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Der in Hannover lebende Schlagzeuger Micha Fromm spricht im Rockszene.de-Interview über seine Tätigkeit und Erfahrungen als professioneller Schlagzeug-Freelancer und -Lehrer.

Mit positiver Attitüde unterwegs

Der vielseitige Schlagzeuger Micha Fromm im Interview

28.05.2020, Von: Andreas Haug, Foto(s): Sarah Diemert

In der hannoverschen Musikszene haben viele Micha Fromm schon vor weit mehr als zehn Jahren als Schlagzeuger von Indie-Rock- und Indie-Pop-Bands wie Hemden oder Kosmopiloten kennen gelernt. Der Profi-Musiker spielt als Schlagzeug- Freelancer für einen großen Kreis von Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlichster Stilrichtungen. Im Studio oder live auf der Bühne. Einzelne Shows oder komplette Tourneen. In jüngerer Vergangenheit gab es besonders prominente Einsätze für Peter Maffay und Johannes Oerding. Als Schlagzeuglehrer hat Micha etwa für die PPC Music Academy rund 20 Kurse entwickelt. Für unser Magazin nahm sich Micha Fromm die Zeit für ein ausführliches Interview.

Rockszene.de: Hallo Micha, wie kommst du aktuell durch die Corona-Zeit? Was steht bei dir an?

Micha Fromm: Hi Andreas, es geht ganz gut, danke. Als es im März Absagen hagelte, bisher rund 40 Konzert- und Workshoptermine, war das natürlich erstmal ein Schock, aber mittlerweile habe ich mich ganz gut in der Situation eingerichtet. Ich genieße es sehr, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen und nicht ständig unterwegs sein zu müssen. Das ist schon eine gute Entschleunigung, die sonst wahrscheinlich nie in dem Maße eingetreten wäre. Ansonsten habe ich trotzdem ganz gut zu tun. Ich habe es endlich geschafft, mein erstes Schlagzeugbuch „Groove Workout“ fertigzuschreiben, das jetzt in den nächsten Wochen veröffentlicht wird. Da arbeite ich schon seit Jahren dran und es war ein tolles Gefühl, das endlich abzuschließen.

 Außerdem gebe ich Skypeunterricht, habe kürzlich ein „Lockdown Lesson“-Video für Istanbul Mehmet-Cymbals aufgenommen und es stehen in den nächsten Monaten einige Recording-Sessions an. Mit der Sängerin Diana Babalola habe ich kürzlich ein Live-Stream Konzert ohne Publikum gespielt, da ist zumindest ein bisschen Konzertatmosphäre aufgekommen und es war toll, überhaupt mal wieder zu spielen. Nichtsdestotrotz hoffe ich natürlich sehr, dass es bald wieder weitergehen kann mit dem Konzertbetrieb, denn das Spielen vor Publikum vermisse ich schon sehr und die Einnahmen fehlen auch.

Und ich muss hier auch nochmal erwähnen, dass ich wirklich enttäuscht bin von den sogenannten Soforthilfen für Freelancer in Deutschland. Ich habe vergeblich drei verschiedene Anträge gestellt und bis heute keine Unterstützung erhalten. Ich habe Verständnis dafür, dass so eine Krise von allen mitgetragen werden muss, aber ich verstehe beispielsweise die Verhältnismäßigkeit von Kurzarbeitergeld für Angestellte und vollkommen fehlender Unterstützung für Selbstständige nicht. Und mich ärgert vor allem die falsche Außendarstellung der Regierung im Verhältnis zu den nicht vorhandenen Inhalten der Soforthilfen. Ich hoffe, da kommt bald echte Hilfe!

Du bist Freelancer-Schlagzeuger und auch Schlagzeuglehrer. Wie stehst du zum Thema Online-Unterricht, bist du in dieser Hinsicht aktiv? Ist das eine echte Alternative oder nur eine vorübergehende, aus der Not geborene Überbrückung?

