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Aus eigener Sicht ist Martin Huch halb Musiker, halb Fotograf. In beiden Berufsfeldern hat er jede Menge erlebt, in der ganz großen und weniger großen Szene.

Ohren und Augen öffnen

Wir trafen Fotograf und Musiker Martin Huch

27.01.2018, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Halb Musiker, halb Fotograf – so beschreibt sich der Hannoveraner Martin Huch selbst. Als Musiker arbeitete er im vergangenen Jahr intensiv mit Fury In The Slaughterhouse zusammen. Als Fotograf ist er unter anderem für den Gitarrenhersteller Duesenberg tätig und begleitet die kleinen und großen Shows der Künstler. In seinem heimischen Studio stehen sowohl Musikinstrumente als auch Studioleuchten. Wir trafen uns mit Martin Huch, sprachen mit ihm über beide Leidenschaften und Erfahrungen. Außerdem gibt er Tipps für erste Schritte in der Konzertfotografie, erklärt, was seine Ohren und Augen mit all dem zu tun haben und berichtet, wie ihm Foo Figthers-Frontmann Dave Grohl bei einem Konzert half.

Rockszene.de: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Martin Huch:Ich bin seit sehr langer Zeit Musiker und habe eher nebenbei fotografiert. Da war ich ein ganz schlechter Hobbyknipser (lacht). Erst vor kurzem habe ich auf dem Dachboden alte Fotoaufnahmen gefunden und dachte: „Oh Mann, welcher Honk hat das denn gemacht?“ (lacht). So um die Jahrtausendwende wurde es dann für mich in der Musikszene enger und schwieriger. In dieser Zeit kaufte ich mir meine erste Digitalkamera und hatte zudem viel Zeit und Lust, die Fotografie ernsthafter anzugehen. Die ist dann aus ihrem Schattendasein hervorgetreten und förmlich explodiert (lacht). Ich habe täglich Stunden mit der Bildbearbeitung verbracht. So war das Fotografieren plötzlich mit dem Musikerdasein ebenbürtig.

Ich habe in meinem Haus sowohl ein Foto- als auch ein Tonstudio in einem Raum und liebe das total. Wenn ich mit der Musik mal nicht weiterkomme, dann muss ich mich nicht darin verbeißen, sondern lasse das erst mal liegen. Dann kann ich von meinen Ohren zu meinen Augen wechseln und das ergänzt sich super. Beide Sinne werden im Wechsel angesprochen.

Was sind die Unterschiede zwischen „normaler“ Fotografie und Musikfotografie?

Bei Konzerten geht es vor allem um Geschwindigkeit. Außerdem sind die Lichtverhältnisse stark wechselnd und meist schlecht. Für mich ist es dabei von Vorteil, dass ich durch meine Tätigkeit als Musiker ganz gut vorrausahnen kann, wann mich ein interessanter Gesichtsausdruck oder eine coole Pose erwartet. Ich denke beim Live-Fotografieren auch musikalisch mit.

Was macht für dich gutes Equipment aus und wie viel muss es kosten?

Ich finde teures Equipment total überbewertet. Genauso wie bei Musikinstrumenten. Einige sagen, dass sie mit nichts unter 3000 Euro spielen oder fotografieren können, aber das ist alles Quatsch. Natürlich sind lichtstarke Objektive sehr hilfreich und eine bessere Kamera ist unter anderem rauschärmer, aber ich würde nicht generell sagen, dass man hochwertiges Equipment für mehrere tausend Euro braucht, denn letztendlich macht ein gutes Foto der Bildinhalt aus und nicht, ob es ein bisschen rauscht oder nicht 100% knackscharf ist. Das sind dann höchstens die „Sahnehäubchen“.

An welche Ereignisse erinnerst du dich besonders gerne und an welche weniger gerne?

Ich arbeite, wie schon erwähnt, eng mit Duesenberg Guitars zusammen, mache dabei sowohl Produktfotos, als auch Bilder von Künstlern. Ein Highlight war sicherlich das Konzert der Foo Fighters. Dabei habe ich Dave Grohl in der Garderobe getroffen und als er die Kamera sah fragte er: „Ok, was soll ich machen?“. Er war da völlig schmerzfrei und als ich ihm sagte, dass ich die Show gerne fotografieren würde, aber keinen Fotopass bekommen habe, da nahm er seinen Tourpass und gab ihn mir mit dem Hinweis: „Damit kannst du überall fotografieren!“. Er ist einfach ein unfassbarer Typ und das Konzert war definitiv ein Highlight - sowohl musikalisch, als auch im Bezug auf angebotene Fotomotive. Negativ waren dann eher Erlebnisse, bei denen man mit dem Umfeld von Künstlern zu tun hatte.

Bei den Rolling Stones beispielsweise war das Umfeld extrem unentspannt. Das hat keinen Spaß gemacht, da man ja nur in bester Absicht – und angekündigt - dort war. Die Künstler selber sind fast immer unkompliziert. Manchmal hat man auch kleine Probleme mit Fans. Im Capitol fotografiert man beispielsweise von einer kleinen Erhöhung aus direkt zwischen Publikum und Bühne. Da steht man logischerweise schon mal im Sichtfeld und dann kann ich nachvollziehen, dass man sich als Besucher ärgert. Aber letztendlich machen wir nur unseren Job und es kommt auch immer auf den Ton an.

Fotografierst du lieber auf großen Festivals oder kleinen Clubshows?

Das ist mir grundsätzlich egal. Sehr kleine Shows oder sogar Wohnzimmerkonzerte können eine tolle und intime Atmosphäre haben.

Welche Probleme hat man als Fotograf heutzutage?

Generell gesagt bin ich ja ein Sonderling, da ich sowohl Musiker als auch Fotograf bin (lacht). Aber wenn man für bestimmte Veranstaltungen Akkreditierungen möchte, dann kann es absurd werden. Da muss man zunehmend Verträge unterschreiben, in denen man seine Fotos verschenken und all seine Rechte an den Bildern abgeben soll. Das geht gar nicht! Was ich dann aber in diesem Zusammenhang auch nicht verstehe ist das Handythema. Bei Konzerten sieht man so viele Handys und das hat zur Folge, dass Millionen schlechter Fotos im Internet landen. Aber da gibt es aktuell auch richtige Entwicklungen, zum Beispiel werden bei den Shows von Jack White alle Handys in kleine, verschließbare Beutel gepackt, die erst nach dem Konzert am Ausgang wieder geöffnet werden. Eine, wie ich finde, gute Lösung.

Welche Tipps kann du jungen Fotografen geben, die sich für die Konzertfotografie interessieren?

Ich würde empfehlen, sich mit jungen Amateurbands zusammenzutun und erst mal anzubieten, kostenlos Bilder zu machen. Denn man muss lernen, lernen, lernen. Es wird nicht passieren, dass man sich im Fachhandel eine Kamera kauft und sofort im Graben der TUI Arena landet.

Was sind deine Ziele und Pläne?

Ich bin im Jahr 2017 eher wieder zur Musik zurückgekehrt und habe vor allem mit Fury In The Slaughterhouse gespielt. Das war ein sensationelles Jahr, bei dem ich viel miterleben und mitgestalten durfte. Das wird sich im Sommer fortsetzen, aber in diesem Jahr wird auch die Fotografie zurückkommen und ich habe schon einige Shootings in Planung. Vieles entwickelt sich aber auch spontan.

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