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Sorgen im Frühling 2018 mit ihrem Debütalbum "Ego Politur" für Aufmerksamkeit: Die drei Wahl-Hannoveraner und Psycho-Rap-Rocker Ego Super.

„Alles was wir machen, muss hart grooven“

Die Psycho-Rap-Rock-Band Ego Super im Interview

03.05.2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Nils Brederlow

Drei überaus talentierte und versierte Musiker lernen sich im Rahmen ihrer Psychologie-Studien kennen und gründen die Band Ego Super. Stilistisch kombiniert man harte Rock-Riffs mit Deutsch-Rap, mischt einige elektronische Sound-Zutaten bei und schreibt für die heutige Popmusik-Kultur eher ungewöhnliche Texte mit einigen psychoanalytischen Ansätzen und Hintergründen. Dabei schlüpfen Sänger und Gitarrist Daniel, Bassist Xaver und Schlagzeuger Pit in die Rollen des ES, Ich und Über-Ich. Jüngst haben die Wahl-Hannoveraner ihr Debütalbum „Ego Politur“ über ihr Label quadratisch rekords auf den Markt gebracht. Wir trafen Ego Super zum Interview. Es gab einiges zu besprechen und zu erklären.

Rockszene.de:Schön, euch mal zum Interview zu erwischen. Der Name Ego Super geistert seit einigen Wochen verstärkt durch die Medien, euer Debütalbum ist kürzlich erschienen und auch einige Konzerte werden angekündigt, so spielt ihr unter anderem im August in Hannover auf dem Fährmannsfest. Was ist in letzter Zeit passiert und was macht ihr im Moment?

ES: Ja, die Veröffentlichung von unserem Album „Ego Politur“ hat uns natürlich die letzten Monate gut beschäftigt. Die Aufnahmen im Studio bei David Raddish von Moop Mama sind dabei ja auch nur der Anfang einer Kette von etlichen Entscheidungen: welcher Take? welcher Mix? welcher Artwork-Entwurf? Und so weiter. Schließlich hat alles gut geklappt und wird sind ziemlich zufrieden mit unserem Werk. Das ist ein gutes Gefühl.

Ich: Zuletzt hat uns auch die Produktion von unserem Videos zu „Tanzen“ noch gut busy gehalten. Auch wenn wir bei Ego Politur jetzt schon mit einigen Professionellen zusammen gearbeitet haben von Produktion bis Artwork, sind wir trotzdem dem DIY-Prinzip ja stark verbunden und übernehmen auch immer wieder allerhand Aufgaben selbst oder sind stark in den Prozess eingebunden. So haben wir durchaus auch bei dem Tanzen-Video massiv selbst Hand angelegt und einige Tag- und Nachtschichten zusammen mit Golo Hennig an den Dancemoves und Animationen geschraubt.

Eure Musik ist alles andere als gewöhnlich und steht sicher entgegen den Hörgewohnheiten vieler Menschen. Erklärt bitte, was es mit eurem Psycho-Rap-Rock und dem Bandkonzept Ego Super auf sich hat.

Über-Ich: Ja, das geht eigentlich schon damit los, dass Ego Super eine Verdrehung des englischen Super Ego ist, was wiederum Über-Ich bedeutet. Nach dem guten Siggi Freud besteht die Psyche aus drei Instanzen, dem Es, dem Ich und dem Über-Ich und diese Instanzen verkörpern wir bei Ego Super sozusagen. Daniel zum Beispiel verkörpert das Es, der ist quasi die pure Libido-Power und damit dauergeil und immer am Clubben und bei jeder Art von Exzess am Start und will verschärft in seinem Kiez die Ladies kontrollieren. Währenddessen mache ich mir in meinem Kämmerchen als Über-Ich bei bis zum oberen Knopf zugeknöpften Hemd Sorgen über meinen Bausparvertrag. Xaver muss als das Ich schließlich mit uns beiden irgendwie klarkommen und will wohl manchmal nur schreiend davonlaufen...

