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Bringt ein letztes Mal "Misplaced Childhood" auf die Bühne: Fish.

Den Lebenslauf vervollständigen

Fish vor seiner Hannover-Show im Interview

11.04.2016, Von: Jan Hagerodt, Foto(s): Kai R.Joachim

Zum letzten Mal „Misplaced Childhood“ live und im Raum Hannover nicht in der Blues Garage in Isernhagen, sondern im Pavillon am Raschplatz, am 24.April. Der schottische Texter, Sänger, Autor und Schauspieler Fish erreichte von 1981 – 1988 als Sänger und Frontmann der Progressive-Rockband Marillion zahlreiche große Erfolge, darunter 1985 und 1986, als das Konzept-Album „Misplaced Childhood“ aktuell und Songs daraus Hits wurden. Während seiner Solo-Karriere veröffentlichte Fish seit 1990 zehn Solo-Alben. Jan Hagerodt sprach mit Fish über Vergangenes, Gegenwärtiges und berufliche wie private Pläne für die Zukunft.

Fish sieht sich selbst eher als Texter, denn als Sänger, teilt Geschichten, Gedanken und Anekdoten gern auf Facebook mit. Bekannt geworden ist der schottische Künstler als Sänger, Texter und charismatischer Frontmann der britischen Band Marillion mit der er bis zu seinem Ausstieg im Jahr 1988 vier Alben, darunter „Misplaced Childhood“, veröffentlichte und zahlreiche Tourneen spielte, die ihn mit der Band durch große Hallen oder –wie 1986 als special guest von Queen – durch Stadien führte. Direkt im Anschluss startete Fish seine Solo-Karriere, tourt immer noch regelmäßig und veröffentlichte seit 1990 bislang 10 Studiolalben.

In zwei Jahren möchte sich Fish als Musiker zur Ruhe setzen, unter anderem seine Biografie schreiben, sich weiterentwickeln und seinen Lebenslauf vervollständigen, wie er sagt.

Warum er mit 60 nicht mehr im Tourbus sitzen möchten, was er an Deutschland mag, was er über Streamingdienste denkt und wie er Social Media nutzt, warum er am 24.April im Raum Hannover nicht in der Blues Garage in Isernhagen, sondern im Pavillon in zentraler Lage spielt, was ihm ein über 30 Jahre altes Konzeptalbum heute noch bedeutet und welche privaten und beruflichen Pläne er in naher Zukunft hat, darüber spricht Fish mit uns im Interview.

Rockszene.de:
Hi Fish, wie geht´s Dir? Danke, dass Du Zeit für dieses Interview hast.

FISH:
Hey Jan, mir geht es gut, wie geht es Dir? Ich freu mich darüber. Immer gut mit Leuten aus Deutschland zu sprechen.

Du tourst vom 9. April bis zum 1. Mai mit deiner „Farewell to Childhood“ Show. Wie ist das Touren für dich heute. Ist es noch Spaß oder ist es mehr und mehr harte Arbeit?

Es ist beides. Es macht natürlich immer noch sehr viel Spaß, aber es kostet auch eine Menge Kraft. Wenn man älter wird und das schon ein paar Jahre gemacht hat, braucht man auf jeden Fall mehr Erholungsphasen. Man schläft auf Tour ja nie viel und auch selten gut. Man ist immer unterwegs, sitzt in irgendwelchen Bussen oder Hotelzimmern. Insofern bin ich froh, dass wir aktuell nur drei Wochen touren, auch wenn ich gerne noch mehr Städte gemacht hätte. Aber das war logistisch zu schwierig. Früher konnte man es kaum erwarten bis es losgeht heute denke ich schon manchmal „Oh mein Gott, bald kommt die Tour!“

Aber ich liebe es auf der Bühne zu stehen und den Kontakt zu den Fans zu haben. Das ist einer der Hauptantriebe, ganz klar. Mittlerweile bin ich allerdings ziemlich paranoid was Krankheiten angeht. Wenn Du im Bus mit so vielen Menschen sitzt und einer fängt sich ´nen Virus ein, dann geht das sofort rum. Da ist man dann froh wenn man zuhause vor der Tour krank wird, dann ist das Thema schon erledigt.

