Gehört und Gesehen - Misery Index: Notes From The Plague Years

28.02.2014Boysetsfire

Boysetsfire

Misery Index: Notes From The Plague Years

End Hits Records (2014, Vinyl)

2006 hieß es für Boysetsfire: Alles zurück auf Start! Nachdem die Band schlechte Erfahrungen mit ihrem damaligen Label machte und um ihre Existenz bangte, rappelten sich die US-Amerikaner auf, um nun erst recht durchzustarten. Ihre Ängste verarbeitete die Hardcore-Band damals auf ihrem Album „Misery Index: Notes From The Plague Years“. Acht Jahre später wird das Album erneut veröffentlicht, das allerdings – was Vinylliebhaber besonders freuen wird – erstmals und ausschließlich auf Vinyl.

Bereits seit einiger Zeit feiert Vinyl ein Comeback, vor allem in der Punkrock- und Hardcoreszene setzen Musikliebhaber auf den knisternden Sound der meist schwarzen großen Scheibe, die 1857 das erste Mal in Erscheinung trat.

Während digitale Musik ihre Hochzeit feiert, setzen die Sammler und Liebhaber auf Oldschool. Da ziehen natürlich auch die Bands mit, die – meist selbst große Fans der Vinyl – ihre Werke neben der digitalen Form und auf CD auch auf Schallplatte veröffentlichen. Oder eben, wie im Fall von Boysetsfire, alte Werke exklusiv als Vinyl auf den Markt bringen.

Der Sammlerwert wird ebenfalls dadurch erhöht, dass die Auflage begrenzt ist und die Platte in einem schicken Gewand daherkommt. So auch im Fall von „Misery Index: Notes From The Plague Years“: Auf 1000 Stück limitiert gibt es das Album als blaue und goldene Vinyl.

Für Boysetsfire musste „Misery Index: Notes From The Plague Years“ damals einem Befreiungsschlag gleich gekommen sein, einem Befreiungsschlag von ihrem Label, das zwar Interesse an der Band suggerierte, aber kein grünes Licht für ein Studiobesuch gab und nicht in die Produktion investieren wollte. „I don´t wanna sing abour freedom anymore, I wanna see it, I wanna feel it“, singt Frontmann Nathan Gray im Opener “Walk Astray”.

Während viele Fans schon die Fackeln und Mistgabeln schwangen und die vorwurfsvollen Worte „Sell-Out“ in den Mund nahmen, sah die Realität für die Band ganz anders aus: Alltägliche Neun-Stunden-Schichten musste bewältigt werden, um die Familie zu ernähren und abends wurden im Keller neue Songs geschrieben. Das ist nicht nur anstrengend, sondern auch sehr ernüchternd.

Boysetsfire lag bereits einige Monate auf Eis, bis das Label die Band endlich ziehen ließ. „Misery Index: Notes From The Plague Years“ ist ein denkwürdiges Album, dass es eindeutig verdient hat, als Vinyl in spezieller Form noch einmal veröffentlicht zu werden.


Hanna Rühaak
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.boysetsfire.org

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