Gehört und Gesehen - Topographic Drama - Live Across America

23.11.2017Yes

Yes

Topographic Drama - Live Across America

Warner Music Group (2017, 2CD)

Ein aktuelles Live-Doppel-Album der Band Yes, das im Verlauf einer als hochambitioniert bewerteten US-Tour (Medieninfo) im Sommer 2016 entstanden ist. Die britische Band die zu den einflussreichsten Wegbereitern des Progressive-Rock zählt, hatte tief in ihrem Repertoire gestöbert und ein besonderes Programm mit zum Teil über 20-minütigen Klassikern aus den 1970er-Jahren und dem Jahr 1980 zusammengestellt, darunter die komplette Performance ihres Albums „Drama“. Zum Line-Up der Band, die über Jahrzehnte häufiger die Besetzung wechselte und zwischendurch aufgelöst war, zählten langjährige Musiker wie Schlagzeuger Alan White und Gitarrist Steve Howe.

Wer sich für Progressive-Rock, seine Ursprünge, Entstehung und Entwicklung interessiert, der kommt an der Band Yes nicht vorbei. Gemeinsam mit Bands wie Genesis, Pink Floyd, King Crimson oder Emerson, Lake & Palmer prägte die Band seit den frühen Siebzigern das Genre entscheidend mit.

Gern werden Yes auch unter Art-Rock kategorisiert, die Band komponierte in den Siebzigern epische Werke von denen ein Stück auch schon mal eine ganze Seite einer Vinyl-Schallplatte füllte. Musikalisch dominierten bei Yes Rock, Jazz, Folk und Klassik, die die Band auf kreative Weise in ihre Musik mit zum Teil langen Instrumentalteilen mischte. Markant der hohe Falsettgesang, der früher von Jon Anderson übernommen wurde und für den heute Jon Davison verantwortlich zeichnet.

Repertoire mit Stücken von 1971 – 1980

Als Yes 2016 durch die USA tourten spielte die Band bei ihren Shows ihr 1980er-Album „Drama“ in voller Länge, präsentierte eine Auswahl aus ihrer 1973er-Veröffentlichung „Tales From Topographic Oceans“ und spielte Klassiker aus wichtigen Yes-Alben wie „Fragile“ (1971) und „Close To The Edge“ (1972), darunter Stücke wie „Roundabout“ und „Starship Trouper“.

Es ist ein Programm, das sich auf diesen beiden CDs über knapp 137 Minuten erstreckt und von der aktuellen Yes-Besetzung Jon Davison (Gesang), Billy Sherwood (Bass, Gesang), Steve Howe (Gitarre, Gesang), Geoff Downes (Keyboards, Gesang) und Alan White (Schlagzeug) in mehr als ansprechender Weise präsentiert wird. Zu den Höhepunkten zählt das exzellente Gitarrenspiel von Steve Howe, der neben Schlagzeuger Alan White zu den Musikern gehört, die schon Anfang der Siebziger bei Yes wirkten.

In manchen Phasen ihrer Karriere hatte die Band auch mal geradlinigeren Rock gespielt der es ins Tagesprogramm der großen Radiosender schaffte. In den Achtzigern wurde etwa das Album „90125“ mit dem Hit „Owner Of A Lonely Heart“ ein großer Erfolg und schaffte es auch in Deutschland auf Platz 2 der Charts.

Mit dem aktuellen Live-Album „Topographic Drama – Live Across America“ widmen sich Yes dagegen konsequent ihren Wurzeln: Mit vertrackten, verschachtelten, wie gefühlvollen Kompositionen führen sie den interessierten Hörer und Fan in Welten außerhalb des gegenwärtigen Alltages und es ist wohl eine gute Idee, wenn man diesem Album Zeit und Aufmerksamkeit schenkt, sich zurücklehnt und in Ruhe genießt.

Eine Affinität zu 70er-Jahre-Progressive-/Art-Rock ist dabei jedoch Voraussetzung, andererseits bietet dieses aktuelle Live-Album eine sehr gute Gelegenheit, in geschickter Zusammenstellung wichtige Werke einer Band kennenzulernen, die der das Genre maßgeblich mitgeprägt hat.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.yesworld.com

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Yes - Progeny: Highlights Form Seventy-Two (2015)
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