Gehört und Gesehen - Vereinigte Staaten

26.03.2010Wolf Maahn

Wolf Maahn

Vereinigte Staaten

Libero Rec./Rough Trade (2010, CD)

Sechs Jahre nach seinem beim Major Universal erschienenen „Zauberstrassen“ legt Wolf Maahn mit „Vereinigte Staaten“ ein neues Studioalbum vor, eine CD die zunächst überrascht, andererseits etwas für Kopfzerbrechen sorgt, ebenso wie der altgediente Künstler selbst.

Da ist zum einen das sehr moderne und geschmackvolle Cover-Artwork mit einem ebenso schönen Booklet, beides hätte man so eher von einer jungen Indie-/Emo-Punk-Pop-Rockband mit Newcomerstatus erwartet, zum anderen ist dort der Umstand, dass Wolf Maahn dieses Album über das eigene Label Libero Records veröffentlicht und seine Freiheiten mehr denn je auszuleben scheint.

Nichts ist wie es zunächst scheint, „Vereinigte Staaten“ ist sehr warm, analog und handmade von der Aufmachung, so, als hätte sich Maahn mit seiner Band im Anschluss an jahrelanges unplugged Touren mit ein paar Instrumenten und Kofferverstärkern ins Studio begeben und ohne großes Effekt-/Producing-Brimborium in Back-To-The-Roots Manier ein paar neue Songs eingespielt. Das wirkt nicht besonders modern oder gar hip, eher schon sehr traditionell. Dabei ist Wolf Maahn, den man vom Lebensalter gern der „Generation Classic Rock“ zurechnet, durchaus für sehr moderne und frisch klingende Studioplatten bekannt, auf denen man kaum einen Krümel von etwas Altbackenem entdeckt. Einerseits ist der Künstler Maahn verlässlich aber nicht unbedingt berechenbar.

Im Gegensatz zu „Zauberstrassen“ aus dem Jahr 2004 ist „Vereinigte Staaten“ eine ziemlich „unfette“ Produktion, soundtechnisch recht unspektakulär, es geht Wolf Maahn 2010 offenbar mehr darum, Songs ohne technischen Schnickschnack auf CD zu bringen. Mit den zwölf Songs ruft der Sänger, Gitarrist, Komponist und Produzent routiniert seine Leistung ab ohne sonderlich zu brillieren. Das Ergebnis sind Songs die stilistisch das Feld zwischen Rock, Blues, Country, Reggae und Singer-/Songwriter-Folk-Pop-Rock abdecken.

Die Kompositionen gehen sicher für langjährige Fans absolut in Ordnung, der oder die großen Knaller, der/die zum Evergreen gedeihen könnte(n) wie etwa „Rosen im Asphalt“, „Fieber“, „Wenn der Regen kommt“, „Irgendwo in Deutschland“, „Ich wart´auf dich“, „Rebellion“ oder „Wunder dieser Zeit“ drängt/drängen sich auch nach mehrmaligem Hören nicht auf . Maahn bewegt sich mit „Vereinigte Staaten“ auf sicherem Terrain, liefert ansprechende Musik ohne nennenswerte Schwachpunkte, setzt aber auch nicht wirklich Glanzlichter.

Sechs Jahre nach dem ausgesprochen frischen und fetten Album „Zauberstrassen“ und zwei ausgedehnten „Direkt ins Blut“- Best-Of-unplugged-Touren, hätte es mit der neuen Platte vielleicht doch etwas mehr sein können. Das Fazit fällt ein wenig zwiespältig aus: Mit „Vereinigte Staaten“ wirkt Wolf Maahn wie ein Musiker, der immer noch zu jung ist für „Altherrenrock“ aber auch ein wenig zu genügsam, um mal wirklich (wieder) was zu wagen.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.wolfmaahn.de

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