Gibt es Städte, Clubs oder Hallen auf die du dich besonders freust?

Es gibt keine Städte, auf die ich mich nicht freue! Karlsruhe ist natürlich etwas Besonderes für mich, weil es mein zweites Zuhause ist und ich dort mit meiner Frau fast die Hälfte des Jahres verbringe. Ich finde die Shows in Hamburg und Hannover aber z.B. auch immer sehr gut.

Warum trittst Du hier in Hannover dieses Mal im Pavillon und nicht -wie üblich- in der Blues Garage auf?

Ich liebe Henry und ich liebe die Blues Garage. Fantastisches Venue und super Leute. Wir sind dort aber immer ausverkauft und es war zeitlich nicht möglich, mehrere Shows hintereinander dort zu spielen. Deshalb mussten wir eine größere Location suchen. Ich freue mich sehr auf den Pavillon. Wenn ich richtig liege, war ich dort noch nie?

Das stimmt. Ich habe dich einmal im Capitol und zweimal in der Blues Garage gesehen. Wir haben Tequila an der Bar getrunken und Schmalzbrote gegessen nach der Show.

Das kann gut sein! (lacht)

Das ”Misplaced Childhood” Album ist über 30 Jahre alt. Wie fühlt es sich für dich heute an, diese Songs zu spielen? Hast du immer noch den Bezug zur Musik und den Texten?

Absolut! Das Album bedeutet mir immer noch sehr viel. Es war mehr als nur der kommerzielle Durchbruch für Marillion. Es ist mir vor allem textlich sehr wichtig. Die Texte sind fast schon biografisch und ich konnte mir damals viel von der Seele schreiben. Ich sehe mich schon immer eher als Texter denn als Sänger, deshalb haben die Lyrics schon immer die größte Bedeutung für mich. Aber auch musikalisch ist das ein starkes Album! Wir sind damals als Band richtig zusammengewachsen und das fühle ich auch noch heute in den Songs. Ich fühle mich wohl, das Album zu performen. Wenn der erste Akkord erklingt, ist man sofort drin und es geht viel zu schnell vorbei! Wir halten unsere Show immer auf einem hohen Level, ich möchte nicht langweilig werden. Das ist einer der Gründe, warum ich Marillion damals verlassen habe.

Du findest, dass ihr langweilig wurdet?

Wir entwickelten uns in unterschiedliche Richtungen. Es gab viel Druck dahinter und es ist selten gut für die Entwicklung von Musik wenn kommerzielle Gründe im Vordergrund stehen. Es fehlte der „Band-Spirit“, wir drifteten auseinander. Bei den ersten Songs zu „Clutching At Straws“ (Das letzte Marillion-Album aus 1987 mit Fish als Sänger – d.Red.) dachte ich mir: „Was zum Teufel soll ich dazu singen?“. Am Ende ist alles gutgegangen und auch ein starkes Album geworden.

Du bist bei Facebook sehr aktiv, nutzt dieses Medium aber weniger als Promo-Tool, sondern eher als Geschichtenerzähler.

In 2010 hatte ich eine schwere Krise. Meine zweite Stimmband-Op war gerade durch und meine zweite Ehe auch. Ich befand mich in einem beschissenen Zustand von Dunkelheit. Ich habe damals angefangen, viel zu schreiben, habe viel über meine Website geblogged. Ich habe sehr lange Texte verfasst und wurde am Ende immer sentimentaler und düsterer. Das wollte ich ändern. Deshalb habe ich angefangen, über Facebook zu kommunizieren, um auch direktes Feedback zu bekommen. Kürzere Texte schreiben, den Kontakt zu den vielen Menschen zu halten. Das gab und gibt mir eine Menge Kraft, mir gefällt das. Mittlerweile poste ich ständig was über meinen Garten, ich bin zwar kein professioneller Gärtner, aber ich liebe es, Dinge wachsen zu sehen und dazuzulernen (lacht).

Du hast angekündigt, im Alter von 60 Jahren mit der Musik aufzuhören. Das wäre in zwei Jahren. Was machst Du danach?

