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Gut gestimmt im Interview: Christian Kanthak, Janni Stefos und Christoph Schöneberg (v.l.n.r.) von der Band Landy Crank.

Umgeben von Tausendsassas

Ein Gespräch mit der Band Lady Crank

11.05.2016, Von: Andreas Haug, Foto: Lisa Ruppert

Im Spätsommer 2015, gleich im Anschluss an ihren viel beachteten Auftritt auf dem heimischen Fährmannsfest, hat die hannoversche Alternative-/Grunge-Rockband Lady Crank mit den Arbeiten für ihre neue EP begonnen. Die sechs Songs auf „Explain This To God“ wird die Band mit großer Sicherheit auch auf ihrem CD-Release-Konzert am 13.Mai 2016 im Mephisto des Kulturzentrums Faust live vorstellen. Im Rockszene.de-Interview sprechen die drei Musiker über den Entstehungsprozess der EP und was aktuell bei und rund um Lady Crank passiert.

Die erste Single „No Reason To Complain“ nebst Musikvideo hatten Lady Crank vor einigen Tagen veröffentlicht. Song und Clip gehören zu den aktuellen Gesprächsthemen in der hannoverschen Szene. Am Freitag, den 6.Mai, brennt in Hannover die Sonne aus strahlend blauem Himmel, es ist ein angenehm warmer Frühlingstag. Für viele ein so genannter Brückentag zwischen Christi Himmelfahrt aka „Vatertag“ und dem bevorstehenden Wochenende.

Wer Sonnenbrille trägt, tut das mit voller Berechtigung. Vor dem MusikZentrum in Hannover parkt der Nightliner der Rockband D-A-D, die am Abend vor fast ausverkauftem Haus ihre Hits und Klassiker spielen wird. Noch aber sonnen und entspannen sich vereinzelt Künstler und Crewmitglieder vor dem Backstage-Bereich.

Augenscheinlich mindestens ebenso entspannt wie die populären Dänen und bester Laune erscheinen die Lady- Crank-Musiker Janni Stefos (Gesang, Gitarre), Christoph Schöneberg (Schlagzeug) und Christian Kanthak (Bass) in diesem Szenario. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Interview führen wir dann in einem luftigen und schattigen Büro im ersten Stock. Zur Erfrischung gibt es Mineralwasser, medium, maßvoll mit Kohlensäure versetzt.

Rockszene.de: Ihr habt eine neue EP im Kasten, ein neues Video ist draußen, euer CD-Release-Konzert am 13.Mai in der Faust in Hannover steht kurz bevor. Wie fühlt ihr euch, wie ist die Stimmung?

Christoph: Die Stimmung ist super, wir freuen uns, endlich unsere EP vorstellen zu können. Wir haben intensiv und lange darauf hingearbeitet.

Warum eine EP? Wäre es nicht auch Zeit für ein Album gewesen?

Christoph: Eine EP ist erstmal besser für uns. Lieber in kleineren Schritten vorgehen. Keiner will ein Album, das überfordert die Leute, glaube ich. Es sei denn, du bist richtig geil. Das sind wir zwar, aber das weiß keiner (lacht).

Janni: Außer in Bielefeld.

Bielefeld? Warum Bielefeld?

Christoph: Da haben wir an Ostern einen fast schon legendären Gig gespielt. Die Leute sind da richtig abgegangen. Wir haben in Bielefeld, passend zu den Feiertagen, ein „Easter Egg Of Death“ initiiert, angelehnt an die bekannte „Wall Of Death“…

Janni: Eine „Wall Of Death“ haben die aber auch noch vom Zaun gebrochen.

Was war da nun genau?

Christoph: Die Leute haben Kreise gebildet, liefen wild durch den Saal, sind in Effektboards gefallen, haben die Bühne geentert, mit ins Mikrofon gegrölt und noch zusätzlich auf das Schlagzeug eingedroschen. Sogar einige Mädels waren total in Ekstase (zeigt Fotos vom Konzert auf seinem Smartphone).

Es ist aber alles heil geblieben oder gab es Schäden?

Christoph: Nein, alles gut.

Ihr seid aus Hannover, beschreibt die wilde Party bei einer eurer Shows in Bielefeld. Ihr spielt auch des Öfteren außerhalb eurer Heimatstadt. Wie ist denn generell die Resonanz des Publikums in anderen Städten?