Ich hatte aufgrund von Corona meine Premiere in Sachen Onlineunterricht und ich bin positiv überrascht. Das funktioniert erstaunlich gut. Natürlich geht nicht alles, die Latenz ist etwas nervig und man muss sich schon mehr konzentrieren, aber es ist etwa für Schüler, die einen weiteren Anfahrtsweg haben, auch langfristig eine echte Alternative. Mittlerweile habe ich auch wieder angefangen, live zu unterrichten und stelle es meinen Schülern frei, zwischen Live- und Online-Unterricht zu wählen.

Du spielst Schlagzeug in unterschiedlichen stilistischen Feldern. Was liegt dir besonders gut und welche Genres bergen für dich besondere Herausforderungen?

Das stimmt, ich habe gleich zu Beginn meiner Karriere als Freelancer gemerkt, dass ich in der Hinsicht flexibel sein muss, wenn ich mit dem Musik machen Geld verdienen möchte. Ich habe mit 13 Jahren mit Rock- und Heavy Metal angefangen, habe dann begonnen, mich für Jazz, Soul und Funk zu interessieren und spiele mittlerweile auch total gerne gut gemachte Popmusik, Folk oder Indie. Auch Stile, wie Drum ´n´ Bass, R´n´B oder Hip-Hop finde ich sehr spannend.

Letztes Jahr habe ich dann mit Velvet Viper (Jutta Weinhold) in Wacken gespielt. So schließt sich der Kreis wieder. Insgesamt ist es eine bunte Mischung aus Club-Gigs mit GoGorillas, Metal-Festivals mit Velvet Viper, Jazz/Soul-Festivals mit James Kakande, Culture Beat-Hits mit Kim Sanders, Pop Meets Classic-Show mit Orchester, Kirchentour mit Fairytale, Pop-Gigs mit Laura Lato, Jamie Lee oder Diana Babalola, Theater-Shows, kleinen Singer/Songwriter-Konzerten oder einem Peter Maffay-Gig. Das ist schon eine sehr tolle Abwechslung.

Jede Stilrichtung für sich birgt dabei ihre Herausforderungen. In der Popmusik ist es eher das simple, songdienliche Schlagzeugspiel mit viel Repetition, im Jazz und Soul freies Spiel mit viel Improvisation und im Heavy Metal sind es mitunter sehr virtuose und komplexe Schlagzeugpattern. Wenn mich jemand für eine Death-Metal Band mit Blast-Beats anfragen würde, müsste ich passen, weil ich das nicht kann und auch gar nicht können möchte. Bei allem anderen zwischen Jazz und Heavy Metal bin ich dabei, wenn es gut gemacht ist und erweitere so mit jedem Job meinen Horizont!

Benötigt man eigentlich für jede Stilrichtung ein anderes Schlagzeug oder zumindest ein anderes Set-Up? Ich denke an spezifische Drum-Sounds und optische Aspekte in puncto Show. Im Rock und Metal klingt das Schlagzeug ja für gewöhnlich anders als im Indie-Pop oder Jazz. Wie bist du da in Sachen Equipment aufgestellt oder ist das letztlich alles mehr oder weniger eine Sache der Spieltechnik?

Die Zusammensetzung des Drum Sets ist schon von der zu bedienenden Stilrichtung abhängig, da der spezifische Sound natürlich in jedem Musikstil eine große Rolle spielt. Ein kleines Jazz-Set im Heavy Metal-Kontext würde zum Beispiel weder soundmäßig noch optisch funktionieren. Ich nutze ein großartig klingendes Set von Yamaha (Absolute Hybrid Maple) mit fünf verschiedenen Toms und zwei Bassdrums, die ich in verschiedenen Größen und Kombinationen einsetze. Dazu habe ich mehrere Sätze von Becken und eine Sammlung von etwa zehn Snaredrums in verschiedenen Größen und aus verschiedenen Materialien (Holz, Stahl, Alu, Bronze, etc.). Je nach Stilrichtung wird das jeweilige Set dann zusammengestellt, mit entsprechenden Fellen versehen (doppellagig, aufgeraut, klar, etc.) und unterschiedlich gestimmt und gedämpft.

