Gehört und Gesehen - Pollinator

05.05.2017Blondie

Blondie

Pollinator

BMG (2017, CD)

Der Sound der US-amerikanischen New-Wave-Band Blondie ist unverkennbar. Mit Klassikern wie „Heart Of Glass“, „Maria“, „The Tide Is High“, „Rapture“, „Call Me“ und „Atomic“ feierten sie weltweit riesige Erfolge. 1974 wurde die Band von Frontfrau Debbie Harry und Gitarrist Chris Stein gegründet und prägte als Teil der frühen amerikanischen Punk- und New- Wave- Bands zahlreiche nachfolgende Künstler und Bands. Ihre eklektischen musikalischen Einflüsse aus Disco, Pop, Reggae und frühem Rap wurden schnell zum Markenzeichen der New Yorker Band.

Zur Feier ihres 40-jährigen Bandbestehens brachten sie 2014 ihr zehntes Studioalbum „4(0) Ever: Greatest Hits Deluxe Redux/Ghosts Of Download“ heraus. Doch bei den alten Hits allein sollte es nicht bleiben, denn jetzt erscheint ihr elftes Studioalbum mit dem Titel „Pollinator“ mit elf brandneuen Songs.

Ihrem unverwechselbaren Blondie-Sound bleiben sie bei ihrer neuesten Veröffentlichung natürlich treu, allerdings mit einem zeitgemäßen Twist. So erinnern „Doom Or Destiny“ und „Long Time“ beide an klassische Blondie-Songs. Die spacig-dancy Nummer „Already Naked“ wird auch 2017 auf die Tanzfläche locken. Debbie Harrys Stimme im leichten Hall klingt noch immer zeitlos.

Auch beim Hören der bereits als Single erschienenen funky Dance-Hymne „Fun“, bei der Dave Sitek von Jane’s Addiction und TV On The Radio mitwirkte, besteht Ohrwurmgefahr und das Potenzial, im Radio rauf du runter gespielt zu werden.

„Doom Or Destiny“ featured sowohl Laurie Anderson als auch Rock-Ikone Joan Jett. Der Einfluss der beiden ist auch herauszuhören. Der Song erinnert eher an Blondies punkige Zeiten und bringt eine Ladung Girl-Power mit sich. Debbie Harry setzt ihre reifer klingende Stimme passend zum Song ein. Bass und Drums ergänzen sich perfekt, während die Gitarre in diesem Song ein sehr dominantes Solo hinlegt. Neben „Too Much“ ist „Doom Or Destiny“ einer der stärkeren Songs des neuen Albums.

Zuerst etwas ungewohnt und anders ist hingegen „My Monster“. Bei dem Song wurde die Band von ihrem langjährigen Freund Johnny Marr von The Smiths an der Gitarre begleitet. Hier wurde sich auch an den Synthies nicht zurückgehalten.

Mit Sia und Charli XCX holte sich die Band um Frontfrau Debbie Harry, Gitarrist Chris Stein, Schlagzeuger Clem Burke, Bassist Leigh Foxx, Gitarrist Tommy Kessler und Keyboarder Matt Katz-Bohen zwei erfolgreiche Pop-Sängerinnen und Songschreiberinnen ins Boot. Mit “Pollinator“ verfolgt Blondie das Konzept, sich von jenen Künstlern kreativ inspirieren zu lassen, auf welche sie bereits mit ihrer Musik Einfluss genommen haben, um so ein kollektiv-kreatives Werk zu schaffen.

Der sechste Song des Albums, „Best Day Ever“, der in Zusammenarbeit mit der australischen Sängerin Sia entstanden ist, klingt ein wenig gewöhnungsbedürftig und experimentell.

Für Abwechslung auf dem Album sorgt die Ballade „When I Gave Up On You“. Mit ihr beweist Blondie, dass Lieder über Liebeskummer nicht nur der jüngeren Generation vorbehalten bleiben sollten. Das zeigt auch der letzte Song. Der Sieben-Minüter „Fragments“, beginnt langsam und ernst, um abrupt schneller und wütender zu werden. Debbie Harrys Frage „Do you love me now?“ ist zeitgleich tragisch als auch eine Kampfansage.

Auch „Love Level“ hebt sich mit den fröhlichen Bläsern und dem konsequenten Beat vom Rest des Albums ab. „Too Much“ ist keinesfalls zu viel. Bei dem mitreißenden Chorus, will man sofort mitsingen, obwohl man den Text nicht kennt. „Too Much“ erinnert stark an typische Blondie-Songs, ist dabei aber trotzdem neu und frisch.

Mit „Pollinator“ bleiben Blondie ihrem Sound treu, ohne sich unnötig zu wiederholen, Altes aufzuwärmen oder zwanghaft zu versuchen, jung wirken zu wollen.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
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Blondie - Blondie 4(0) Ever/Ghosts Of Download (2014)
Blondie - The Curse Of Blondie (2003)
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