Gehört und Gesehen - California (Deluxe Edition)

22.05.2017blink-182

blink-182

California (Deluxe Edition)

BMG Rights Management (2017, 2CD)

Mit „California“ aus dem vergangenen Sommer bewiesen blink-182, dass sie fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Neighborhoods“ und der dramatischen Trennung von Gründungsmitglied Tom Delonge ihren Biss nicht verloren haben. Nun melden sie sich nach erst einem Jahr mit der Deluxe-Version von „California“ zurück.

Mark Hoppus, Travis Barker und Matt Skiba haben nicht zu viel versprochen. Die Deluxe-Edition ist keinesfalls ein lieblos zusammengewürfelter Haufen von Wegwerfsongs, sondern eine würdige Ergänzung, die auch ein alleinstehendes Album sein könnte. Statt einer Handvoll neuer Songs, ein paar Akustikversionen und Demos liefert das kalifornische Trio elf neue Songs und die Live-Akustikversion der Erfolgs-Single „Bored To Death“ aus dem vorangegangenen Album.

Die neuen Songs knüpfen nahtlos an die Vorgänger an. Und wer glaubt, dass blink-182 alle düsteren Lyrics und catchy Melodien auf der ersten Scheibe verpulvert haben, irrt. All der Schmerz, den das Verlassen der Band von Tom Delonge mit sich gebracht hat, ist immer noch präsent und nicht so einfach mit „California“ abgespeist. Trotzdem schwingen einige positive Erinnerungen mit, wenn Mark Hoppus von den „Good Old Days“ singt. Es ist eben nicht mehr so, wie es war.

Aber vielleicht bringt das neben all dem Schatten- ja auch seine guten Seiten mit sich. Und dennoch gelingt es Mark, Travis und Matt den alten blink-Sound nicht zu vernachlässigen und sich trotzdem vorwärts zu bewegen. So klingt das Gitarrenriff im Intro zu „Don’t Mean Anything“ wie eine Fusion aus „Adams Song“ aus dem 1999er-Durchbruchs-Album „Enema Of The State“, „Future“ und San Diego“ aus dem Vorgänger-Album „California“.

Ob Rückblicke auf die Jugend, erste Konzerte („Parking Lot“) oder die jetzige Beziehung zu den Eltern („Don’t Mean Anything“) - der starke Bezug zu ihrer Heimat Kalifornien spielt immer noch eine bedeutende Rolle. Die dunklen Seiten und schweren Zeiten balancieren blink-182 wie immer mit frecher Leichtigkeit und einer Prise Optimismus aus. Und natürlich kommt hin und wieder der„Dick-Jokes“-Humor durch. „Can’t Get You More Pregnant“ ist der kleine, unerzogene Bruder von „Built This Pool“ und „Brohemian Rhapsody“.

Eye- oder besser gesagt „Earcatcher“ sind eindeutig „Hey I’m Sorry“, „Last Train Home“, „Long Lost Feeling“ und „Bottom Of The Ocean“. „Hey, I’m Sorry“ war bereits ein Bonus-Track des japanischen „California“-Albums und beißt sich im Trommelfell fest.

„Wildfire“ entfacht die Vorfreude auf bevorstehende Live-Shows. Vor allem die abwechselnden Lyrics von Mark Hoppus und Matt Skiba machen Spaß.

Gewohnte Wege verlassen die drei Punkrocker mit „6/8“ und „Bottom Of The Ocean“. Mit „Bottom Of The Ocean“ springen sie in die poppigsten, elektronischsten Gewässer, die blink-182 je betreten haben. Diese Experimentierfreude bringt sie an neue Ufer. Der Song hätte wunderbar als Abschlusstrack funktioniert.

Auch, wenn einige Songs weniger stark sind als andere, können die neuen Songs der Deluxe-Version mit den 2016 veröffentlichten Songs mithalten. Marks samtig, tiefe Stimme erzeugt Gänsehaut. Matt Skibas Harmonien und emotionale Schreie tragen maßgeblich zur Atmosphäre des Albums bei und Travis treibt alles mit peitschenden, höchstprofessionellen Beats voran. Genauso klingt blink-182 im Jahr 2017.


Lisa Eimermacher
(10 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.blink182.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
blink-182 - California (2016)
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