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Neigen gern auch mal zu Übertreibungen: Green Day.

Indie-Disco-Pop´n´Rock´n´Roll mit Spaß

Green Day und ihr neuer Sound abseits des Punkrock

08. Februar 2020, Von: Andreas Haug, Foto(s): Pressefreigabe/WMG

Sind das noch Green Day? Ist das noch Punkrock? Das Medienecho der vergangenen Tage auf das neue Album des US-amerikanischen Trios, das einst als Punkrock/Pop-Punk-Band seinen internationalen Durchbruch hatte, war groß und ist es immer noch. Am gestrigen Freitag kam „Father Of All…“ auf den Markt. Zehn kurze Songs, Gesamtspielzeit unter 30 Minuten. Wenn eine weltbekannte Band ihren Stil und Sound über Jahre verändert, dann ist kontroverser Gesprächsstoff unter Fans vorprogrammiert. Wer Green Day bislang über weite Strecken auf Punkrock oder Punk-Pop festgelegt hat, darf oder muss wohl endgültig umdenken.

Als lupenreine Punkrock/Punk-Pop-Band kann man Green Day um Sänger und Gitarrist Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool eigentlich seit mindestens zehn Jahren kaum noch bezeichnen. Mit den Songs auf „Father Of All…“ führt die Band nur das konsequent fort, was sie auf den letzten Alben schon angedeutet und in die Spur gebracht hatte.

Man spielt nun eher locker-flockigen Pop-Rock´n´Roll, dessen Wurzeln irgendwo in den 50ern und 60ern liegen. Hier und da ein bisschen 70er-Glam-Einfluss, Indie-Disco aus dem Hier und Jetzt und das alles zusammengesetzt, als hätte man sich in einer modernisierten Garage zum Aufnehmen getroffen, damit es hier und da auch mal roh und rotzig klingt, allen voran die Gitarren.

Es geht Green Day wohl vordergründig darum, mit Spaß bei der Sache zu sein, kurze, knackige und recht einfache wie eingängige Songs rauszuschicken. Nicht allzu sehr tiefgründig, sondern eher zum gut gelaunten, fröhlichen Hören. Auch während der Arbeit oder nach Feierabend zum Tanzen. Hie und da fühlt sich so manches Arrangement ziemlich dick aufgetragen und einige Backing-Chöre auch ein bisschen übertrieben an. Ironisches Augenzwinkern mit Seitenhieb auf die Musikbranche der vermeintlich Schönen und Reichen?

Erinnerungen an The Beatles oder The Swinging Blue Jeans

Kaugummi, Eiscreme und Zuckerwatte auf dem Rummelplatz und dann die Angebetete, je nach finanzieller und gesellschaftlicher Disposition, mit dem Fahrrad, dem Motorroller oder dem Cabrio erwartungsfroh nach Hause chauffieren. Im Elternhaus brennt oben im ersten Stock noch Licht und in wenigen Sekunden entscheidet sich, ob der Abend in einen epischen Kuss mündet oder Tränen kullern.

Eine leicht kitschige, beinahe filmreife Szene eines Samstagabends zweier Heranwachsender der 50er-oder 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts und es war die Musik jener Zeit, die, so ist zu lesen, Billy Joe Armstrong in seiner Kindheit und Jugend gern gehört haben soll. Rock´n´Roll, Soul, Beat. Anleihen waren schon auf den letzten Green-Day-Platten zu hören und so ist es auch auf „Father Of All…“

Auf Startplatz Nummer sechs: „Stab To Your Heart“, ein roher Rock´n´Roll-Song bei dem sich Erinnerungen an „Dizzy Miss Lizzy“ von The Beatles oder „Hippy Hippy Shake“ von The Swinging Blue Jeans mehr oder minder stark aufdrängen. Ein Album voller Musik, die richtig Freude und Spaß machen kann, eines aber natürlich keinesfalls ist: Punkrock.


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