Gehört und Gesehen - Ziggy Stardust

01.06.2012David Bowie

David Bowie

Ziggy Stardust

EMI Catalogue (2012, CD)

„The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“, so lautet der vollständige Titel des fünften Albums des britischen Rocksängers David Bowie, das im Original erstmals 1972 auf den Markt gekommen ist und ursprünglich auf RCA Records erschien.

„Ziggy Stardust“, so die Kurzbezeichnung, ist ein Konzeptalbum, das die Geschichte des fiktiven, exzentrischen Rockstars gleichen Namens erzählt. Es zählt zu den einflussreichen Alben der Rockgeschichte der Folgejahre und ist ein Meilenstein in David Bowie´s Karriere. Der Melody Maker bezeichnete „Ziggy Stardust“ einst als das „maßgebliche Album der 1970er Jahre“, wie dem ausführlichen Wikipedia-Eintrag zu diesem Album zu entnehmen ist.

2012 kommt nun eine 40th Anniversary Edition dieses Bowie-Albums auf den Markt, in verschiedenen Konfigurationen: Als limitierte Vinyl-LP, als reguläre CD und Audio- DVD mit Bonus-Tracks und neuen Mixes. Das Material wurde soundtechnisch überarbeitet und kann mitunter im 5.1.Surround Sound konsumiert werden.

1971/1972 in den Londoner Trident Studios aufgenommen, schlägt das Album eine stilistische Brücke vom psychedelisch-progressiv angehauchten britischen Rock und Pop der späten 1960er-Jahre hin zum Glam-Rock der frühen Siebziger. Auch die Genre-Beschreibung „Rockoper“ fällt im Zusammenhang mit diesem Album, was ebenfalls zutrifft. „Ziggy Stardust“ mag Hörer, die David Bowie erst mit Songs wie „Heroes“ (1977) oder durch die Zusammenarbeit mit der Band Queen und dem Song „Under Pressure“ (1981) so richtig kennengelernt haben, zunächst irritieren.

Die inzwischen seit Jahren sehr markante tiefe und raue Stimme Bowies ist auf „Ziggy Stardust“ noch nicht zu vernehmen. Hier singt Bowie noch vergleichsweise hoch und dennoch sehr intensiv und extrovertiert.

„Ziggy Stardust“ ist ein Album, für das wohl die meisten in der richtigen Stimmung sein müssen. Aus heutiger Sicht mag man es als altmodisch empfinden, über weite Strecken sehr ruhig, von den heutigen Hörgewohnheiten vergleichsweise dünn, möglicherweise etwas zäh bis sogar langatmig. Wer konsequent auf Rock, Rock´n´Roll oder Glamrock steht, kann wahrscheinlich zunächst nur Songs wie „Star“,„Hang On To Yourself“, „Suffragette City“, oder dem Titeltrack, die allesamt zum Ende des Albums platziert sind, wirklich etwas abgewinnen. Wer David Bowie gar mit Hits wie „Heroes“ identifiziert, fühlt sich hier womöglich gar im falschen Film.

Fans von britischer Spät-Sechziger und Früh-Siebziger- Musik und den Sounds aus jenen Jahren (sehr trockenes Schlagzeug, grelle Fuzz-Gitarren, Harmonizer-Effekte, Akustikgitarren, Streicher, Piano, psychedelischer Gesangshall, Chöre, hartes Stereobild mit teilweise stark getrennten Instrumenten) dürften hingegen funkelnde Augen bekommen.

Findet man die Ruhe und den für sich „richtigen“ Moment, „Ziggy Stardust“ in entspannter Umgebung aufmerksam mehrmals zu hören, kann sich das Album zu einer wahren Perle entwickeln. Die Kompositionen und Arrangements sowie die Produktion können dann als grandios empfunden werden und plötzlich entdeckt man Melodien, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Intensive, analoge, warme, handgemachte Musik mit viel Bauch und Herz in tollem Stereo-Klangbild.

Setzt man sich zwischen die Boxen, kann man meinen, mitten im großen Aufnahmeraum eines alten Studios mit Bandmaschinen und diffuser Beleuchtung zu sitzen. Irgendwo glimmt eine Zigarette im Aschenbecher, während die Musiker lässig und mit leicht entrücktem Blick, zuweilen sehr laid-back die elf Songs von „Ziggy Stardust“ spielen. Am Mikrofon: David Bowie, exzentrisch gekleidet und geschminkt, losgelöst und inbrünstig singend.

„The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ ist ein Album mit dem man warm werden muss und eines für die besonderen Momente.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.davidbowie.com

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