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Echte Freunde: Ossy Pfeiffer (Mitte) und Band sehen ihrer zweiten Album-Veröffentlichung entgegen.

Sich selbst gegenüber glaubwürdig sein

Ein Gespräch mit Hannovers Szene-Multi Ossy Pfeiffer

12.06.2014, Von: Andreas Haug, Foto: Martin Huch

Wo in Hannover Rockmusik ist, ist Oswald „Ossy“ Pfeiffer oft nicht weit. Ob als Produzent, Sänger, Komponist, Multiinstrumentalist oder Sänger der Hannover-96-Stadionhymne, Ossy Pfeiffer hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr präsenten, aktiven und bei vielen beliebten Macher entwickelt, der gewissermaßen auch ein Dreh-und Angelpunkt in der weitläufigen Hannover-Szene ist. Anlässlich seiner jüngsten Solo-Aktivitäten mit Band und dem bevorstehenden zweiten Album „Serum 2.0“, hatten wir die Gelegenheit, Ossy zu einem ausführlichen Interview in Anca Graterol’s Frida Park Tonstudio zu treffen.

Rockszene.de: Hallo Ossy, schön, das wir mal die Gelegenheit haben, über dich und deine Musik zu sprechen. Ende Juni kommt ja dein neues Album „Serum 2.0“. Was ist darauf anders, als bei deinem Debüt, was gibt es zu hören?

Ossy Pfeiffer: Es ist weniger ein Solo-Album, als ein Album einer mittlerweile gewachsenen Band. Wir haben keine Gastmusiker dabei, es gibt also nichts in Richtung Namedropping. Die neuen Songs sind insgesamt etwas rockiger, es sind auch Songs und Ideen von den anderen Bandmitgliedern mit eingeflossen. zwei komplette Titel von Anca und einen von Steve (Mann, Gitarrist der Band -d.Verf.) Von den Sessions zum ersten Album war auch noch Material übrig geblieben, das wir für „Serum 2.0“ verwendet haben. Ich denke, am Ende werden rund zehn bis zwölf Songs auf das neue Album kommen.

Anlässlich deines Debütalbums gab es im Dezember 2012 eine Show im Capitol, die recht aufwändig für eine Live- DVD aufgezeichnet wurde, die auch inzwischen erschienen ist. Es waren seinerzeit nicht ganz so viele Besucher im Capitol, als wahrscheinlich im Vorfeld erwartet wurden. Was ist im Anschluss passiert?

Mit der ersten Platte und nach dem Konzert ist sehr wenig passiert. Wir haben nur wenige Gigs gespielt. Ich denke, ich habe auch das Interesse des Publikums ein wenig falsch eingeschätzt. Ich dachte, dass ich von den Fußballfans, die mich aus dem Stadion kennen, wo ich mit Dete Kuhlmann zu den Hannover-96-Heimspielen seit Jahren „96, Alte Liebe“ singe, auch viele Leute für meine eigene Musik und das damalige Konzert interessieren könnte, aber das sind letztlich doch zwei Welten, das hat sich nicht wirklich stark befruchtet.

Kann das eine Frage deines nicht so ganz festgelegten Image in Hannover sein, auf der einen Seite, der in einer größeren Öffentlichkeit bekannte Vereinshymnensänger, Stimmungsmacher oder Stadionbarde, wie du in einigen Medien häufiger tituliert wirst, auf der anderen Seite der quasi seriöse Rockmusiker mit anspruchsvollen Kompositionen, also der Künstler Ossy Pfeiffer?

Das ist gut möglich, viele im Stadion kennen mich wahrscheinlich gar nicht als Rockmusiker, der ich seit gefühlt Ewigkeiten bin. Ich habe über Jahre in verschiedenen Bands unterschiedliche Instrumente gespielt, habe im Studio andere Künstler produziert, die Auftritte vor den 96-Heimspielen im Stadion mache ich ja noch gar nicht so lange.

Wie verhält sich das eigentlich genau mit „96, Alte Liebe“? Ich meine, ich hätte dich schon 2002, direkt nach dem Wiederaufstieg von 96 in die Bundesliga, noch im alten Niedersachsenstadion den Song performen sehen. In der Kurve an den früheren B-Blöcken und unterhalb dem früheren Fanblock H 31. Ist das jetzt dein Song, hast du ihn geschrieben?