Janni: Super gut. Zunächst geht man bei auswärtigen Gigs mit einer gewissen Skepsis ran. Man liest bei anderen in Reviews immer von angeblichen Vibes in anderen Städten und in bestimmten Clubs, dass da war los ist und das Publikum gut drauf. Dann steht man da selbst auf der Bühne, fühlt die Atmosphäre und fährt dann selbst auf der Bühne richtig hoch. Das ist dann pure Energie und fühlt sich fantastisch an.

Christoph: Das ist legales Koks (lacht)

Janni: Wir merken das bei den jüngsten Gigs auch am Merchandise Stand. Die Leute wollen mit einem quatschen, kaufen was, man bekommt ehrliche und direkte Feedbacks. Da passiert gerade was und das war vorher nicht immer so, aber es läuft mittlerweile immer besser.

Christoph: Die letzten vier Gigs waren geil. Nach einem „Downer“ in Harburg, haben wir die Songs und das Programm umgestellt, von da an lief es dann.

Wie ist die EP entstanden? Ihr sagtet zu Beginn, das sei ein langer Weg gewesen.

Christoph: Nach unserem Gig im August letzten Jahres auf dem Fährmannsfest haben wir begonnen. Zunächst das Schlagzeug eingespielt und dann in mehren Wochenendsessions weitere Instrumente und Gesänge aufgenommen.

In welchem Studio wart ihr?

Christoph: Wir haben zum Teil bei uns im Proberaum aufgenommen, zum Teil im Studio von Markus Frank, dem Bassisten der Band Finder in Soltau. Auch Jochen Gros, der Sänger von Finder hat mit uns noch an einigen Gesangsparts gefeilt. Da gab es noch richtig Finetuning. Er hat uns beispielsweise andere Textbetonungen vorgeschlagen und so verfeinerten sich schließlich auch die Melodien.

Kann man also sagen, dass Markus und Jochen für euch eine Art Producer-respektive Co-Producer-Team waren?

Christoph: Auf jeden Fall, sie haben einen wichtigen Anteil an den Songs, so, wie sie jetzt auf der EP sind.

Janni: Markus hat mehr an den Sounds gearbeitet und dabei noch einiges aus den Gitarren herausgeholt, Jochen hat sich mehr um den Gesang und die Melodien gekümmert. Das hat uns und der Musik viel gebracht und schließlich nehmen wir den Rat von Außenstehenden auch gern an. Wir lassen uns da schon was sagen, gerade, wenn jemand wie Jochen professionell studierter Musiker ist und eine Spezialkompetenz in Sachen Stimme und Gesang hat.

Markus und Jochen kennen in der Hannover-Szene ja auch noch einige von der inzwischen aufgelösten, aber doch einige Jahre hier recht präsenten Band Blakvise. Haben die jetzt mit Finder in Soltau ein Studio und habt ihr dort euer Equipment hingeschafft.

Christian: Nein, so kann man das nicht vorstellen. Wir haben für die Aufnahmen, die Produktion, einiges an Equipment intern und extern zusammengestellt. Alles haben die in Soltau da auch nicht. Da ist jetzt kein riesiges, fettes Studio mit allem Drum und Dran. Ich hatte das Glück, mir auch einiges von der Faust (Kulturzentrum Faust in Hannover – d.Red.) ausleihen zu können. Die Faust hat unter anderem das Pult und die Mikrofonierung für die Aufnahmen gesponsert. Das fanden wir sehr nett.

Wie habt ihr dann an den Songs gearbeitet, ihr sagtet eben, dass ihr offen für Ratschläge von außen seid und euch auch was sagen lasst. Das ist nicht für jede Band selbstverständlich.

Christian: Wir sagen uns auch untereinander sehr viel, schon beim Songwriting. Da hat jeder in fast jedem Bereich Ideen und bringt sie auch ein. Wir arbeiten viel und gern im Team.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Christian: Es kann schon mal sein, dass ich als Bassist auch mal Parts für das Schlagzeug schreibe, die Christoph dann übernimmt.

Christoph: Ja, und was Christian da macht ist richtig, richtig klasse. Das übernehme ich dann, spiele das und zusammen mit seinem Bass groovt das dann ungeheuer gut. Es kann auch mal vorkommen, dass ich Ideen für Gitarrenriffs habe und sie dann Janni vorstelle, bzw. wir auf Grundlage dieser Riffs an einem Song basteln.

Christian: In letzter Zeit haben wir neue Songs auch mehr aus dem Gefühl, aus dem Bauch heraus geschrieben, das ist besser.

