene „gewisse Etwas“ hat, dass sie von vielen anderen Bands dieser Stilrichtungen unterscheidet.

Überdurchschnittlich gut und sehr erfrischend.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.facebook.com/lysistratatheband
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