Ich: Das stimmt! ...Ergeben hat sich das alles daraus, dass wir ja tatsächlich alle zusammen Psychologie studiert haben. Und damals haben wir natürlich auch schon zusammen Musik gemacht und Zeit damit verbracht, im Proberaum rumzuhängen und uns komische Geschichten zurechtzuspinnen und merkwürdige Bandkonzepte zu entwerfen.

In einigen Songs geht es um in der Popularmusik bislang noch nicht so vertraute Themen wie Libidoverlust oder den Rückzug von Männern in Geräteschuppen. Den gleichnamigen Song bezeichnet ihr als „Abstieg in die dunkelsten Kammern der Psyche“, euer Album „Ego Politur“ stellt ihr als euer „aktuelles Therapieprogramm“ vor. Was hat es damit auf sich, wen wollt ihr warum therapieren und wer soll sich darauf einlassen?

:ES Na ja, wahrscheinlich hat schon beim gemeinsamen Abhängen während des Studiums die gemeinsame Selbst-Therapie angefangen und unsere Vorliebe für merkwürdige Witze und abwegige Themen geprägt. Und die folgerichtige Fortsetzung davon ist einfach, dass wir jetzt Psychoraprock machen und als eine Art Therapie für uns und den Rest der Welt anbieten. Psychoraprock bedeutet für uns, dass man die Psyche quasi von einer Seite zur anderen in ihrer ganzen Breite ausfährt. Da gehört ein happy Party-Hit wie „Tanzen“ dazu, der Libido versprüht, aber auch die Entlarvung von Fassaden, hinter denen sich vermeintlich harte Männer verstecken wollen. Oder die Frustration vom monotonen Liebesleben und dem ewigen Elend mit Beziehungen oder, wie im Falle von Geräteschuppen, vollkommener Eskapismus, das Sich-Einnisten in einer merkwürdigen Fantasiewelt, in der man selbst der Herrscher von seinem kleinen perversen Reich ist.

Das mag jetzt strange klingen, das gibt es aber leider alles im realen Leben. Und irgendwie finden wir vieles daran auch ein bisschen lustig. So ist das natürlich auch mit dem Psychozeug, mit der Therapie und so weiter mit einem gewissen Augenzwinkern und einer guten Portion Ironie gemeint. Wir halten uns absolut nicht für eine extrem weirde oder freakige Band. Ich denke eher, wir sind eigentlich alle normale und umgängliche Typen und sicher keine Geräteschuppen-Frickler. Daher sind wir auch nicht der Meinung, dass wir jetzt eine sehr nischige Zielgruppe hätten, sondern, dass sich gerne alle auf uns und die „Therapie“ einlassen können.

Ich finde es mutig und respektabel, sich stilistisch und auch textlich zwischen fast alle bislang aufgestellten Stühle zu setzen, respektive gegen den Strom der meist althergebrachten Hörgewohnheiten und Erwartungen zu schwimmen. Wie progressiv sind Ego Super und bietet ihr erhöhtes Polarisierungs-oder gar Irritationspotenzial?

Über-Ich: Danke. Man muss da vielleicht ein bisschen zwischen Musik und Texten unterscheiden. Wir haben uns musikalisch jetzt nicht bewusst vorgenommen, irgendwelche Genregrenzen zu verwischen oder gezielt Hörgewohnheiten zu verändern - im Gegenteil haben wir eher versucht, zugänglich zu bleiben. Dass auf dem Album dann am Ende so viele unterschiedliche Styles zusammenkommen hängt damit zusammen, dass wir alle einfach viel Verschiedenes hören und gerne einfließen lassen wollen, was wir aktuell an Sound gerade frisch finden. Dennoch gibt’s für mich einen klar erkennbaren roten Faden: Alles, was wir machen, muss hart grooven!