Oh, das ist aber schon lange her, das kann gut sein (schmunzelt). Nein, „96, Alte Liebe“ ist nicht mein Song, ich habe ihn nicht geschrieben. Eines Tages kam Dete Kuhlmann damit im Studio an und meinte, dass er sich sehr gut vorstellen könnte, dass meine Stimme und mein Gesangstil für den Song mit deutschem Text passen könnte und es einen Versuch wert sei, ihn mal einzusingen. Das habe ich dann gemacht. Ursprünglich kommt das Lied direkt aus dem Kreis der 96- Fans, aus einem Fanprojekt um die Jahrtausendwende. Kai Hoffmann und Martin Hylla, zwei Fußballfans, die auch Musik machen, sind die Urheber. Zu Beginn war das Lied im Refrain im Reggae-Stil gehalten, wir haben das dann letztlich im Studio entwickelt, neu arrangiert und mit mir als Sänger aufgenommen.

Und von da an schmettert ihr „96, Alte Liebe“ bei Wind und Wetter im Stadion und alle singen mit.

Ganz so ist das nicht. Über zehn Jahre lief der Song vor den Spielen vom Band, die Fans haben immer kräftig mitgesungen. Erst vor ungefähr drei Jahren kam NDR 2 auf die Idee, dass wir die Hymne auch live präsentieren, quasi angelehnt an die Auftritte von Lotto King Karl in Hamburg, der im dortigen Stadion immer die HSV- Hymne vor und mit den dortigen Fans singt.

Zusammen mit Thirty Seconds To Mars und The Offspring in Bulgarien

Du sagtest, ihr hattet nach dem „Osssy-Serum“-Debüt wenige Gigs und es ist insgesamt wenig nach der Veröffentlichung passiert. „Serum 2.0“ wollt ihr, soweit ich weiß, am 30.Juni herausbringen. Muss man ein Album nicht auf vielen Shows und Tourneen promoten, dass es sich verkauft, so in der Art, wie es andere Bands für gewöhnlich machen, wenn sie neue Platten herausbringen?

Vom Grundsatz stimmt das, aber wir hatten bislang nicht die Gelegenheit, ausgiebig zu touren. Zum einen, weil die Band aus vielen hochkarätigen und vielbeschäftigten Musikern besteht, zum anderen, weil wir einen bestimmten Rahmen einer größeren Veranstaltung mit einer bestimmten Bühnengröße und Technik brauchen, damit wir als Band mit unserer Musik einen entsprechenden Wirkungsgrad erzielen können. Das passt nicht so gut auf Stadtfeste oder zu ähnlichen Anlässen. Wir haben da zwar einige Angebote bekommen, die wir aber dankend abgelehnt haben. Grundsätzlich spiele ich gern auf Stadtfesten, beispielsweise als Schlagzeuger in einer Coverband, aber mit der eigenen Band und unserer Musik sind wir da nicht richtig platziert.

Dann schon eher auf großen Bühnen bei Shows mit Konzertcharakter wie demnächst bei dem Festival in Bulgarien, wo ihr die Bühne mit The Offspring, Mando Diao und Thirty Seconds to Mars teilt?

Naja, das ist natürlich der absolute Glücksfall, dass wir über unseren guten Freund David Lieberberg die Einladung erhalten haben, beim „Sofia Rocks“-Festival auftreten zu dürften. Es ist immerhin Bulgariens größtes Rockfestival, da freuen wir uns sehr drauf. Die Bühnengröße und der Rahmen sind für unsere Show dort sicher mehr als ausreichend (lacht).

Finanzierung durch Crowdfunding

Wie finanziert sich denn dann so ein Projekt, wenn ihr nur ausgewählte Konzerte spielt und dadurch nicht wirklich viel Geld in die Kasse kommt? Durch das Crowdfunding-Projekt, das du kürzlich gestartet hattest und das offenbar auch sehr erfolgreich war?

Das neue Album sowie DVD und Blu-ray konnten wir mit allem Drum und Dran mit den 10.000 Euro, die durch das Crowdfunding zusammengekommen sind, realisieren, inklusive CD-Pressung, Cover-Artworkgestaltung und allem was dazu gehört. Da bin ich auch wirklich dankbar für die große Unterstützung von Fans, Freunden, Bekannten und Gönnern, aber die bekommen dafür natürlich auch was zurück. Ich bin froh, dass wir da nicht von der Industrie abhängig waren, um das Album zu machen.

