Gehört und Gesehen - Hungry 4 Live

17.09.2010Mother Jane

Mother Jane

Hungry 4 Live

Rich Music (2010, CD)

Man mag es altbacken oder traditionsbewusst nennen, wie die hannoversche Band Mother Jane im Jahr 2010 unterwegs ist, ein durch und durch reizvolles und authentisches Album hat die Band um Gitarrist und Sänger Klaus Hess, Bassist und Sänger Kai Schiering, Drummer Lucas Quentin und Gitarrist Jens Betjemann mit „Hungry 4 Live Part 1“ in jedem Fall abgeliefert.

Entstanden ist dieses Live-Album bei zwei Konzerten, die Mother Jane im Mai 2009 im Tellsaal Ostermundingen-Bern und im Meisenfrei in Bremen spielte. Die Aufnahmen, das betont die Medieninfo und das ist auch positiv herauszustellen, sind 1:1, ohne Overdubs, ohne zusätzlich beigemischten Applaus oder sonstigem Schnickschnack, entsprechend direkt ist der Sound, entsprechend wirkt die Musik: Man fühlt sich zweifellos in die für viele Rockfans „gute alte Zeit der 70er-Jahre-Bands“ zurückversetzt. Gäbe es Geruchs-CDs, man würde beim Hören dieser Aufnahmen den Duft von Bier, Rauch verschiedenen Ursprungs in Kombination mit den Ausdünstungen warm gelaufener Röhrenverstärker älteren Baujahrs förmlich in sich aufsaugen.

Mother Jane zeigen sich auf „Hungry 4 Live“ von ihrer rockigen, rauen teilweise auch rotzigen Seite. Die Band rockt, rollt und groovt schwer und erdig, schiebt und drückt, dass es Spaß macht. In Verbindung mit teils schwelgenden Melodien, die einigen Songs ein leichtes Psychedelic-Rock-Appeal verleihen, verstehen es Mother Jane, den Hörer mit ihrer Musik und der Art der Umsetzung gleichzeitig zu fesseln, zu schubsen, zu pieksen und dann wieder sanft zu streicheln. In balladesken Momenten kann man da als alter 70er-Rocker schon mal ins Träumen geraten, wenn die große Kiste mit traditionellen, einfachen aber knüppeldicken Riffs geöffnet wird, dann bleibt einem kaum eine andere Wahl, als mit dem Kopf zu nicken oder gleich den ganzen Körper in rhythmische Bewegungen zu versetzen.

Man hört auf dieser Live-Platte ziemlich deutlich aus welchen Einflüssen viel, viel später gegründete Bands ihren Stil entwickelt haben mögen, der dann gern als Grunge-Rock oder Groove-Rock bezeichnet wird. Besondere Stärken entwickeln Mother Jane, wenn sie in gemäßigtem Tempo rocken, so, als würden sie äußerst zielführend und gut harmonierend dicke Felsbrocken von der Straße räumen, die sie zur nächsten Stadt, zum nächsten Club, zur nächsten Show bringen führen soll. Die Gitarrenarbeit ist sehr gut abgestimmt, die Band wirkt in dieser Zusammensetzung gut und auf den Punkt eingespielt, viele Soli, ob langsam und gefühlvoll gesetzt oder furios abgefeuert, sorgen für zahlreiche zusätzliche Glanzlichter.

Das hier ist absolut gut abgehangener Siebziger-Rock der alten (hannöverschen) Schule präsentiert von einer Band, die einen spielfreudigen und glaubwürdigen Eindruck macht. Siebziger- Rock, bei dem die vorhandenen Staubflocken nicht weiter stören, ganz im Gegenteil, die gehören hier einfach –der Gemütlichkeit wegen- dazu.

„Sauber!“ ruft ein Konzertbesucher im Anschluss an „Together We Stand“ gen Bühne. Ja, und schön schmutzig zugleich, möchte man hinzufügen. Mitte Dezember 2010 planen Mother Jane die Veröffentlichung von „Hungry4Live Part II und III“. Man darf gespannt sein.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.mother-jane.de

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Mother Jane - Hungry 4 Live -Part II (2010)
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