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Vom Geschichts-Studium ins Musikbusiness - Wir sprachen mit Gunnar Geßner über seinen beruflichen Werdegang.

„Netzwerke sind essentiell“

Im Interview mit Gunnar Geßner

11.12.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Christoph Mischke

„Ich habe einen ziemlich weit gefassten Musikschaffenden-Begriff“, erklärt Gunnar Geßner. Und auch der berufliche Werdegang des Mannes, der von seinem Schreibtisch aus verschiedenste Veranstaltungen und Treffen in der hannoverschen Musikszene und darüber hinaus organisiert, ist vielfältig. Zuerst folgte Geßner, der im Bundesvorstand der LiveKomm sitzt, seiner Leidenschaft und studierte Geschichte. „Ich hatte aber nicht dieses Übernerdtum“, lacht er rückblickend und so begann er mehr und mehr, in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit einzusteigen. Wir trafen uns mit Gunnar Geßner zum Interview, um all diese Facetten seiner Arbeit kennenzulernen.

Rockszene.de: Du hast Geschichte und Soziologie studiert – Wie kam dann der Schritt ins Musikbusiness?

Gunnar Geßner: Das war ein schleichender Prozess. Bei der Entscheidung, Geschichte zu studieren, bin ich meiner Leidenschaft gefolgt. Zu dieser Leidenschaft gehörte aber nicht das wissenschaftliche Arbeiten, das zwangsläufig dazugehört (lacht). Außerdem hatte ich nicht dieses Übernerdtum, sondern habe schon während des Studiums angefangen, selbstständig in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig zu sein. Ich habe also Ausstellungen betreut und auch Projektmanagement gemacht. Die Musik kam einfach dazu. Irgendwann lernte ich dann Christoph van Hal mit seiner Big Band kennen und wir teilten uns die Aufgaben; einer war für die Musik an sich zuständig und ich zusammen mit einem anderen Freund für den Rest – von Organisation bis Pressearbeit. Das wurde eher zu einer Nebenbeibaustelle, weil ich dann mit anderen Leuten die Agentur Festnetz gegründet habe. Dort waren wir zu fünft und später zu zweit und haben Partys organisiert, bei denen ich auch die Presseinfos geschrieben habe (lacht).

Wie sieht dein Alltag aus? Was machst du besonders gerne und was weniger?

Mein Alltag besteht vor allem daraus, in den Computer zu gucken (lacht). Ich schreibe viele Mails, skizziere Projekte oder organisiere Veranstaltungen und Treffen. Zusammengefasst rede und schreibe ich viel, aber telefonieren hasse ich (lacht).

Du bist auch im Klubnetz e.V. tätig – Dort wird gerade über einen Nachtbürgermeister diskutiert. Was sollen seine Eigenschaften und Aufgaben sein?

Zunächst sollte man sagen, dass das Klubnetz e.V. ein Teil des Bundesverbands der LiveKomm, also dem Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V., ist. Dort sitze ich auch im Bundesvorstand und so vertreten wir die Anliegen der LiveKomm auf Landesebene. In diesem Zuge haben wir zur Kommunalwahl 2016 der Stadtpolitik sechs Fragen gestellt und unter anderem auch nach der Position der Parteien zu einem Nachtbürgermeister gefragt. Städte wie Amsterdam oder New York haben bereits einen Nachtbürgermeister. Dieser soll vor allem das Nachtleben mit dem restlichen Leben der Stadt verbinden. Die Clubszene hat in vielen Städten durch den Wohnungsbauboom das Problem der Verdrängung; auf der anderen Seite gibt es aber auch Anwohner, die in Szenevierteln schon um 21 Uhr schlafen wollen und sich über den Lärm der Menschen auf der Straße beschweren. Der Nachtbürgermeister soll unserer Meinung nach eine Vermittlerrolle zwischen der städtischen Verwaltung, Anwohnern, Publikum und Organisatoren sein. Wenn Teilkonflikte zwischen diesen Beteiligten entstehen könnten, dann soll er bereits im Vorfeld moderieren. Wir suchen keinen CEO (lacht). Bündnis 90/ Die Grünen hat die Forderung nach einem Nachtbürgermeister bereits aufgenommen, aber die genaue Ausgestaltung muss natürlich noch mit Vertretern verschiedener Interessensgruppen gestaltet werden.

Sollte man immer in Gruppen oder Vereinen arbeiten oder kann man auch als Einzelperson erfolgreich sein?

Da gibt es keine einfache Antwort. Alles ist möglich. Ich glaube aber schon, dass Kooperationen ein Erfolgsmodell sind. Es ist eher die Frage, auf welchen Ebenen und mit wem man kooperiert. Wenn man alles immer alleine macht, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass man viele Leute erreicht. Es gibt natürlich Leute, die für sich feststellen, dass sie etwas nur für sich selbst machen und die dann auch mit zwei Leuten vor der Bühne zufrieden sind - dann ist das natürlich deren Weg. Man kann aber auch mit Netzwerken arbeiten, die lokal unsichtbar sind und nur einzelkämpferisch wirken; die in Wirklichkeit weit überspannt sind. Das heißt, dass man beispielsweise von Hannover aus arbeitet, aber mit Agenturen in Hamburg und Studios in London in Kontakt steht. Netzwerke sind somit essentiell, man nennt das Musikbusiness ja auch ein „people business“. Wie sie gestaltet werden, ist aber jedem selbst überlassen.

Wie würdest du die hannoversche Musikszene beschreiben?

Wenn ich erst mal ein paar Plattitüden nennen sollte, dann wären das zum Beispiel: Vielfältig, in Teilen exzellent und breit aufgestellt. Musikalisch kann man nicht sagen, dass es einen Hannover-Sound gibt. Überhaupt sind Bands, Ensembles und die ganzen Musizierenden schwer auf einen Nenner zu bringen oder einfach zu beschreiben. Es sind halt ziemlich viele. Von Chören bis zu Schülerbands oder die Stars, die jeder kennt. Organisatorisch gibt es in jedem Genre oder Bereich einzelne herausragende Akteure, wie beispielsweise Hannover-Concerts, die Staatsoper, das Fuchsbau Festival, Sennheiser oder die Hochschule für Musik, Theater und Medien. Es gibt viele gute Sachen, aber wenig Tiefe und meist nichts Zweites davon; kein zweites Béi Chéz Heinz und keine zweite Feinkostlampe. Es ist also von allem etwas da und in der Nische großartig, dort aber oft recht einsam.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?

Ich möchte den Leuten helfen, die heute oder in Zukunft von ihren kreativen Projekten; ihrer Musik leben wollen. Damit meine ich aber das gesamte Feld, also von Musikern über Vermittler bis hin zu Produzenten und alles, was daran andockt. Ich habe da einen ziemlich weit gefassten Musikschaffenden-Begriff. Dann ist mir auch die Internationalisierung sehr wichtig. Ich möchte dabei helfen, dass Musikschaffende ins Ausland gehen können, aber auch Leute aus dem Ausland für Projekte hierher kommen können.

INFO-BOX

Links
externer Link www.livekomm.org/
externer Link www.klubnetz.pixelplanungsbuero.de/
externer Link www.musikzentrum-hannover.de

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