Gehört und Gesehen - Second Nature

19.09.2014Flying Colors

Flying Colors

Second Nature

Mascot Label Group / Rough Trade (2014)

Das zweite Album der als Rock-Supergroup gehandelten Band Flying Colors wird nach dem in weiten Teilen großartigem Debüt mit besonderer Spannung erwartet. Am 26.September wird die Platte als unter anderem CD und Doppel-LP auf Vinyl zu haben sein und deutlich die Karte Progressive Rock spielen. Anders als beim Vorgänger und das dürfte für Diskussionen, Zustimmung aber möglicherweise auch Ablehnung stoßen.

Wie es die Band selbst in einem EPK-Trailer ausdrückt, sei man rund um die Produktion von „Second Nature“ mehr zusammengewachsen, das Songwriting hätte sich verbessert und überhaupt sei das zweite Album unter dem Strich besser als das erste.

Das mag die Band so sehen, fest steht: Dieses zweite Album unterscheidet sich gegenüber dem Vorgänger recht deutlich.

Über die musikalische Qualität, die kompositorischen Fähigkeiten und die blitzsaubere Produktion kann man wohl kaum kritische Worte verlieren. Da wo herausragende Songwriter und Musiker wie Neal Morse, Mike Portnoy, Steve Morse, Casey McPherson und Dave LaRue wirken, kommt schon sehr Hochwertiges heraus. Ob es gefällt, das ist dann Geschmackssache.

Auf „Secound Nature“ wirken Flying Colors oft wie ein Sammelbecken von Ideen und Songfragmenten aus den aktuellen oder ehemals angestammten Bands oder Projekten ihrer Mitglieder. Das wird vor allem im Zusammenhang mit Neal Morse und Mike Portnoy deutlich. Das über zwölfminütige „Open Up Your Eyes“ hätte in dieser Form auch auf einem Album von Transatlantic, den frühen Spock´s Beard oder einem in Richtung Prog ausgerichteten Solo-Album von Neal Morse erscheinen können. Die Parallelen, die typischen Harmonien und Breaks sind verblüffend nah dran.

Da kann sich durchaus die Frage stellen, warum man sich ein Flying Colors Album zulegen soll und nicht gleich eine Transatlantic-Platte. Natürlich kann man seinen Background nicht an der Studiotür abgeben, allerdings hätten einige Alleinstellungsmerkmale mehr Flying Colors gut getan.

„Mask Machine“, der zweite Song präsentiert sich als durchschnittlicher, etwas uninspirierter Rocker und auch der Rocksong „Bombs Away“ kann nicht so recht zünden. Es gibt auch Balladen wie „The Fury Of My Love“, die mit viel Zucker und Schmalz überzogen sind. In der Folge gibt es dann einige vielversprechende Ansätze wie schöne Strophen im zunächst typischen US-Pop-Rocker „Lost Without You“ oder dem Folk-Song „One Love Forever“ mit Perkussion und Akkordeon. Die Refrains öffnen dann aber nicht die großen Fenster, irgendwie werden die Harmonien dann zu komplex, die Band agiert umständlich.

Ein herausragender Song ist die etwas epische Ballade „Peaceful Harbour“ im besten Spock´s Beard- meets- Flower Kings-Mix-Style. Der vielleicht schönste Moment des Albums und schon der vorletzte Track der Platte. Zum Abschluss gibt es mit Cosmic Symphony noch ein in drei Suiten unterteiltes Prog-Rock-Stück mit fast zwölf Minuten Spieldauer.

Das Album und das Konzept ist Geschmackssache. Wen das Debüt von Flying Colors besonders begeisterte, eben weil die typischen seit Jahren in anderen Bands zuhauf angebotenen Prog-Elemente fehlten, könnte von „Second Nature“ durchaus enttäuscht und streckenweise gelangweilt sein.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.flyingcolors.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Flying Colors - Live In Europe (2013)
Flying Colors - Flying Colors (2012)
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