Bild

Alles begann 1984 mit einem Tonstudio in Hannover Ahlem, bald folgten CD-und DVD-Produktionen. 2014 feiert Jürgen Eidt mit ABC-ROXXON Medienservice 30-jähriges Jubiläum.

Spaß, mit Kreativen zu arbeiten

ABC-ROXXON-Chef Jürgen Eidt im Interview

26.08.2014, Von: Andreas Haug, Foto: ABC ROXXON, Pressefreigabe

Jürgen Eidt gehört mit seiner Firma ABC-ROXXON zu den Urgesteinen und Dreh-und Angelpunkten der Musikszene, wenn es um CD-oder DVD-Produktionen geht. 1984 mit einem Tonstudio in Hannover-Ahlem an den Start gegangen, hat sich ABC-ROXXON bis heute zu einer modernen Service-und Medienagentur rund um Ton-und Bildträger-Produktionen entwickelt, in der auch umfangreiche Grafik-Projekte realisiert werden. Arbeiten für prominente Acts, regionale Newcomer und Industriekunden stehen nach 30 Jahren auf der Habenseite. Wir sprachen mit Gründer und Inhaber Jürgen Eidt über die Firmengeschichte und die Zukunft der CD.

Rockszene.de: Jürgen, in diesem Jahr besteht Deine Firma ABC-ROXXON 30 Jahre. Das ist in der Musik-und Medienbranche eine lange Zeit. Da gab es doch ursprünglich mal ein Tonstudio, später entstand eine CD-und DVD-Produktionsfirma und mittlerweile realisiert ihr doch auch Grafiklösungen, unter anderem speziell für Bands. Erzähl uns doch mal, wie es 1984 losging.

Jürgen Eidt: 1984 war das ROXXON Tonstudio für mich und meinen damaligen Partner Max Paus die logische Konsequenz aus dem Ende unserer Band ROXXON. Wir litten nach hoffnungsvollem Start (u.a.im Vorprogramm der Scorpions ) im Zuge der "Neuen Deutschen Welle" als viel zu solide englischsprachige Rockband an Erfolglosigkeit. Inspiriert von unseren Studioaufenthalten im Berliner Hansa Intro Studio, in das uns Gunther Gabriel mehrfach eingeladen hatte, haben wir uns gedacht: Studio, das können wir auch!

In Hannover?

Ja. In einem Keller in Hannover -Ahlem haben wir mit von Peter Pichl geliehenen Mikros, japanischen Fostex Mehrspurmaschinen und semiprofessioneller Studio-Peripherie angefangen. Ich hatte meine Kenntnisse im Wesentlichen aus Büchern, Fachzeitschriften und im "learning by doing"- Verfahren erworben, und an den Wochenenden bin ich mit Gregor Szöke, einem klassischen Tonmeister der Deutschen Grammophon Gesellschaft durch die Kirchen gezogen, und habe bei den Chor- und Orchesteraufnahmen sehr viel über Mikrofonierung, Akustik und analoge Mess-und Schnitttechnik gelernt.

Ahlem ist zumindest aus heutiger Sicht nicht der Brennpunkt der Musikszene und etwas weg vom Schuss. Wer kam dahin?

Das waren erfreulicherweise viele junge Bands aus der hannoverschen Szene und dem Umland, die auf der Suche nach günstigen und guten Aufnahmemöglichkeiten waren. Wir produzierten gut klingende Demobänder und lieferten auch gleich Cassettenkopien zum Verschicken an Veranstalter und Plattenfirmen. Viele unserer damaligen Kunden sind später sehr erfolgreiche Musiker geworden, was aber sicher nicht immer uns zuzuschreiben war.

Das hat dir zu der Zeit sicher auch den Ruf eines kompetenten Nachwuchsförderers eingebracht.

Ja, offenbar. Es hat mir immer Spaß gemacht, mit Kreativen zu arbeiten. Nach meinem Kunststudium an der FH Hannover, das ich sehr genossen habe, war ich ziemlich frustriert über die realen Möglichkeiten, als Künstler meine junge Familie zu ernähren und sehr glücklich, mit Produzenten, Musikern, Grafikern, Fotografen an Projekten zu arbeiten. Das Ganze habe ich ja dann auch in meine Arbeit für das MusikZentrum Hannover einfließen lassen können.