Du hattest ja für die einzelnen Spendenbeträge die unterschiedlichsten Gegenwerte ausgelobt: Unter anderem handsignierte CDs und Equipment, Instrumental-und Gesangsunterricht bei Bandmitgliedern, das Mitwirken bei Aufnahmen im Studio, kleine und große Auftritte im exklusiven Rahmen. Außerdem habt ihr Dinge wie eine beim Capitol-Auftritt getragene Sonnenbrille, eine Stilberatung und gemeinsames Shoppen mit Sängerin und Gitarristin Anca Graterol versprochen. Ich musste da ein klein bisschen schmunzeln. Für mich fühlte sich das doch arg nach größerem Rockstar-Umfeld, als nach Hannover-Szene an.

Findest du? Hm. Wir haben einfach geschaut, was andere Acts bei ähnlichen Aktionen machen und letztlich ist aus der ganzen Angebotspalette was weggegangen, auch die Sonnenbrille und das gemeinsame Shoppen.

Wer wollte das Shopping haben?

Das war ein weiblicher Fan von Anca. Die beiden sind dann los in die Stadt und hatten richtig viel Spaß.

Wer hat sich denn das teuerste Angebot herausgesucht? Da sollte man doch auch einen vollverstärkten Gig mit dir und Band gegen eine Spende von mehr als 2000 Euro bekommen können. Wird es diesen Gig geben?

Ja, den hat Michael van Eye von der Beatbox hier in Hannover gekauft, dort spielen wir auch am 19.Juli. Das ist auch der Grund, warum wir bei der Album-Release-Party am 30.Juni im MusikZentrum nicht live auftreten werden. Dort gibt es dann eine große Party im ungezwungenen Rahmen. Wir stellen das Album vor, werfen die Live-DVD mit der Capitol- Show auf eine große Leinwand, trinken und klönen mit allen Beteiligten, Freunden und Bekannten und wollen einen entspannten und schönen Abend haben.

Unter den vielen prominenten Unterstützern für dein Crowdfunding-Projekt waren ja auch einige Spieler von Hannover 96. Ich erinnere mich da an Videos und Fotos auf Facebook mit Jan Schlaudraff, Lars Stindl....

Richtig, und Steven Cherundolo...

Welches Verhältnis hat eigentlich die Mannschaft von Hannover 96, die Spieler mit denen du Kontakt hast zum Thema Rockmusik? Sind da auch Musiker unter den Kickern?

Wenn beispielsweise Lars Stindl nicht so ein super Fußballer geworden wäre, hätte er nach meiner Einschätzung auch Gitarrist werden können. Er ist ein talentierter Musiker. Als Lars hier im Studio war, haben sich Anca und er Gitarren geschnappt und ein bisschen gejammt. Das war klasse.

„Serum 2.0“ habt ihr dann auch hier bei dir im Studio aufgenommen?

Wir haben hier im Frida Park bei Anca Graterol fast alles aufgenommen und den Mix gemacht. Das ist übrigens wichtig und das verwechseln viele: Das Frida Park Studio ist das Studio von Anca, nicht von mir, auch wenn ich hier als Produzent tätig bin. Das Schlagzeug haben wir am Weidendamm eingespielt und aufgenommen, dort, wo ganz früher mal das Peppermint Park Studio war. Einige Pianos im Produktion von Christian Lanz. Der Kollege hatte auch den Capitol Gig mitgeschnitten…

...und früher auch das Institut für Wohlklangforschung von Willi Dammeier...

Genau dort. Da hat jetzt Sennheiser ein Studio. Das Schlagzeug haben wir im Treppenhaus recorded. Das knallt richtig und klingt schön natürlich. Natürlichkeit ist mir bei Aufnahmen und bei der Musik generell sehr wichtig. Auch wenn ich in durchaus verschiedenen Stilrichtungen unterwegs bin und auch mal experimentiere, ich meine auch immer zu 100 Prozent das, was du da hörst. Man muss sich selbst gegenüber glaubwürdig sein, um seine Musik überzeugend rüberzubringen.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Gast-respektive Chorsängern, die über eine Crowdfunding-Spende Hintergrundgesänge für „Serum 2.0“ beisteuern konnten. Waren die da?