Außerdem nutze ich vier verschiedene Stärken von Sticks, sowie Besen, Mallets, Rods und verschiedene Percussion Instrumente. Dazu kommen gegebenenfalls noch Trigger und Module, Pads und Backingtracks vom Rechner um den Sound elektronisch zu unterstützen oder zu verändern. Ich bin äußerst dankbar, dass ich durch meine Endorsements mit so tollem Equipment versorgt werde. Vor allem der Service von Musik Wein in Langenhagen (Istanbul Mehmet, Ahead Armor Cases, Los Cabos Drumsticks) durch Curt Doernberg ist da ganz hervorragend.

In den vergangenen Monaten hast du mit einer zusammengestellten Band, in der auch Bassist Ron Oberbandscheid dabei war, in Hannover Auftritte mit Peter Maffay und mit Johannes Oerding gespielt. Wie kam es dazu und wie lief das ab? Beide Künstler haben doch eigentlich eigene Bands…

Das stimmt, das waren tolle Gigs! Klar, die haben beide jeweils eigene Bands, aber es gibt immer mal Gelegenheiten, bei denen auch solche Künstler alleine unterwegs sind und dann mit einer Band vor Ort zusammenspielen. Von beiden Künstlern, bzw. deren Agenturen haben wir im Vorfeld Material in Form von Aufnahmen zum Vorbereiten bekommen und am Nachmittag des Showtages einmal geprobt. Beide Shows liefen super und haben echt Bock gemacht. Und beide sind äußerst sympathische Zeitgenossen und tolle Musiker. Die Backing-Band, mit der wir für Peter Maffay und Johannes Oerding gespielt haben, hatte ich Jahre vorher ursprünglich für Kim Sanders zusammengestellt. Mit Ron (Oberbandscheid, Bass – d.Red.) spiele ich sogar schon seit mehr als zehn Jahren zusammen. Wir sind ein großartiges Rhythmus-Team und haben schon viele tolle Gigs für viele verschiedene Künstler unterschiedlicher Genres in vielen Ecken dieser Welt gespielt.

Wie bereitet man sich auf Konzert-oder Toureinsätze mit unterschiedlichen Bands und Künstlern vor? Bekommt man Aufnahmen und die Noten dazu geschickt? Man hört und liest immer wieder davon, dass manche Acts wenige Tage vor Start einer Tour einen Musiker wechseln müssen, manchmal sogar während einer laufenden Tour. Sind das dann bereits im Vorfeld komplett eingearbeitete Musiker als „Sub“ oder ist man –gerade auch als Schlagzeuger- in der Lage, sich binnen weniger Tage ein 60-90-minütiges Programm draufzuschaffen? Man hört sogar, dass es teilweise nur eine oder zwei, manchmal auch gar keine Probe gibt, wenn einzelne Musiker in eine Tourband „geworfen“ werden oder bei einzelnen Shows aushelfen.

Meistens bekommt man Aufnahmen und oft auch zusätzliche Noten zur Verfügung gestellt. Ich schreibe mir in der Regel dann auf dieser Grundlage eigene Charts, in denen ich die Songformen und das Tempo, die Drum-Grooves für Strophe, Refrain, Bridge, etc. und die wichtigsten Kicks und Endings notiere. Oft gibt es mindestens eine Probe vorher, richtig warm wird man mit so einem Programm dann aber erst nach ein paar Gigs mit dem Künstler oder der Band auf der Bühne. Oft gibt es feste Subs für eine Position in einer Band, die das Programm kennen, es gibt aber durchaus auch Last-Minute Einsätze. Ich spiele einmal im Jahr die Go Music-Tour von Martin Engelien, der immer wieder tolle Allstar Bands zusammenwürfelt. Das läuft dann so, dass man sich erst am Tag des ersten Gigs nachmittags trifft, probt und die Stücke arrangiert. Abends ist dann gleich das erste Clubkonzert und so geht es dann eine Tour lang weiter. Das ist sehr spannend und macht einen riesengroßen Spaß!

Ist es dann im Grunde unerlässlich, dass man als professioneller Schlagzeuger Noten lesen kann?

