Gehört und Gesehen - Overloader

11.11.2010Transmitter

Transmitter

Overloader

Una Music / Tonpool (2010, CD)

Transmitter sind schuld, dass mein Frühstücksei zu hart ist!! Dieser Anschuldigung mussten sich die Herren aus Hannover bzw. Newcastle bisher wahrscheinlich selten stellen. Ist aber so! Da will man einmal die Vorzüge der Selbstständigkeit auskosten und anstatt schon vor neun aus dem Haus zu hetzen, lieber noch ein zweites Frühstück mit einer Cd Rezension verbinden und schon geht alles schief. Ich starte also zeitgleich meinen elektronischen Eierkocher (!) und die neue Transmitter Cd „Overloader“. Während ich dem Opener „Voices“ noch gebannt lausche, entwickelt sich ein nerviger Piepton scheinbar aus dem Nichts und gewinnt zunehmend an Intensität. „Bis eben fand ich’s ja noch ganz gut“ denke ich „aber das nervt jetzt echt ein bisschen.“ Das Piepen wird lauter, so als wollte es mir sagen „Ich bin´s, Dein Frühstücksei Du Volldepp!“ Irgendwann bemerkt der Volldepp das dann auch. Allerdings eindeutig nicht rechtzeitig. Gibt es eigentlich das Wort „späthart“? Sollte es.

Die Single „Fall To The Floor“, der man in der hannoverschen Clublandschaft sehr häufig begegnet, reißt mich aus meinen cholesterinverseuchten Träumen. Was Transmitter auf ihrem dritten Album zelebrieren ist die perfekte Schnittstelle zwischen elektronischer Musik und rockigen Elementen. Die Kompositionen sind nie so extrem oder innovativ, dass sie der Gefahr ausgesetzt sind einem breiten Publikumsschnitt nicht zu gefallen. Die Band weiß was zieht und welche Klischees verwurstelt werden sollten, eben weil sie funktionieren. Erfindergeist kontra Konsumtauglichkeit? Nein, das sicher nicht. Von der Kreativität des Quartetts kann man sich immer noch eine schöne Scheibe Schwarzbrot abschneiden, der künstlerische Anspruch muss nur nicht dauernd im Vordergrund stehen. Es darf auch - „Prodigy-mäßig“ - einfach mal drei Minuten tanzbar sein.

Neben der erwähnten Single überzeugt mich besonders das sanft poppige „Broken Beat Down“ und das nach einem Vodafon Jingle klingende „Kick And Rush“. Transmitter tourten lange Zeit zusammen mit Northern Lite. Die sind zwar immer noch deutlich sphärischer und atmosphärischer, aber offenbar haben beide Gruppen das Beste voneinander abgekuckt. Denn Transmitter glänzen auf diesem Album auch manchmal nur mit einigen schönen Stimmungen, so wie es auch die Erfurter häufig tun. Diese wiederum präsentierten sich mit ihrer letzten Single entsprechend tanzbarer. Positive Synergieeffekte? Immer her damit!

Unterm Strich bleibt ein tolles Album, das selbst einen musikalisch engspurigen Rockmusiker wie mich überzeugen kann. Und ein verkacktes Ei.

Fazit: Die verbindenden Elemente gehen voll und ganz auf. Da muss nicht immer alles neu erfunden werden.


Jan Hagerodt
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.transmittermusic.de

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