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Im Rockszene.de-Interview: Holger Maack, Gründer der Deutschen Rockmusik Stiftung.

Musik machen möglich machen

Ein Interview mit Holger Maack

27.03.2017, Von: Sabrina Kleinertz , Foto(s): Steven Wenske, d-zentral

Kunst braucht immer Raum und Geld. Das erschwert auch in der hannoverschen Musikszene vielen jungen und regionalen Bands das Musik machen, da oftmals Proberäume und finanzielle Unterstützung fehlen, um die nächsten Schritte auf der Karriereleiter zu erklimmen. Um diesem Problem ganz konkret Abhilfe zu schaffen, gründete Holger Maack vor mehr als 20 Jahren die Deutsche Rockmusik Stiftung, die im MusikZentrum in Hannover ihren Sitz hat. Wir sprachen mit Holger Maack über Probleme, Bunker und das entscheidende Mark-Stück.

Rockszene: Wie ist die Deutsche Rockmusik Stiftung entstanden?

Holger Maack: Ich habe 1988 angefangen, in diesem Bereich zu arbeiten. Das MusikZentrum habe ich dann 1993 gegründet und mir fiel auf, dass es keine Stiftung zur Förderung von Rock- und Popmusik gibt. In Hannover und Niedersachsen insgesamt sind Förderer dünn gesät. In den 1990er-Jahren gab es dann einen wahren Stiftungsboom und ich überlegte mir, dass von den Milliarden, die im Musikbusiness fließen, ein Rinnsal in die soziale Ecke geleitet werden müsste. Somit habe ich dann am 17.7.1996 die Stiftung wie Onkel Dagobert mit einer D-Mark gegründet. (lacht).

Wie sind Sie anfangs vorgegangen und was waren Probleme?

Nachdem ich das Finanzamt davon überzeugen konnte, dass ich den Stiftungszweck erfüllen kann, habe ich erst angefangen, mich auf Plattenfirmen zu konzentrieren. Diese Ursprungsidee war aber falsch, da die meisten großen Plattenfirmen ihre Wurzeln in Amerika haben und die sowieso mit Kassetten zugeschüttet wurden. Dort gab es also keinen Grund, die Stiftung zu fördern. Dann kam mir der Gedanke, dass die Stiftung Geld anlegen muss. Somit habe ich angefangen, Kapital in Gebäude anzulegen, um so die Schaffung und Vermietung von Proberäumen möglich zu machen. Im Rückblick würde ich sagen, dass das ein Erfolgsmodell war, das diverse positive Effekte mit sich brachte. Zum einem konnte ich die Kultur fördern, zum anderen verbesserte sich die Proberaumsituation.

An wen richtet sich die Stiftung?

Es ist eine gemeinnützige Stiftung, die gegründet wurde, um zu fördern. Zwar verbietet es sich für uns Privatpersonen zu fördern, aber wir unterstützen Projekte von anderen gemeinnützigen Organisationen. Das in Verbindung mit dem zur Verfügung stehenden Geld schränkt unsere Fördermöglichkeiten manchmal etwas ein. Unser Hauptaugenmerk liegt tendenziell besonders auf der Schaffung von Übungsräumen, denn die braucht es zuerst, wenn man Musik machen will. Unsere Zielgruppen sind die gemeinnützigen Organisationen. In der Zusammenarbeit geht es uns darum, Musik machen möglich zu machen. Allerdings fördern wir keine Einzelpersonen, sondern Projekte.

Fördert die Deutsche Rockmusikstiftung nur Rockmusik?

Der Name ist ein Grundproblem (lacht). Bei der Gründung in den 1990er-Jahren fand ich das noch cool, aber heute ist es schon hinderlich. Unsere Satzung ist weit gefasst und somit über alle Genres hinweg tätig. Grundsätzlich kümmern wir uns um alle, die keinen Raum zum Üben haben und ihre Nachbarn nerven, indem wir Gebäude dafür herrichten (lacht). Das können dann sowohl Bunker, als auch Kasernen oder leer stehende Gebäude sein.

Wie nehmen Sie die hannoversche Musikszene wahr?

Als ich 1988 als studierter Musiklehrer aus Berlin nach Hannover kam, überlegte ich, was ich machen könnte. Damals hörte ich von Rockbeauftragten und eine geklaute Idee ist besser, als eine selbstgemachte (lacht).So bewarb ich mich als Rockbeauftragter für Hannover und der Verein Bandclub wurde mein Arbeitgeber. Als ich dann mit dieser Berufsbezeichnung angefangen habe zu arbeiten, wusste ich erst nichts Genaues über die Szene, sondern nur, dass es sie gibt. Alle kannten sich untereinander und klüngelten so rum, aber das Problem bestand darin, dass ich als Rockbeauftragter aus Berlin daherkam und erst in die hannoversche Szene finden musste. Heute würde ich die Szene als sehr aktiv bezeichnen, in der es viele Auftrittsmöglichkeiten gibt und wir mit Institutionen wie der HMTMH (Hochschule für Musik , Theater und Medien Hannover d.Red.) oder der Oper gut aufgestellt sind.

Welche Eigenschaften brauchen Sie bei Ihrer täglichen Arbeit besonders?

Man muss vor allem immer positiv sein und für seine Sache brennen. Wenn man selbst von einer Idee nicht überzeugt ist, dann kann man auch andere nicht dafür begeistern. Außerdem ist man viel zwischen den Beteiligten unterwegs und vermittelt unter anderem zwischen Nachbarn, Eigentümern und Bands. Ich denke auch, dass man längerfristig und kreativ denken sollte. Wenn ich nachts im Bett liege und nicht schlafen kann, kommen mir viele Ideen. Eine weitere Tugend ist sicherlich die Beharrlichkeit. Wenn ich für die Stiftung arbeite ist ein Nein kein Nein, sondern fordert mich auf, mir einen Umweg zu überlegen (lacht). Letztendlich findet eine gute Idee aber immer Geld.

INFO-BOX

Links
externer Link www.rockmusikstiftung.de

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