Ich finde es unerlässlich als professioneller Schlagzeuger, Noten lesen und schreiben zu können, aber hauptsächlich deswegen, weil es wichtig ist, dass einem das rhythmische Raster, dessen was man spielt, immer vollkommen klar ist. Nur mit dem Bewusstsein kann man präzise und Timing-stabil spielen. Zusätzlich ist es natürlich auch sehr nützlich, wenn man sich eigene Ideen aufschreiben und vom Blatt spielen kann, was bei Vertretungsjobs ja durchaus mal vorkommen kann.

Hattest du schon einmal so eine Last-Minute-Anfrage als Schlagzeuger und hast du da eventuell eine Anekdote auf Lager?

Last-Minute-Anfragen hatte ich schon einige und auch oft so knapp, dass ich mir das Material zwar rausschreiben konnte, aber keine Zeit mehr hatte, die Parts selber vorher zu spielen, geschweige denn mit der Band zu proben. Dann versuche ich, meistens auf dem Weg im Auto, die Songs noch in Dauerschleife zu hören und zumindest mental zu üben. Wenn man die anderen Musiker in der Band auch nicht kennt, ist es noch zusätzlich spannend und man muss sich auf der Bühne oder beim Soundcheck sehr schnell aufeinander einstellen. Der krasseste Gig in dieser Hinsicht war für mich mal ein Konzert mit einem Singer/Songwriter, der mir gar kein Material vorher geschickt hat, noch nicht mal eine Setlist. Ich hatte also überhaupt keine Information, außer, dass ich einige der Songs wohl schon kennen würde und dass ich Schlagzeugspielen sollte. Ich bin teilweise ganz gut ins Schwitzen gekommen dabei, aber mit Ohren und Augen offenhalten auf der Bühne hat am Ende alles wunderbar geklappt.

Hat man Möglichkeiten, als gebuchter Freelancer-Schlagzeuger auch eigene Ideen für Groove-Arrangements einzubringen? Ich denke da an die Feinentwicklung von Songs bei der Studioarbeit. Oder ist alles mehr oder weniger festgelegt und man trommelt quasi seinen Job herunter?

Die Möglichkeit der Mitgestaltung hat man eigentlich immer bis zu einem gewissen Grad. Wenn es ein vorproduziertes Demo mit programmierten Drum-Grooves für eine Aufnahme-Session gibt, dann schreibe ich mir diese zunächst mal in Noten auf und kann sie so anbieten. Meistens gibt es aber zumindest Details, die ich anders machen würde und dann schlage ich Alternativen vor. Manchmal funktionieren Songs auch in einem anderen Tempo oder Feel besser oder mit völlig anderen Patterns als gedacht. Wenn man zu einem fertigen Song am Schluss das Schlagzeug einspielt, hat man unter Umständen weniger Freiheiten, als wenn die Drumspur zuerst aufgenommen wird. Es kommt auch vor, dass ich den zu spielenden Track im Studio überhaupt das erste Mal höre und mir dann schnell verschiedene Möglichkeiten überlege und notiere.

Kommen wir zu deiner Tätigkeit als Schlagzeuglehrer. Was muss jemand außer Enthusiasmus, Interesse und sicher wohl rhythmischem Talent mitbringen, um erfolgreich Schlagzeug zu lernen? Schlagzeugspielen erschloss sich für mich immer als eine besondere und anspruchsvolle Form des Multitaskings. Mindestens drei unabhängige Bewegungsabläufe und dazu noch denken und hören, was andere machen. Muss man da nicht das Gehirn besonders trainieren und angeborene rhythmische Automatismen austricksen?

Ich würde sagen, Enthusiasmus und Motivation sind die wichtigsten Voraussetzungen! Eine gewisse Portion Talent, bzw. musikalische Sozialisation dürfen auch nicht fehlen und der Rest besteht dann aus möglichst regelmäßigem Üben. Beim Schlagzeuglernen geht es dabei viel um das Wiederholen von Bewegungsabläufen. Drei bis vier Gliedmaßen gleichzeitig zu koordinieren ist tatsächlich eine besondere Herausforderung und es ist ja mittlerweile auch erwiesen, dass sich die Gehirne von Schlagzeugern mit der Zeit effizienter organisieren, was motorische Areale angeht. Wenn man dann noch mitzählt beim Spielen, ist das von der Koordination her wie eine fünfte Gliedmaße. Dazu kommt dann auf der Bühne noch ein sehr hohes Konzentrationslevel, Adrenalin, körperliche Anstrengung (vergleichbar mit einem Fußballspiel), ständiges Reagieren auf Mitmusiker und Publikum, sowie jede Menge Entscheidungen die man in Sekundenbruchteilen fällen muss.