Was textliches Irritationspotential angeht, ist sicher ein bisschen mehr Intention dahinter. Dass wir zum Beispiel mit „Geilah Stylah“ den Hipstern auf die Füße treten, ist ja klar und mit Absicht. Aber wir sind auch immer mal wieder überrascht, welche unterschiedlichen Bedeutungsebenen die Leute aus unseren Songs raushören – wie bei jeder guten Therapie lassen wir erstmal alle Impulse aus dem tiefsten Inneren einfach raus und suchen dann den Sinn in dem, was da zutage kommt (lacht).

Was oder welche Bands und Einzelkünstler inspirieren euch? Orientiert ihr euch offen oder unterbewusst an populären Acts? Im Zusammenhang mit Ego Super kursieren zur Orientierung so unterschiedliche Namen wie Antilopen Gang, Rage Against The Machine, Marteria, Maeckes oder auch Bilderbuch…

Ich: Ja, also die von Dir genannten Künstler finden wir auf jeden Fall auch alle sehr gut und das sind auf jeden Fall auch Einflüsse. Natürlich gibt es noch viel mehr. Grundsätzlich kann man glaube ich sagen, dass wir, was die Rockseite betrifft eher von den kantigen und dreckigen Riffs der späten 90er oder frühen 2000ern wie bei Rage against the Machine oder Queens of the Stone Age inspiriert sind und weniger von dem seichteren Indie, der später kam. Rap-technisch sind wir eher an zeitgenössischem Deutschrap orientiert, der einen freieren Flow hat als der oldshooligere Hiphop, was aber nicht heißen soll, dass wir den nicht auch mögen.

Wie waren bisher die Resonanzen des Publikums auf eure Konzerte?

ES: Super! Die Leute hatten Bock, und wir haben mehrfach gehört, dass genau diese stilistische Vielfalt, über die wir eben gesprochen haben, ein Riesenpluspunkt sei. Man kann tanzen, kopfnicken, pogen und wird noch dazu immer mal wieder überrascht. Ich denke, was auch gut funktioniert, ist, dass wir tatsächlich das Therapiespiel spielen und versuchen, das Publikum zum Mitmachen und Tanzen zu animieren. Da waren die bisher auch immer alle gut dabei! Daher an dieser Stelle der Shoutout: „Kommt zu unseren Konzerten! Wir freuen uns! Und es lohnt sich! Ihr bekommt auch eine Egopolitur for free!“.

Für die Produktion eures Debütalbums „Ego Politur“ und einige Promotionsmaßnahmen konntet ihr auf eine Förderung der Initiative Musik zurückgreifen und mit einigen renommierten Leuten arbeiten. Wie kam es dazu und was ist genau gelaufen?

Ich: Ja, das war richtig geil und wir sind der Initiative Musik sehr dankbar, für diese geniale Gelegenheit, Geld für diese tollen Sachen auszugeben und mit richtig guten Leuten zusammenarbeiten zu können. Zugegeben, wir hatten mit einer Förderung niemals gerechnet. Daniel und ich haben gedacht, wir probieren das einfach mal, verlieren kann man ja nix, und wir konnten es kaum glauben, als die Nachricht von der Ini kam, dass wir unter den Geförderten sind. Letztlich ist halt auch immer ein bisschen Glück dabei und es spielt eine Rolle an wen man kommt. Manche finden unser Zeug gut oder sehen ein Potential, andere weniger. So ist es halt. Aber das heißt für uns auf jeden Fall: einfach immer weitermachen.

Was erhofft ihr euch mit eurem Debütalbum und was steht für noch für 2018 an?

Über-Ich: Ja, wir denken, wir haben jetzt ein gut produziertes und auch visuell ansprechendes Produkt und unsere Aufgabe ist es, es sichtbar zu machen. Daher hoffen wir, dass die Medien es aufgreifen, dass Social Media gut läuft und, dass neben den Gigs, die anstehen, auch die Booking-Maschinerie Fahrt aufnimmt und wir viel live spielen und dabei natürlich auch unser Album bekannt machen können.

Danke für das Interview!

Wir danken Dir!

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externer Link www.egosuper.de
externer Link www.facebook.com/egoistsuper
externer Link www.quadratisch-rekords.de

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