Gehört und Gesehen - Holiday In Catatonia

04.06.2009Jupiter Jones

Jupiter Jones

Holiday In Catatonia

Mathildas und Titus/Broken Silence (2009)

Der Weiße Hai ist zurück. Wild entschlossen reißt das Horror-Viech auf dem Plattencover des neuen Jupiter-Jones-Albums sein endlos gieriges Maul auf, lässt Speerspitzen scharfen Zähne aufblitzen und scheint dem Betrachter ins Boot zu springen, ihn zu packen und wild entschlossen in die Untiefen des Meeres hinabzuziehen. Keine Chance dem zu entrinnen…Überleben ungewiss, ja, nahezu ausgeschlossen.

Ähnlich rabiat, entschlossen und kompromisslos gehen Jupiter Jones dann gleich im Opener „Das zu wissen“ zu Werke. Mit aggressivem Biss punkrockt sich die aus der Eifel und Hamburg stammende Band durch den Song, wie man es so bislang kaum von den Jungs gewohnt war. Obwohl schon einige Jahre unterwegs, setzen Jupiter Jones ein klares Zeichen: Erst gar keine Müdigkeit aufkommen lassen, Ärmel aufkrempeln, Zähne zeigen und losballern.

Das lässt zunächst mal aufhorchen und man ist geneigt, sich vom gut gepolsterten Stuhl zu erheben und die Kämpfer-Faust gen Boxen zu recken. „Hallo Angst, du Arschloch“, rotzt Sänger Nicholas L.Müller ganz tief aus dem Bauch ins Mikro. Jawoll, die wollen es wissen.

So heftig dieser Start auch ist, in der Folge geht es auf diesem Album nicht mehr ganz so hart zur Sache, dafür meist frisch, rau, direkt und griffig. Mit „Das Jahr in dem ich schlief“ folgt ein kompakter nach vorn gehender, treibender, hochmelodischer Punk-Rocker mit poppigem Ohrwurmrefrain. Druckvoller Sound, eine hellwache Band, eine brillante Produktion die aber angenehm Ecken und Kanten lässt, hier scheint so ziemlich alles zu stimmen. Jupiter Jones vertrauen auf ihre Stärken und spielen diese über weite Strecken des Albums aus. „Das Potenzial ausschöpfen, die Leistung auf den Punkt abrufen“, so würde man im Sport sagen.

Die Band schreibt seit Jahren sehr gute Songs, schüttelt haufenweise großartige, wenn auch sehr vertraut klingende Hooklines aus dem Ärmel und rockt das Material optimal auf den Punkt, so auch auf diesem Album. So klingen Herzblutmusiker, die überdies noch mit sehr guten deutschen Texten aufwarten. Der dritte Song „Was Anders war“ geht dann, etwas auf rau und modern poliert, in Richtung konservertiver „Sing-A-Long“ Folk-Rock. Funktioniert. Wieder ein Ohrwurm.

Wer Jupiter Jones (noch) nicht oder nur flüchtig kennt, benötigt ungefähre Anhaltspunkte, was ihn/sie erwartet. Vergleiche sind immer heikel, aber in diesem Fall gestaltet sich das klar: Sympathisanten und Anhänger von Musik wie sie –im Besonderen- Kettcar praktizieren dürften bei Jupiter Jones so manchen Song, so manche Akkordfolge, Gesangslinie und Textzeile finden, mit der sie mehr als nur gut klar kommen.

www.jupiter-jones.de


Andreas Haug
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