Warst du im MusikZentrum nicht auch einer der Männer der ersten Stunde, einer der Mitbegründer, was hast du gemacht?

Ab Ende der Achtziger hatte ich mich zunächst ehrenamtlich im Rockbüro engagiert und bis 1997 habe ich im Musikzentrum das Tonstudio geplant, gebaut, eingerichtet und den Bereich Medien- und Musikproduktion betreut. Das war neben einer wunderbaren künstlerischen Bandbreite auch die Zeit des Wandels von analoger hin zu digitaler Produktionstechnik, die ich in beiden Studios und einem zusätzlichen mobilen Tonstudio in passender Weise installieren konnte.

Das große Studio im 2.Stock der Emil-Meyer Straße wurde konsequent digital ausgestattet, der Ü-Wagen war immer noch straßentauglich solide analog eingerichtet und im ROXXON Studio in Ahlem ging es zu Zeiten der Abstürzenden Brieftauben und toller Punkbands aus den neuen Bundesländern, die auf so interessante Namen wie "Schleimkeim" oder "Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs" hörten, eher hybrid zu. Da wurde viel experimentiert auch dank Schotte, der unter anderem alle Brieftauben-Platten mit Mirko und Konrad im ROXXON produzierte.

Das hört sich nach viel Arbeit an…

Stimmt. Sehr viel. Aber auch viel Spaß. Mit dem rollenden Tonstudio wurden Hunderte von Bands aufgenommen. Bei fast jedem Festival in der Region stand der alte Mercedes 609 LKW neben der Bühne, acht Jahre habe ich im Auftrag der JazzMusikInitiative Hannover und Johannes Klose die Jazzwoche Hannover mitgeschnitten mit Künstlern wie Herbie Hancock und Barbara Dennerlein, Till Brönner, John Scofield und vielen heute sehr erfolgreichen Nachwuchsstars aus dem Jazz/Rock/Pop Studiengang der Musikhochschule. Auch alle Rockbüro-"Sixpack"- Wettbewerbe bis 1997 wurden von mir auf CDs dokumentiert und im großen Tonstudio gastierten die Schüler-Bigbands der Region. Zu Weihnachten gab es die "Christmas Collection"-CD mit Weihnachtsliedern hannoverscher Bands.

Also Newcomer neben äußerst prominenten Künstlern. Hattest Du in jener Zeit auch mal sowas wie einen Hit?

1996 hatte ich als Ergebnis der jahreslangen Zusammenarbeit mit Matthias Reinsdorff und der Deutsch-HipHop-Gruppe "Spectacoolär" gleichzeitig den Höhe- und Tiefpunkt meiner Arbeit erreicht: Eine Top-Ten Platzierung des Titels "Meine kleine Schwester" einerseits und gesundheitlich grenzwertige persönliche Überlastungen auf der anderen Seite. Heute würde man das vermutlich als Burnout bezeichnen. 1997 erfolgte die Trennung vom MusikZentrum und ich musste mich komplett neu erfinden.

Das war dann der Start der jetzigen Firma ABC-ROXXON Medienservice GmbH?

Richtig. Ich hatte zusammen mit Marita Wardenga, Claus Feldmann und Holger Feldmann das MusikZentrum verlassen und wir haben dann gemeinsam in der Gustav-Adolf- Straße in der Nordstadt ein kleines technisches Büro für die Planung und Durchführung von Musikproduktionen und die CD-Agentur aufgemacht.

Tonstudio und obendrauf noch eine CD-Agentur. Wie kam es zu der Idee?

Die Digitalisierung der Musikproduktion verlangte ja schon Anfang der 1980er Jahre nach einem neuen Trägermedium. Philips entwickelte die CD und in Langenhagen wurde gepresst. Ich bin da Mitte der Achtziger mal hingegangen und habe ganz naiv gefragt, ob die hannoverschen Musiker dort CDs pressen lassen könnten?

Man war weder amüsiert noch interessiert, aber ich habe weiter genervt. 1988 habe ich dort Robby Ballhauses erste Schallplatte noch in Vinyl überspielen und herstellen lassen und 1992 war es endlich soweit: unter der Bedingung, alle technischen Vorarbeiten und Gema- Anmeldungen perfekt zu erledigen, wurde mir die Möglichkeit geboten, CDs in Musiker-freundlichen Auflagen herstellen zu lassen. Dieses Geschäft habe ich dann ganz in Ruhe aufgebaut und wachsen lassen.

