Gehört und Gesehen - InFinite

11.04.2017Deep Purple

Deep Purple

InFinite

earMusic (2017, CD)

Die äußerst renommierte, wegbereitende und einflussreiche Hardrock-Band Deep Purple befindet sich knapp 50 Jahre seit ihrer Bandgründung ganz offensichtlich auf der Zielgeraden ihres Schaffens. Einige Mitglieder sind bereits jenseits der 70 Lebensjahre, die angekündigte Tournee soll die letzte der Band sein, das aktuelle Deep-Purple-Studioalbum trägt dagegen den vielsagenden Titel „InFinte“, ins Deutsche übersetzt bedeutet das: Unendlich.

Ob es nach der als Abschiedstour angekündigten Konzertreise im Mai von Deep Purple eventuell doch noch die eine oder andere neue Studioaufnahme geben wird, bleibt dahingestellt, zunächst einmal bietet „InFinite“ eine großzügige Portion Rock-und Hardrock-Stoff mit zuweilen progressiver Note, von dem man sicher eine Weile zehren kann.

Die neun neuen Songs und die ein wenig eigenwillige Interpretation des The-Doors-Klassikers „Roadhouse Blues“ wirken keineswegs wie ein Abschiedsgruß oder Abgesang auf das langjährige Schaffen einer der wichtigsten Rock-und Hardrock-Bands überhaupt. Vielmehr überraschen Ian Gillan, Ian Paice, Roger Glover, Steve Morse und Don Airey mit ihrer inspirierten und frischen Herangehensweise an die neuen Songs.

Schon der Opener „Time For Bedlam“ ist ein frischer „Hallo-Wach“-Gruß an die geneigte Hörerschaft und spätestens mit dem zweiten Song, dem groovigen „Hip Boots“, dürfte es kaum noch ein Halten geben und jüngeren wie gestandenen Fans von handgemachtem und äußerst versiert bis virtuos gespielten Hardrock ein Glänzen in die Augen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Die Spielfreude, mit der Deep Purple über das gesamte Album zu Werke gehen, elektrisiert beinahe schon. Die Band schafft es, mitunter klassische, Purple-typische Rock-Riffs und Melodielinien mit modernen Elementen in ein zeitgemäßes frisches, wie kraftvolles Soundgewand zu kleiden. Die Band drückt und schiebt mächtig. Speziell Gitarrist Morse, Bassist Glover und Keyboarder Airey brillieren mit einigen Unisono-Läufen, darüber hinaus spielen sich Gitarre und Keyboard die Solo-Parts gekonnt zu.

Ian Gillian, in den frühen Siebzigern des Öfteren kraftvoll-explosiv im Falsettbereich unterwegs, intoniert gelassen, routiniert wie charakterstark in eher mittel-hohen bis tieferen Regionen. Das alles fügt sich gut zusammen und läuft wie ein bestens eingestellter Motor mit hoher PS-Zahl. Es wäre unangebracht zu konstatieren, dass es die Band, die Musiker „immer noch könnten“. Diese beliebte Phrase im Zusammenhang mit älteren Bands, die oft vermittelt, dass die besten Jahre einer Gruppe zwar vorbei sind, das musikalisch Gelieferte aber immer noch voll in Ordnung geht.

Deep Purple spielen anno 2017 klassischen, wie letztlich auch zeitlosen Hardrock, der für sich und dabei ziemlich weit vorn, respektive oben steht. Das dürfte den meisten Genre-Anhängern sehr viel Freude machen. In gewisser Sicht setzt die Band mit „InFinite“ auch Maßstäbe und zeigt eindrucksvoll auf, wie knackig, motiviert und frisch Rock nach gründlicher Entstaubung und Rundum-Modernisierung klingen kann.

Lediglich die Interpretation des The-Doors-Klassikers „Roadhouse Blues“ zum Abschluss erscheint in diesem Kontext weniger geschickt platziert, eher schon verzichtbar.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.deeppurple.com

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Deep Purple - Concerto for Group and Orchestra-DVD (0)
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