Christoph: Gewissermaßen sind wir mit der neuen Platte vielmehr an unseren Bandnamen herangegangen. Da klingt einiges so richtig „crank“ (schmunzelt)

Wie viele Songs haben es auf die neue EP geschafft und sind das dann neue Songs oder habt ihr an älteren Titeln nochmal neu geschraubt?

Janni: Es sind sechs Songs drauf. Darunter mit „I Follow You“ und „Not In My Name“ zwei absolut neue. „No Reason To Complain“, zu dem wir vor ein paar Tagen ein Video veröffentlicht haben, hatten wir schon vorher ein paar Mal live gespielt.

Worum geht es inhaltlich, gibt es einen roten Faden?

Janni: Das ist vielschichtig. Es geht in zwei Songs um persönliche, biografische Sachen, die bis auf Erlebnisse aus meiner Kindheit zurückgehen. Einige Texte beschäftigen sich mit der Macht der Medien und deren Einfluss in der heutigen, so genannten modernen Gesellschaft. Wir gehen in manchen Songs auch wirklich kritisch zur Sache, da geht es um Themen wie Ausgrenzung, Rassismus, Sexismus und Intoleranz. Mir ist dabei wichtig herauszustellen, dass der Zugang für den Hörer zu den Texten vereinzelt schwer sein kann, da manche Zusammenhänge eher bildmalerisch dargestellt sind. Da muss man sich etwas mehr drauf einlassen können, wenn man mag.

Auf eine Veröffentlichung folgt bei vielen Bands in der Regel eine Tour. Wie sieht das bei euch aus, läuft da was?

Janni: Leider nicht, Berufliches und Studium lassen momentan zeitlich keine richtige Tour zu, aber wir spielen vereinzelt Konzerte und da ist auch schon einiges in Planung. Da kommen Veranstalter etwa aus Berlin, Göttingen und Osnabrück auf uns zu und fragen an.

Wie das? Woher kennen die euch?

Christoph: Ja, das mag schon etwas ungewöhnlich wirken. Die Regel ist ja oft, dass man Veranstaltern hinterherrennt. Wir werden häufiger angefragt, ob wir spielen wollen. Die Veranstalter haben dann zum Beispiel auf Facebook oder irgendwo anders eine Single gehört oder ein Video gesehen und interessieren sich für uns.

Janni: Das fühlt sich gut an.

Am 13.Mai spielt ihr euer CD-Release-Konzert in eurer Heimatstadt Hannover mit zwei weiteren Szene-Bands im Mephisto. Was ist dort zu erwarten?

Christoph: Das wird sicher ein geiles Konzert. Vor allem, weil wir mit Candy Trip Down und From Willows zwei ganz starke support-Bands dabei haben, die wir echt mögen und auch gut kennen. Beide sind absolut fantastisch. Wir haben sie auch bewusst eingeladen, weil wir sie gut finden und uns sicher sind, dass das in dieser Bandkonstellation ein perfekter Abend werden kann. Da steckt kein Kalkül dahinter. Wir haben uns vorher nicht überlegt, welche Band wohl wie viel Publikum ziehen könnte und unter diesem Aspekt die Bands ausgesucht. Das haben wir nach Gefühl und Überzeugung gemacht.

Welche mittel-und langfristigen Ziele habt ihr im Anschluss?

Janni: Es sollen natürlich mehr Gigs werden, wir wollen weiter unser Publikum finden, am liebsten mit Bands spielen, die aus dem gleichen Metier kommen wie wir, damit wir auch gezielt unser Publikum weiter aufbauen können. Natürlich ist das -wie so oft- ein langer und harter Weg.

Christoph: Ein Vorteil ist es dabei, dass wir das Glück haben, von einigen Tausendsassas umgeben zu sein, die uns in vielen Bereichen unterstützen, sei es bei Aufnahmen, Videodrehs oder auch in Sachen organisatorischer Hilfe. Da sind Leute wie Markus und Jochen, die uns bei der Produktion geholfen haben, Timo Sauer und David Lemanski, die unser aktuelles Video realisiert haben oder auch Hage von Spider Promotion, der uns bei der Organisation für das CD-Release-Konzert unter die Arme gegriffen hat.

Dann wünsche ich euch viel Spaß, Glück und Erfolg für die Hannover-Show und für alles Weitere, was ihr so vorhabt. Danke für das Gespräch.

Christoph: Wir danken ebenfalls.

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