Gehört und Gesehen - So Beautiful Or So What

20.04.2011Paul Simon

Paul Simon

So Beautiful Or So What

Concord Records / Universal (2011, CD)

Erste Resonanzen kurz nach der Veröffentlichung des mittlerweile zwölften Studioalbums von Paul Simon waren mitunter überschwänglich positiv. „So Beautiful Or So What“ schließe an das Mega-Erfolgsalbum „Graceland“ an, klinge teilweise auch ähnlich, war zu hören. Das locker-flockige Groove-Gefühl des gleichnamigen Songs macht sich auch bei einigen Songs auf „So Beautiful Or So What“ breit.

Gleich zu Beginn gibt es mit „Getting Ready For Christmas Day“, „The Afterlife“ und „Dazzling Blue“ drei Titel die sehr gut ins Ohr gehen, durch mal perlende, mal schiebende Rhythmik sowie griffige, lockere Melodien für extrem gute Laune sorgen können. Feinste Musik für sonnige Tage.

Man kann zu dieser abwechslungsreichen, auf hochwertiger Singer-/Songwriter-Musik basierenden CD wahlweise entspannen, tanzen oder mit den Fingern schnippend mit einem breiten Grinsen am Strand entlang schlendern. Alternativ eignet sich dazu auch der hell erleuchtete Boulevard irgendeiner Metropole auf diesem Planeten.

Die Produktionstechnik ist teilweise kompromisslos extravagant und das macht das Album auf seine Art spannend. So sind die instrumentellen Backings, speziell die Akustikgitarren auf dem Opener dermaßen auf schiebend getrimmt verfremdet und mit Loops und Samples garniert, dass man glauben könnte, bei der CD-Produktion sei irgendwas falsch gelaufen. Mit Ausnahme des Leadgesangs schiebt das instrumentelle Klangbild in der Form, als säße da jemand, der den Volume-Regler an der HiFi-Anlage immer ruckartig hoch und runter drehen würde.

Dieser Gimmick ist hart an der Grenze und kann für ein nachhaltig störendes Hörerlebnis und möglicherweise auch für Reklamationen im Plattengeschäft sorgen, aber es ist so gewollt und technisch alles okay. Nunja. Wo sonst die Musik des Albums die Ohren eher streichelt und den Hörer herzlich umarmt, werden hier und da die Kanten spitz gefeilt.

„So Beautiful Or So What“ hat einen gewissen Weltmusik- und Multi-Kulti-Charme. Die Zutaten der Mixtur sind Pop und Bluesgrass mit afrikanischen und indischen Musikeinflüssen.

Besonders auch Fans von Jackson Browne werden diese Paul-Simon-Platte wahrscheinlich lieben; dass beide Großmeister der kreativen Singer-/Songwriter-Zunft über ziemlich ähnliche Stimmen und einen entsprechenden Gesangstil verfügen und zuweilen stilistisch in einem hörbaren Verwandtschaftsverhältnis stehen, mag aufhorchen lassen und lässt folgenden Rückschluss zu: Diese Platte dürfte qualitativ im weltweiten Vergleich auf absolutem Spitzenniveau des Genres rangieren. Das kann man dann auch ohne weiteres so unterschreiben.

Mitunter großartige Songs, mit Pfiff arrangiert und produziert, höchst groovig und melodiös inszeniert. Was will man mehr? Vielleicht mehr als nur knapp 40 Minuten Spieldauer. Wo Alben mit mehr als zwölf Titeln und über 50, 60 Minuten Spielzeit nicht selten zu lang geraten, hätte man auf „So Beautiful Or So What“ gern noch den einen oder anderen weiteren Song genießen wollen.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.paulsimon.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Paul Simon - Graceland - 25th Anniversary Edition (2012)
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