Gehört und Gesehen - Foreigner with the 21 Century Symphony Orchestra & Chorus

28.04.2018Foreigner

Foreigner

Foreigner with the 21 Century Symphony Orchestra & Chorus

earMUSIC/Edel (2018, CD)

Im Mai 2017 spielte die seit den späten Siebzigern und frühen Achtzigern international sehr populäre und erfolgreiche Rockband Foreigner zwei besondere Konzert in der Schweiz. Gemeinsam mit einem großem Sinfonie-Orchester und einem 60-köpfigen Chor brachte man zahlreiche Hits und Klassiker wie „Urgent“, „Cold As Ice“, „Jukebox Hero“, „That Was Yesterday“ und „I Wanna Know What Love Is“ in neu instrumentierten und speziell arrangierten Fassungen auf die Bühne. Die Shows wurden für die vorliegende Live-Veröffentlichung aufgezeichnet.

Eine Rockband mit Chor und Orchester oder das Zusammentreffen von Rock und Klassik sind nicht jedermanns Sache. Wo sich die einen nett und dramaturgisch womöglich spektakulärer unterhalten fühlen, empfinden andere diese Konstellation als Verwässerung und Verzuckerung der Songs oder vereinfacht ausgedrückt, als nichts Halbes und nichts Ganzes.

Im Fall von Foreigner und dieser Live-CD darf sich der Classic-Rock-Fan im Allgemeinen und Foreigner-Anhänger im Speziellen von einer über weite Strecken sehr geschmackvollen Inszenierung der Hits und Klassiker der britisch-amerikanischen Band überraschen lassen. Einige Songs gewinnen in der Kombination Rockband / Sinfonieorchester / Chor sogar noch gegenüber den Originalaufnahmen.

Der Großteil der Songs wird nicht unnötig aufgeblasen oder verwässert. Die Rockband-Instrumentierung, Gitarre, Bass und Schlagzeug sowie der Gesang von Kelly Hansen sind das Fundament und stehen im Vordergrund. Orchester und Chor sind geschmackvoll und feinfühlig integriert und so ergibt sich ein meist stimmiges, kraftvolles Gesamtbild.

Ältere Klassiker wie das leicht ins Progressive spielende „Starrider“ schein überdies wie geschaffen für ein solches Orchesterarrangement und dort wo im Original von „That Was Yesterday“ 80er- Jahre- Synthesizer das Klangbild dominieren, kommen hier eben analoge Streicher zu Einsatz. Kleine Gimmicks lassen sich Foreigner und das von Ernst van Tiel dirigierte 21st Century Orchester hier und da auch noch einfallen, so unternimmt man bei „Cold As Ice“ einen kurzen instrumentalen Ausflug zu „Black Knight“ von Deep Purple.

Kritisch wird es dann aber zum Abschluss der 14 Tracks umfassenden Live-CD. „Jukebox Hero“ ist eine Spur zu orchestral- pompös geraten und die Foreigner Überballade „I Wanna Know What Love Is“ groovt locker-flockig daher wie in einer Café Lounge. Im Refrain läuft der Chor zur Hochform auf, so dass man meinen könnte, man befinde sich in einem Gottesdienst. Das steht diesem Song nicht wirklich gut.

Schade auch, dass man sich in der Nachproduktion für die CD dafür entschieden hat, nach den jeweiligen Songs und dem Publikumsapplaus rasch auszublenden, bevor der nächste Song startet. Möglicherweise hat man sich die besten Songversionen der beiden Konzertabende ausgesucht und letztlich zusammeneditiert. Bei der Inszenierung mit Orchester, bei der es auch einige Instrumentale Zwischenspiele gab, wäre aus dramaturgischer Sicht ein homogenes Hörerlebnis mit weichen Übergängen ohne Fade-Out schöner und runder gewesen.

Insgesamt ist es dennoch ein gelungenes Projekt von Rockband, Orchester und Chor und für Fans von Foreigner dürfte das Live-Album über weite Strecken hörenswert und eine Bereicherung in der Sammlung darstellen.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.foreigneronline.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Foreigner - No End In Sight - The Very Best Of...(2CD) (2008)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite