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Vinyl-Schallplatten erfreuen sich steigender Beliebtheit. Auch 25music in Hannover hat sein Angebot erweitert.

Vinyl-Hype und das Überleben als Plattenladen

Splitti von 25music in Hannover im Rockszene-Interview

04.04.2016, Von: David Neumeier, Foto(s): David Neumeier

Seit einigen Jahren liegt die Schallplatte wieder voll im Trend. So richtig tot war sie – trotz der Erfolgsgeschichte der CD und der Digitalisierung von Musik durch mp3-Dateien und Streamingdienste – ohnehin nie. Events wie der beliebte Record Store Day, bei dem es in diesem Jahr am 16. April mehr als 460 exklusive Veröffentlichungen geben wird, befeuern das Interesse von Musikliebhabern an Vinyl. Wir haben uns mit Splitti von 25music unterhalten. Im Interview spricht er darüber, wie Plattenläden erfolgreich sein können, wie er den alljährlichen Run am Record Store Day erlebt und inwiefern Todesfälle von berühmten Musikern das Geschäft ankurbeln.

Rockszene.de:
Für diejenigen, die euch nicht kennen: Was finden Musikinteressierte bei 25music?

Splitti:
Im Prinzip Musik aus allen Bereichen, HipHop, Jazz, Techno, Klassik und so weiter. Wir decken im Prinzip die ganze Bandbreite ab, sowohl als CD als auch als Vinyl. Wir haben Neuware und auch eine sehr große Auswahl an Second-Hand-Artikeln. Dann verkaufen wir nebenbei noch DVDs und Merchandise-Artikel zu Fernsehserien, zu Bands und so weiter.

Seit wann gibt es denn den Laden?

Den Laden gibt es in der Form, wie er jetzt hier im vorderen Bereich direkt an der Lister Meile ist, seit 2001. Wir haben im letzten Jahr unseren Vinyl-Bereich nochmal um etwa ein Drittel vergrößert.

Es wird ja viel über den Vinyl-Boom geredet. Weshalb hat es denn 25music – im Gegensatz zu vielen anderen lokalen Plattenläden, die schließen mussten – geschafft, weder durch das Aufkommen der CD noch durch die Digitalisierung von Musik überflüssig zu werden und weiterhin zu überleben?

Ich glaube, der Bedarf war immer da und unser Vorteil war es immer, dass wir sehr breit aufgestellt waren. Wir hatten für die jüngere DJ-Generation immer Electro, Techno und HipHop im Angebot, aber auch viel im Bereich Rock oder Hard Rock für die ältere Generation. Da hat es einfach die Vielfältigkeit gemacht.

Reicht denn der momentan anhaltende Boom im Vinyl-Bereich aus, dass man theoretisch auch auf alles Andere wie Merchandise, CDs etc. verzichten könnte?

Ich glaube, nur Vinyl ist vielleicht in etwas größeren Städten wie Hamburg, Berlin oder Köln möglich. Da muss man dann aber schon die Nische finden. Ich glaube, ein reiner Vinyl-Laden würde sich hier bei uns nicht lohnen.

Kannst du sagen, wer der typische 25music-Kunde ist?

Schwierig. Wir haben im Prinzip alle Altersgruppen, aber man muss schon sagen, dass die Vinyl-Klientel eher etwas älter ist, weil es natürlich auch so ist, dass Platten etwas teurer sind als CDs und jüngere Leute oft noch nicht so finanzkräftig sind.

Schlendern die Leute denn hier ungezielt durch die Gänge und schauen einfach mal oder wird direkt konkret nach einer bestimmten Platte gefragt?

Das gibt es sicherlich beides. Wir haben Kunden, die hier den halben Tag verbringen und sich durch alle Kisten wühlen und dann auch mal etwas mehr einkaufen. Aber es gibt auch Leute, die vorbeikommen und direkt nach der neuen David Bowie fragen.

Wie wichtig ist die Beratung und wie wichtig ist es für euch Mitarbeiter sich selber auszukennen?

Das hilft natürlich schon. Die Leute, die hier arbeiten, machen das schon eine relativ lange Zeit und es hilft, sich auszukennen. Bei uns ist es auch der Vorteil, dass wir unterschiedlich in den Musikinteressen sind. Wenn man sich in irgendeinem Bereich nicht auskennt, dann kann man den Kollegen fragen. Und deswegen kommen Kunden auch hierher.

In vielen Plattenläden finden Konzerte statt. Ist das bei 25music auch so?

Das machen wir auch. Wir machen das sowohl mit kleineren Bands aus Hannover direkt und versuchen das auf einen relativ attraktiven Termin zu legen, also entweder auf Freitagnachmittag oder auf Samstag am frühen Vormittag. Und wir versuchen auch, wenn es die Möglichkeit gibt, Acts zu kriegen, die vor ihren Hannover-Konzerten hier bei uns gerne einen Instore-Gig spielen würden. Wir hatten hier schon Chuck Ragan, Anti-Flag und neulich Frank Turner. Das ist natürlich eine schöne Sache und dann ist unsere Plattenabteilung auch gut gefüllt. Da kommen dann auch mal 200 Leute, das ist sehr schön und hilft natürlich dem Laden auch ein bisschen.

Der Record Store Day steht ja bald an. Er „soll die Plattenladen-Kultur und das Format Schallplatte stärken“. Ist das erfahrungsgemäß der Fall und welchen Effekt versprecht ihr euch vom Record Store Day?

Es hat mal so angefangen, dass wir da zwölf Artikel hatten. Da machte man eine kleine Kiste. Mittlerweile ist es schon zum richtigen Event geworden. Wir versuchen, dem Rechnung zu tragen, indem wir möglichst viel bestellen, wobei ich finde, dass definitiv an dem Tag zu viel veröffentlicht wird. Das kann man als Plattenladen nicht leisten, bei 460 Veröffentlichungen. Wir können nicht alles da haben.

Suchen sich die Plattenläden aus, welche Veröffentlichungen sie am Record Store Day bekommen?

An sich schon. Wir sieben im Vorfeld aus, weil wir ja nicht alles bestellen können. Da wir unser Klientel kennen, überlegen wir uns das vorher. Aber es ist natürlich immer etwas schwierig. Man vergisst wahrscheinlich irgendeinen Artikel, nach dem am Record Store Day dann zehn Leute fragen und der kam einem gar nicht in den Sinn, den zu bestellen. Das passiert natürlich schon. Und ansonsten ist es einfach so, dass es von manchen Sachen bundesweit nur 100 Stück gibt und man kann es auch als Plattenladen nur vorbestellen und hat da keine speziellen Vorverkaufsrechte. Und dann schaut man halt am Freitag davor, was denn eintrudelt. Wir wissen es auch wirklich erst, wenn die Ware dann da ist.

Was genau passiert denn bei 25music am Record Store Day? Wie darf man sich das konkret vorstellen?

Wir bauen unseren vorderen Ladenbereich etwas um, bauen da eine große Batterie an LP-Kisten auf und dann wird alles was da ist rausgestellt. Also wir hüten auch nichts im Lager. Letztes Jahr war es so, dass morgens um zehn Uhr vor dem Laden bestimmt 80 bis 100 Leute schon gewartet haben. Und dann beginnen drei sehr anstrengende Stunden des Verkaufs (lacht). Aber es läuft eigentlich meistens sehr gesittet ab. Die Leute sind diszipliniert und man muss ihnen halt erklären, dass es natürlich nicht Sinn der Sache ist, dass hier jemand reinkommt und sich zehn Mal eine bestimmt Platte schnappt und damit zur Kasse geht. Also wir achten da schon drauf, dass jeder einen Artikel auch nur einmal bekommt. Weil das gibt es natürlich auch, das wird durch den RSD auch befeuert, dass es Leute gibt, die die Artikel horten und dann anderweitig anbieten wollen.

Der Anlass für Veröffentlichungen am Record Store Day ist auch oft der Todesfall eines Künstlers, wie im letzten Jahr Lemmy Kilmister von Motörhead oder in diesem Jahr David Bowie. Ist das sozusagen positiv für den Plattenladen, weil es eine erhöhte Nachfrage gibt?

Es ist natürlich schon so, dass dann die Nachfrage riesig ist. Aber in dem Segment gibt es auch einfach nicht mehr so viele Künstler, dass man dann so einen Hype erlebt wie bei David Bowie. Das passiert vielleicht nochmal, wenn ein sehr populärer Künstler wie etwa Paul McCartney stirbt, aber ansonsten gibt es nicht mehr viele Künstler mit einem solchen Archiv.

Auf welche Releases am Record Store Day freut ihr euch denn am meisten?

Oh, das ist ganz unterschiedlich. Ich persönlich freue mich sehr auf das neue Album von La Dispute, weil es auch wirklich eine Neuveröffentlichung ist. Falls ich es bekomme (lacht).

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