Oh ja, und wie. Das war eine der freudigsten Überraschungen. Die Chorsänger waren richtig gut vorbereitet und fit, die konnten richtig gut singen. Wir haben da im Nachhinein auch nichts mehr technisch groß aufbereitet oder gar getrickst. Die Backing-Gesänge haben wir auch angemessen laut abgemischt, das war alles tacko.

Ist für die Veröffentlichung des neuen Albums eine Plattenfirma mit im Boot oder bringst du die Platte in D.I.Y.-Manier heraus?

Wir bringen das Album über Yellow Snake Records Hannover heraus. Das Label gehört zur independent entertainment GmbH. Mit den Labelchefs Susi Duhme und Andy Barthel verbindet uns eine langjährige Freundschaft und eine fruchtbare Zusammenarbeit. Wir haben schon einige Projekte gemeinsam erfolgreich realisiert wie Veröffentlichungen von Bands wie Abstürzende Brieftauben oder Werner Nadolny´s Jane. „Serum 2.0.“ kommt übrigens offiziell am Freitag, den 4.Juli über Yellow Snake Records in den Handel, bei der Release-Party am 30.Juni im MusikZentrum ist das Album natürlich schon vorab zu haben

Die besten Freunde

Eine vielleicht unwichtige Frage, aber es interessiert mich dennoch brennend: Wie schreibt man deinen Namen nun eigentlich richtig? Man ließt manchmal über Ossy Pfeiffer mit zwei „s“, deine erste Platte ist mit Osssy mit drei „s“ versehen. Welches ist nun die richtige Schreibweise oder geht beides?

Osssy mit drei „s“ ist eher durch Zufall entstanden, durch einen Druckfehler auf einer Visitenkarte. Mein Vater hat für mich in Ägypten einst Visitenkarten herstellen lassen, vor dem Druck war niemandem aufgefallen, dass dort plötzlich drei „s“ im Namen waren. Das war seinerzeit eine Druckauflage von 10.000-20.000 Stück, die wollten wir nicht einfach so wegschmeißen. Osssy mit drei „s“ verwende ich für mein eigenes Musik-respektive Bandprojekt. Irgendwie fand ich das cool und habe mir gleich die Domain „osssy.com“ gesichert. Auch die ist cool und das Ganze setzt sich dann auch von der Schreibweise sehr stark von entfernt ähnlich klingenden Ossy – Namen haben ab, wie etwa Ozzy Osbourne.

Was hast du in näherer und fernerer Zukunft vor, vor allem mit deinem Musikprojekt „Osssy“, wenn jetzt nicht zur Veröffentlichung eine ausgiebige Tour angekündigt wird?

Wir freuen uns natürlich sehr auf die „Serum 2.0“-Album-Release-Party im MusikZentrum, den Gig in der Beat Box und die Fahrt nach Bulgarien zum Sofia-Rocks-Festival. Wir sind wirklich heiß darauf, dort zu spielen. Gedanklich bin ich auch schon ein bisschen bei der dritten Platte, die ich mir von vorne bis hinten auch sehr gut als Album-Projekt der ganzen Band vorstellen kann und nicht mehr mit den meisten Titeln von mir. Wir sind inzwischen so miteinander verwachsen und sind die besten Freunde. Das ist kein Ossy-Pfeiffer-Projekt mit angemieteten Session- Musikern, sondern eine richtige Band.

Wie wirkt sich das aus?

Wir haben ein Spielgefühl auf einer Ebene und fühlen uns alle gleich gut. Es wäre beispielsweise klasse, wenn wir uns alle sechs in ein Ferienhaus in Dänemark einschließen könnten um gemeinsam am nächsten Album zu schreiben. Der kreative Output bei allen Musikern ist ungeheuer hoch. Oder wir machen im Studio eine Songwriting Session und nehmen die Sachen dann ganz frisch auf. Das sind alles ganz exzellente Musiker mit denen man das problemlos machen kann und schließlich haben wir hier alle Möglichkeiten, das umzusetzen.

Die Band:
Ossy Pfeiffer: Gesang, Keyboards

Anca Graterol: Gitarre, Gesang
Steve Mann: Gitarre
Lars Lehmann: Bass
Kristof Hinz: Schlagzeug
Momme Boe: Percussion

INFO-BOX

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externer Link www.osssy.com

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