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Leonard und Jonas Ottolien begeisterten mit ihrer Band 200 Fans im ausverkauften LUX.

Schöndenken

Ottolien aus Hannover im ausverkauften LUX

02. November 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Niklas Wittig

Leichtigkeit und positiv wie ermutigend stimmende Botschaften musikalisch in Szene gesetzt mit Singer-Songwriter-Pop und Rap: Am gestrigen Freitagabend spielte die Band Ottolien um die Brüder Leonard und Jonas im mit 200 Gästen proppevollen und schließlich ausverkauften LUX. Wie sich Ottolien ihren Themen nähern, sich damit auseinandersetzen ist bemerkenswert. Die Texte sind mit Wortspielen metaphorisch geschmackvoll und pfiffig lanciert. Reflektieren aber nicht grübeln scheint eine Devise zu sein. Sich entspannen, eine Runde tanzen und statt eines halb leeren, lieber das halbvolle Glas mit einem Lächeln zu erheben, eine andere.

In Sachen Pop und Groove tut sich in Hannovers Musiklandschaft in letzter Zeit einiges. Eine Band der Stunde ist Ottolien, die jüngst mit ihrer Single „Was wollen wir“ und dem dazugehörigen Musikvideo zahlreiche positive Resonanzen erhielt. Leonard, der Gitarrist, Sänger und Songschreiber und sein Bruder Jonas, der Rapper, Keyboarder und Beatbastler sind heute im LUX mit kompletter Band angetreten und 200 Fans wollen das Konzert nicht nur sehen und hören, sondern augenscheinlich auch erleben und spüren.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Niklas Wittig

Die Mischung deutschsprachiger, moderner Singer-/Songwriter-Pop mit Groove und Rap trifft den Nerv des Publikums. Schon beim Betreten der Bühne wird die junge Band mit lautstarkem Jubel begrüßt. Ottolien –und das merkt man heute schnell- versprühen in ihren Songs und mit ihren künstlerisch sehr geschmackvollen Texten ein grundsätzlich positives Gefühl.

Auch wenn die persönliche Empfindlichkeit und die Beziehungen nicht in jeder der Geschichten eitel Sonnenschein sind, die Gegebenheiten und Ereignisse des Alltages in manchen Situationen nicht so in die Karten spielen wie man es sich wünscht, so herrscht bei Ottolien dennoch Optimismus vor. Keine Wut, kein Frust, keine Trauer, sondern gesundes Selbstvertrauen gepaart mit der Gelassenheit und dem Glauben daran, dass sich schon alles zurechtrückt. Und wenn das nicht immer hundertprozentig gelingen will, dann denkt man sich manche Situation halt auch gern mal schön.

Der Dame, die man liebt und von der man sich so sehnlichst eine Nachricht gewünscht hatte, ist, wie im Song „Scherben“ bestimmt nur das Handy aus der Tasche auf den harten Asphalt gefallen, weshalb es diesen Kontakt nicht geben konnte. Aber, es hätte ja sein können.

„Siehst du dich vielleicht selber?“

Ottolien singen auch von Riesen: „Weil ich ein Riese bin (…)“ beginnt der Refrain und der Song liefert ermutigende, beinahe kämpferische Zeilen wie „Niemand tut mir weh“ oder „Niemand hält mich auf“ und fragt auch: „Siehst du dich vielleicht selber?“. Das sind die passenden Botschaften für alle, die sich oft mal klein fühlen. Und Hand aufs Herz: Jeder fühlt sich mal klein oder hat sich schon mal als solches empfunden. Da hilft es vielleicht mal, groß zu denken, schön zu denken, sich seiner eigenen Stärken bewusst zu werden und sich selbst zu sagen: Mir kann eigentlich keiner was und schon gar nichts Böses.

Die Songs, die Texte von Ottolien sind in Teilen wie perfekte Sätze für ein Poesiealbum. Mit fortlaufender Dauer des heutigen Konzerts wird der dicke rote Faden immer greifbarer. Wenn Leonard Ottolien Zeilen singt wie „Es gibt keine Geschichten, nur den Moment“ oder „Lass uns halbe Sachen machen“, dann ist das wie ein Aufruf, das Leben und Situationen einfach leichter und lockerer zu sehen, zu fühlen und zu nehmen. Für sich selbst und in Beziehungen mit anderen.

Man sagt, vieles sei Kopfsache, ob man letztlich erfolgreich ist oder gar glücklich wird oder sich zumindest so fühlt. „Positve Mindset“ ist ein Ausdruck, den man oft hört und liest. So aufgestellt sind Menschen, denen es gelingt, auch in scheinbar schwierigen Situationen immer das Fünkchen Hoffnung zu haben, das Gute zu entdecken und intensiv wahrzunehmen. Oder vereinfacht gesagt: Eine Botschaft dieser Musik kann sein, immer das Beste zu denken, das Beste draus zu machen. Es verbietet sich beinahe, dem nachzutrauern, was man nicht erreichen konnte, sondern zufrieden zu sein mit dem, was man hat.

Die positive Konzertatmosphäre im LUX wird besonders intim, als Ottolien sich mitten in den Zuschauerraum begeben und dort komplett unverstärkt die Atmosphäre eines Wohnzimmerkonzerts schaffen. „Sturm aufwärts“ ist ein Song, den viele mitsingen.

Abtauchen und kein Platz für Miesepeterei

Über anderthalb Stunden ist hier alles chillig, alles groovig. Kein Platz für Miesepeterei. Um sich gut zu fühlen, muss man auch mal allein sein, in sich hineinhorchen, einfach mal abtauchen, wie es in „Abgetaucht“ vermittelt wird. Auch dieser Song kann als Ratschlag dienen, die Situation des Alleinseins zu genießen, sich zu finden, Kraft zu sammeln. Für die Liebe und all die anderen schönen Dinge, die da bestimmt noch kommen werden. Früher oder später.

Wenn Ottolien hier ihr Singer-Songwriter-Pop-trifft-Groove-trifft-Rap-Konzert spielen, dann ist das keineswegs naiv oder flach. Es ist rund, stellenweise alltags-poetisch und von der Band blitzsauber gespielt. Der sehr gut abgemischte Sound und ein sensibel wie geschmackvoll in Szene gesetztes Lichtdesign bilden einen nahezu perfekten Rahmen für eine Band, von der man in Zukunft bestimmt noch sehr viel hören wird.


INFO-BOX

Links
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externer Link www.lux-linden.de
externer Link www.hannover-concerts.de

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