Als Schlagzeuger ist man verantwortlich für Tempo, Feel, Dynamik und Groove eines Songs, fungiert als Dirigent, zeigt Wechsel von Songparts und Kicks an und hält die Band zusammen. Nicht umsonst sind Drummer auch oft die musikalischen Leiter in einer Band.

Du gibst sehr viele unterschiedliche Kurse als Schlagzeug-und Percussion-Dozent bei der PPC Music Academy in Hannover. Wie unterscheidet sich die Arbeitsweise dort zu dem gewohnten Schlagzeugunterricht, den du anbietest?

Das stimmt, ich habe eine langjährige Verbindung zu PPC Music noch aus der Zeit als der Laden noch in der Innenstadt von Hannover war. In den 1990er Jahren hatte ich selber Unterricht dort, damals hieß das noch PPC Music School. Nachdem ich 2015 begonnen hatte, für die Schlagzeugzeitschrift „DrumHeads!!“ in der Workshop-Rubrik zu schreiben, wollte ich solche Workshop-Konzepte auch gerne live ausprobieren und begann meine ersten Kurse bei der PPC Music Academy zu geben.

Seitdem habe ich das Programm nach und nach zu etwa 20 verschiedenen Kursthemen erweitert und mache dort etwa 50-60 Workshops im Jahr. Die Atmosphäre bei PPC ist toll und das Team um Robert Mühlbauer sorgt immer ganz großartig für Organisation, Werbung und leibliches Wohl. Im privaten Einzelunterricht kann ich mich individuell in 45-60 Minuten auf den jeweiligen Schüler einstellen, im Workshop sind es mindestens fünf bis sechs Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen spieltechnischen Niveaus über drei Stunden. Ich hatte schon studierte Schlagzeuger und absolute Anfänger im selben Workshop und dann ist meine Herausforderung, dass jeder im Kurs etwas mitnimmt und sich keiner langweilt oder überfordert ist. Das ist immer wieder sehr spannend!

Bei der PPC Music Academy bietest du eine Fülle von sehr detailgenauen Kursen an, wie „Trommel deinen Lieblingssong“, Rudiments und Schlagtechnik“, mal was zum Double Bass-Spiel. Hast du diese Inhalte individuell entworfen und kannst du was in zwei, drei Sätzen zu den einzelnen Inhalten sagen, was passiert und wie das abläuft?

Ja, die Kursthemen habe ich alle nach und nach selber entwickelt. Sehr gut angenommen wird beispielsweise der Anfängerkurs „Trommel deinen Lieblingssong“. Der Kurs ist für absolute Anfänger am Instrument gedacht, besteht aus vier Terminen und jeder Teilnehmer bekommt noch ein Schlagzeugbuch dazu. Das Beste ist aber, dass auch jeder ein E-Drum-Leihset für die Zeit des Kurses mit nach Hause nehmen kann und so wirklich checken kann, ob Schlagzeugspielen das Richtige ist oder nicht.

Andere Kurse, wie „Double-Bass-Drumming“ oder „Rudiments und Schlagtechnik“ sind deutlich spezieller und nur für fortgeschrittene Schlagzeuger geeignet. Sehr gut funktioniert auch der „Bass und Drums“ Workshop, den ich zusammen mit Ron Oberbandscheid gebe. Bassisten und Drummer werden zusammengeworfen und es geht einen ganzen Tag um das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug, Songs werden erarbeitet und mittags gibt es Pizza.

Das macht immer sehr viel Freude! Jeder meiner Kurse beginnt grundsätzlich mit einer Vorstellungsrunde, in der ich auch herauszufinden versuche, wo jeder Teilnehmer steht und was er erreichen will und kann. Dadurch hat jeder Workshop je nach Teilnehmerzusammensetzung immer wieder unterschiedliche Schwerpunkte und der Verlauf ist nie identisch.