Wenn ich mich als Sänger zur Ruhe setze, möchte ich anfangen zu schreiben. Auch meine Biografie. Es gibt soviel zu erzählen! Es wird aber keine typische Rock´n´ Roll Biographie à la Lemmy. Es geht nicht ausschließlich darum, wer wie viele Substanzen zu sich genommen hat. Ich möchte auch als Schauspieler wieder aktiver werden. Ich hatte als Junge immer den Traum, Schauspieler oder Sänger einer Rockband zu werden. Das zweite habe ich geschafft. Ich möchte mich jetzt weiter entwickeln und meinen Lebenslauf vervollständigen. Ich habe keine Lust, mit 60 noch im Tourbus zu sitzen.

Ich hab gesehen, dass du auch bei Spotify vertreten bist. Was denkst du darüber?

Ich mag Spotify nicht. Als professioneller Musiker ist es zwar schön, wenn man viele “Plays” hat, aber wenn am Ende weniger Geld dabei rauskommt, dann läuft doch irgendwas falsch. Aber jeder hat sein eigenes Konsumverhalten. Ich weiß z.B. nicht, wann sich meine Tochter das letzte Mal eine Cd gekauft hat!? Ich liebe es, ein Independent- Musiker geworden zu sein, ohne die großen Zwänge, die diese ganze Maschinerie mit sich bringt. Aber natürlich muss die Entlohnung für die Arbeit, die man leistet, auch im Verhältnis passen. Das wird schwierig in der Zukunft.

Wie hörst du am liebsten Musik?

Ich liebe Vinyl. Allerdings stehen bei mir ganz oben auf dem Schrank und wenn man nachts um eins Bock hat, eine Platte zu hören und vielleicht schon einen Wein zuviel hatte, ist es keine gute Idee mehr, auf einen Hocker zu steigen und die herunter zu holen. Das kann schief gehen! (lacht) Wenn ich im Auto unterwegs bin, höre ich beispielsweise Radio 4. Fast nur Dokumentationen, Nachrichten, so etwas. Ich kann nicht die ganze Zeit Musik hören. Ich brauche auch mal Stille.

Du lebst die Hälfte des Jahres in Karlsruhe. Was magst du an Deutschland und was überhaupt nicht?

Deutschland ist ein tolles Land, ich mag alles! Hier ist es sauber, die Menschen kriegen Sachen auch mal zuende und sind höflich. Wenn Du bei uns in einen Pub gehst, findest du zwar immer jemanden zum Trinken, aber es wird auch häufig schnell aggressiv. Das ist hier nicht so. Ich liebe Deutschland sehr. Als meine Frau und ich uns entscheiden mussten, wo wir in Zukunft leben wollen, haben wir eine Pro- und Contra- Liste gemacht, um uns zwischen Deutschland und Schottland entscheiden zu können. Letztlich fiel dann die Wahl aber doch auf Schottland, weil wir hier günstiger und einfacher leben können. Sonst muss ich aus Geldnot mit 60 Jahren doch wieder im Tourbus sitzen (lacht). Außerdem haben wir einen großen Garten, das liebe ich, wie du weißt.

Wie gut ist denn dein Deutsch mittlerweile?

Oh, es geht. (beginnt in Deutsch zu reden) Ich spreche ein bisschen, aber ich denke immer noch auf Englisch. Mein Kopf ist zu kompliziert. Wenn man aber zwei, drei Wochen hier ist, geht das gut.

Du sprichst besser Deutsch als ich Englisch.

Danke Dir. Ich versuche mein Bestes.

Vielen Dank für das tolle Interview, es war spannend soviel von dir zu erfahren. Wir sehen uns in Hannover und werden vorher alle Viren entfernen. Bleib gesund!

(lacht) Ich danke Dir. Ja, das machen wir. Diesmal werden wir aber keinen Tequila an der Bar trinken können, ich trinke kaum noch hartes Zeug. Aber ein Wein geht sicher. Ich freue mich darauf. Pass auf dich auf!

Information: Am Sonntag, den 24.April 2016 tritt Fish mit seiner Band im Rahmen der "Farewell To Childhood"-Tour in Hannover im Pavillon auf. Tickets sind an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich

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externer Link www.fishheadsclub.com
externer Link www.facebook.com/derek.dick

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