Gehört und Gesehen - Treibgut

06.01.2017Frustkiller

Frustkiller

Treibgut

Yellow Snake Records (2017, CD)

Für einige in der Hannover-Szene sicher eine kleine Überraschung zum Jahresbeginn 2017: Die Punkrock-Band Frustkiller legt mit „Treibgut“ ein neues, zwölf Songs umfassendes Album vor. Die 1996 gegründete Band war hier in den letzten Jahren ein wenig aus dem Fokus geraten, was sich mit der neuen Platte ändern könnte. Das Quartett widmet sich melodischem Punkrock ohne Pop-Beigabe, hart, temporeich, nicht nett, aber auch nicht böse. Einige musikalische Extravaganzen halten Frustkiller auch noch bereit.

Ist das noch Punk-Rock? Diese Frage wird heutzutage öfters mal gestellt, wenn jüngere Bands melodische, von der Basis gesehen eingängige Popsongs als Punkrock aufziehen. Bei Frustkiller stellt sich diese Frage wohl kaum, denn die hannoversche Band geht auf „Treibgut“ doch recht rotzig zu Werke, mag es in einigen Songs von den Strukturen auch mal unkonventionell und eckig, speziell was die deutschen Texte und einige Gesangsphrasierungen angeht.

Das ist dann oft nicht gerade eingängig und wohl kaum das, was man sich als radiotauglich gemeinhin vorstellt, aber es ist eben Punkrock, Punkrock in seiner eher traditionellen, ursprünglichen, rauen und derben Art. So, wie es viele mögen.

Textlich sind Frustkiller direkt und ungeschminkt mit Themen aus dem Alltag unterwegs, es fällt auch mal das Wort „Scheiße“. Schlagzeug, Gitarre und Bass geben Härte und Tempo vor, der Gesang wird stets energetisch rau und heiser ins Mikrofon gepresst.

Das ist Punk-Rock für Festivals und Clubshows nach Mitternacht, wenn man sich freudetrunken und wahrscheinlich auch zum Teil womöglich auch betrunken in den Armen liegt. Verschwitzt vom Feiern, glückselig mit Freunden grölend.

Gegen Ende von „Treibgut“ halten Frustkiller noch signifikante Überraschungen bereit, die man kaum von einer ansonsten geradeaus und schnörkellos operierenden Punk-Rock-Band erwartet hätte: In „Es lebe der König“ rauscht plötzlich ein Hochgeschwindigkeits-Metal-Gitarensolo durch den Song, „Männer aus Stahl“, der Abschlusstrack wirkt dann wie eine einzige Persiflage auf maskulinen, heroischen Metal und Power-Metal alter Schule. Spätestens hier dürfte sich auch bei nicht eingefleischten Deutsch-Punk-Rock-Fans ein Lächeln auf das Gesicht legen.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.frustkiller.de
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