Hinweis der Redaktion:

Eine Übersicht dieser Kurse findet man über diesen Link

Ein aktuelles Schlagzeug-Solo von Micha auf YouTube gibt es hier

Ich könnte mir vorstellen, dass besonders für das Schlagzeugspiel körperliche Fitness sehr wichtig ist, man womöglich auch Kraft-und Ausdauertraining machen sollte und sich vor dem Spielen warm machen und auflockern sollte. Ist das so und wenn ja, was kannst du da empfehlen?

Das stimmt, körperliche Fitness ist sehr wichtig. Mir ist das 2012 auf einer Tour mit einer Metal Band durch China das erste Mal in aller Konsequenz klar geworden. Da habe ich, zwischen zwei Festivalgigs bei 40° Temperatur und extrem hoher Luftfeuchtigkeit in Kombination mit Jetlag, Flügen zwischen den Gigs und regelmäßigem Bierkonsum gemerkt, dass ich nicht fit genug bin, so unterwegs zu sein und abends noch ein Heavy-Metal-Konzert zu trommeln.

Das war für mich ein Wendepunkt. Ich habe dann aufgehört Alkohol zu trinken und angefangen regelmäßig Sport (Kraft und Ausdauer) zu machen. Letztes Jahr habe ich dann noch aufgehört Zucker zu essen und begonnen, mehr auf meine Ernährung zu achten. Mit einem Pensum von rund 120 Gigs und Workshops pro Jahr (und in meinem Alter) muss man sich fit halten und auf sich achten, sonst funktioniert das nicht. Vor Konzerten versuche ich genug zu schlafen, möglichst 2 Stunden vorher gut zu essen und viel Wasser zu trinken. Zum Warmmachen dehne ich mich dann etwas und stelle mich mental auf den Gig ein.

Hast du eine Philosophie oder eine Art Leitmotto als Schlagzeuger?

Ich glaube fest daran, dass die innere Einstellung, bei allem was man tut, eine große Rolle spielt. Es gibt dazu die ABC-Regel (Attitude - Behaviour - Consequence), die ich in dieser Form von Mark Schulmann (Drummer von P!NK) das erste Mal gehört habe. Deine Einstellung zu einer Sache beeinflusst immer dein Verhalten und das wiederum hat Konsequenzen. Wenn ich also positiv auf einen Gig eingestellt bin und mich nicht über irgendwelche Widrigkeiten der äußeren Umstände ärgere, die immer mal vorkommen können (Probleme mit der Technik, schlechte Organisation, fehlendes Catering, o.ä.), dann kann ich eine gute Show spielen und den Abend genießen. Ich versuche grundsätzlich immer mit einer positiven Attitüde unterwegs zu sein und gehe respektvoll mit meinen Mitmusikern und Mitmenschen um.

Wenn man als Schlagzeuger erfolgreich sein möchte, was sollte man unbedingt bedenken und tun und was sollte man besser unterlassen?

Man sollte unbedingt zuverlässig, gut organisiert und flexibel sein. Wichtig ist natürlich auch, dass man spielen kann, aber das macht höchstens 50 Prozent des Gesamtpakets aus. Vor allem sollte man, wie schon gesagt, respektvoll mit seinen Mitmusikern (Mitmenschen) umgehen. Wenn man viel Zeit auf Tour oder im Studio miteinander verbringt, ist für Egotrips, Unzuverlässigkeit oder asoziales Verhalten kein Platz. Außerdem sollte man ein gutes Netzwerk aufbauen und pflegen. Sprich so viele Kontakte knüpfen, wie möglich, so viele Musiker, Agenturen und Produzenten kennenlernen, wie es geht. Man sollte stets präsent und gut vorbereitet sein, einen professionellen Job machen und dabei immer etwas mehr geben, als die gefragten 100 Prozent.

Vielen Dank für deine Zeit, das Interview und weiterhin viel Spaß und Erfolg!

Ich danke dir, Andreas. Das wünsche ich dir auch!


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