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"Als Musiker bleibst du jung": Wir trafen Anca Graterol zum Interview

Früher Götter, heute Göttchen

Ein Interview mit Anca Graterol

12.06.2017, Von: Sabrina Kleinertz, Foto(s): Sabrina Kleinertz

Ihr Name und ihre Stimme lassen nicht nur in Hannover viele Musikerherzen höher schlagen, auch über die Stadtgrenzen hinaus weckt Anca Graterol als Musikerin, Coach oder Lehrerin das Interesse in der Musikszene. Seit mehreren Jahrzenten ist die gebürtige Rumänin ein fester Bestandteil der hannoverschen Szene und das war für uns ein Grund, sich mit ihr zu einem Interview in ihrem Frida Park Studio zu treffen.

Rockszene:Wie würdest du die Musikszene beschreiben – vor 30 Jahren und heute ?

Anca Graterol: Oh Gott, eine gute Frage. Ich kann nur aus Musikersicht berichten, aber früher hat man mehr dafür gebrannt. Die Bands und Musiker haben alles dafür getan, um nach vorne zu kommen und es gab diesen ganz besonderen Spirit. Heute gibt es weniger Durchhaltevermögen, was wohl auch durch die Medien bedingt ist. Die Leute sind einfach vollgepumpt.

Über welche Entwicklungen freust du dich und welche stimmen dich nachdenklich ?

Ich sage meinen Schülern immer, dass sie durchhalten und nicht nach dem ersten Misserfolg aufgeben sollen. Als ich in Rumänien meine Band gegründet habe, wollte ich Erfolg. Also habe ich mir das vorgenommen und es geschafft, obwohl mich alle gefragt haben, was das soll. Wenn man will, dass kann man es schaffen. Es freut mich unglaublich, dass es heute so viele gute Musiker gibt und eine Vielzahl an Workshops angeboten wird. Ich wünschte, das wäre damals auch so gewesen. Es gefällt mir, dass viele Instrumente ausprobiert werden, sich bereits viele junge Menschen gut auskennen und sie so virtuos geworden sind. Allerdings hat man heutzutage manchmal schon Bedenken ein Konzert zu organisieren, da das Interesse der Besucher scheinbar sinkt. Die Sucht danach, eine Band live zu sehen schwindet. Früher waren Musiker Götter, heute sind sie Göttchen (lacht).

Wie empfindest du die hannoversche Musikszene?

Als ich nach Deutschland gekommen bin war ich zuerst in Osnabrück. Ein für mich langweiliges Kaff. Dann kam ich durch Zufall nach Hannover und empfand es als absolute Rockstadt. Ich als Rockerin fühlte mich sofort zu Hause. Allerdings finde ich es traurig, dass es nicht mehr so viele Locations gibt, wo sich Musiker treffen können. Aber die kommen ja auch nicht mehr raus, sondern sitzen vor dem Computer (lacht). Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, so einen Platz für Musiker zu schaffen, da es mehr davon geben sollte. Wenn ich mir etwas wünsche dürfte, dann dass die Entwicklungen mehr in diese Richtung gehen. Ich liebe einfach ehrliche und handgemachte Rochmusik. Und mehr Konzerte sollte es natürlich auch geben (lacht).

Was schätzt du an deiner täglichen Arbeit und was erlebst du dabei?

Ich bin in vielen Bereichen des Musikbusiness tätig, aber wenn ich meine Arbeit im Studio betrachte, dann gefällt mir besonders, dass sich die Musiker hier zu 100% hören. Im Proberaum ist es beim Zusammenspiel oft laut und man bekommt nicht alles voneinander mit. Hier hingegen hörst du die Fliege husten (lacht). Ich denke, dass man im Studio viel voneinander lernen und sich verbessern kann. Außerdem ist es einfach, Ideen auszutauschen. Musik machen ist einfach das Beste und ich habe das Gefühl, dass man als Musikerin im Kopf jung bleibt. Du bist dein eigener Herr und machst dein Hobby zum Beruf. Da vergeht die Zeit, wie du es willst. Auch wenn viele denken, du bist verrückt, für mich ist es das Normalste auf der Welt.

An welchen Projekten arbeitest du gerade?

Momentan arbeite ich besonders intensiv mit zwei Bands. So beispielsweise mit meiner Frauen-Band Rosy Vista aus den 1980er Jahren. Wir sind sozusagen neugeboren und fast in der Originalbesetzung. Die Arbeit macht unglaublich Spaß und fühlt sich noch genau an wie damals. Ich sage immer, dass wenn ich nochmal geboren würde, genau das Gleiche machen wollen würde. Schwierig ist alles im Leben, aber schön muss es sein und man muss ein Ziel haben.

Welche Träume und Ziele hast du dir bereits erfüllt und was steht noch an?

Ich kann von der Musik leben und habe mir damit einen Traum erfüllt. Ein weiterer Wunsch war es, auf der Bühne zu stehen und da bin ich heute immer noch, also habe ich das auch realisiert (lacht). Mit meiner Band Ignore The Sign möchte ich große Festivals spielen und mit meinen Mädels unbedingt auf ein Metal-Schiff und nach Wacken. Ein weiteres Ziel ist eine längere Tour. Zwar heißt es ja, dass man, je älter man wird lieber zu Hause auf dem Sofa liegen möchte, aber ich will auf Tour (lacht).

INFO-BOX

Links
externer Link www.frida-park.de
externer Link www.facebook.com/ignorethesign
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