Ich denke, dass mich die jüngeren Rockszene Leser auch im Wesentlichen als den CD/DVD- Menschen kennen und wahrnehmen. Aber nun kennt Ihr auch den Hintergrund, der für die Arbeit von ABC-ROXXON immer noch von großer Bedeutung ist. Wir sind hier eben nicht die billig CD - Broker, die irgendwo von der polnischen Grenze "CD in Tüte" liefern.

Welche Rolle spielt das physische Medium CD heute für Dich?

Beruflich muss ich zur Kenntnis nehmen, dass unsere CD/DVD-Umsätze in den letzten Jahren gesunken sind, aber gleichzeitig ist die Arbeit mit Kunden interessanter geworden. Physische Medien wie CD und DVD, aber jetzt auch wieder Vinyl- Schallplatten, machen immer noch Künstler, die das eigene Schaffen entsprechend würdigen und auf der Suche nach hochwertigen Produkt-Lösungen sind. Dabei können wir beraten und helfen. Inzwischen ist auch mein Sohn Stephan in der Firma, der als Designer wertvolle Arbeit leistet. So ist beispielsweise das letzte Album der hannoverschen Band Fibre plus Artwork komplett hier entstanden.

Was wird deiner Meinung nach mit der CD in Zukunft passieren? Werden Downloads oder stetig populärer werdende Streaming-Dienste wie etwa Spotify langfristig die CD ablösen?

Die Schere geht auseinander. Unsere globalisierte Konsumgesellschaft produziert und konsumiert seelenlosen Massenmüll genauso wie Hochwertiges. Es wird aber immer Menschen geben, die zerrechnete mp3-streams von exzellenten Audioformaten unterscheiden können und die es lieben, auch im Bereich des Designs eines Produktes entsprechend hochwertig zu produzieren und zu konsumieren.

Hier sehen wir unter anderem unser Potenzial und zum Glück haben wir nach wie vor Partner, die diese Philosophie auf Seiten der Druckereien und Presswerke mittragen. Das kommt natürlich auch den "ganz normalen" Produkten zugute, die wir täglich für Labels, Musiker, Werbeagenturen und Industriekunden betreuen.

Machst Du eigentlich noch selber Musik? Du bist doch Schlagzeuger, oder?

Na klar! Nach fast 25 Jahren Sendepause gibt es in leicht veränderter Besetzung seit 2005 wieder meine alte Band ROXXON. Etwas hüftsteif, aber sonst ganz fröhlich spielen wir ein tolles Bluesrockprogramm, das der geneigte Fan sich zum Beispiel bei Youtube unter "ROXXON LIVE Promo " anhören und ansehen kann oder livehaftig am 30.08. beim Open Air im Freibad Hänigsen.

Danke für den umfassenden Einblick, die spannenden Szene-Hintergründe und auf viele weitere erfolgreiche Jahre im Zeichen der Kreativität!

Ich danke auch, sehr gern.

INFO-BOX

Links
externer Link www.abc-roxxon.de
externer Link www.facebook.de/abcroxxon

Tools
Drucken Artikel drucken Versenden Artikel versenden An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Maria Graul

““Thron" ist 100 Prozent Joachim Witt“

Joachim Witt mit neuem Album auch in Hannover

26.11.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Maria Graul

 


, Foto(s): Stefan Knaak

Ein ereignisreiches Jahr

The Noisy Blacks mit „Waiting For The End" Live-Video

19.11.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Stefan Knaak

 


, Foto(s): Lars Krüger

„Derbe, laut, schwungvoll, feuchtfröhlich“

Jaya The Cat Ende Dezember in Hannover

07.11.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Lars Krüger

 


, Foto(s): Christie Goodwin

Punk, Mittelalterrock, Blues und Rockmusik

Heute neue CD-Besprechungen

23.09.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Christie Goodwin

 


, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

„Einen Tag kann schließlich jeder“

PPC Sommerfest an diesem Wochenende

25.08.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

 




Zur Übersicht Zur Startseite