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KISS auf ihrer Abschiedstour auf der Expo-Plaza in Hannover und natürlich zeigte Gene Simmons auch mehrfach seine Zunge.

Die Zukunft war gestern

KISS zelebrierten Rock-Spektakel in Hannover

06. Juni 2019, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

KISS nach 46 Jahren Bandkarriere auf Abschiedstour in Hannover. 12.000 größtenteils glücklich dreinblickende Besucher auf der Expo-Plaza und mitten im Publikum auch prominente Gäste wie etwa Scorpions-Sänger Klaus Meine und TV-Koch Tim Mälzer. 20 Songs über gut zwei Stunden, klassische Gitarrenriffs, Hardrock-Hymen zum Mitsingen, das alles eingebettet in eine futuristische Bühnenproduktionen. Optisch eine Mischung aus Raumschiff und intergalaktischem Spielkasino. Und natürlich: Feuerwerk, Rauchsäulen, Konfetti und Böllerschüsse. Ein großer Rock´n´Roll Abend, die ganz große Rockshow und ein sehr beindruckender Performance-Einstieg von David Garibaldi.

Bevor die Bühne freigegeben wird für die vier Hardrock-Heroen von KISS, knallt Action-Painter David Garibaldi drei Gemälde berühmter Rockstars auf drei Leinwände. In 30 Minuten. Wie ein Derwisch hüpft Garibaldi über die Bühne, wirft mit Händen, Fingern und Pinseln Farben an die Wände und zaubert Porträts von Alice Cooper, Mick Jagger und schließlich den vier Herren von KISS. Songs wie „School´s Out“, „Sympathy For The Devil“ und „Satisfaction“ dröhnen aus den Boxen. Ein Einstieg in den Abend mit bester Unterhaltung für die David Garibaldi viel Aufmerksamkeit und Applaus erntet. Verdient.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra

Gegen 20.45 Uhr fällt der Vorhang für KISS. Man lässt sich wie von einem entfernten Planeten kommend  von der Bühnendecke auf die Spielfläche abseilen, begleitet von viel Pyroeffekten und Böllerschüssen. „Detroit Rock City“ ist der erste von insgesamt 20 Songs des Abends und man kann den Eindruck gewinnen, als feierten KISS an diesem warmen Juni-Abend auf der Expo-Plaza Silvester und Neujahr zugleich. Die Band setzt anscheinend eigene Maßstäbe in Sachen Raum und Zeit. Da sind einerseits teils über 40 Jahre alte Songs und anderseits eine hochmoderne und hochstilisierte Rock´n´Roll-Zirkus-Produktion, die Ausblicke in vielleicht noch kommende Jahre gewährt.

Surreales High-Tech-Paralleluniversum

Mit ihren Masken, Kostümen und speziell designten Instrumenten bewegen sich Bassist und Sänger Gene Simmons, Sänger und Gitarrist Paul Stanley, Gitarrist Tommy Thayer und Schlagzeuger Eric Singer hier inmitten eines für gut zwei Stunden konstruierten, surrealen High-Tech- Paralleluniversums. Achteckige mobile Video-Waben werfen Comic-artige Bilder der KISS-Konterfeis ins Publikum, man blickt auf diverse Masken und pumpende Lautsprecherboxen. Ist das hier ein überdimensionales Video-Daddel-Automaten-Spiel-Szenario der frühen Jahre? Kommt irgendwoher noch Donkey Kong? Nein, der kultige Affe aus dem 80er-Jahre-Spiel lässt sich dann doch nicht blicken.

So ein bisschen scheint in den ersten Minuten der KISS-Show noch eine unsichtbare Handbremse angezogen zu sein. Paul Stanley nimmt sich anfangs reichlich viel Zeit für klischeehafte Ansagen und Publikumsanimationen, als hätte er heute eine große Kiste mit der Aufschrift „essenzielle Grundlagen des breitenwirksamen Stadionrock-Entertainments 1980er Jahre bis heute“ mitgebracht und weit aufgerissen. Es dauert aber nicht allzu lange, da nimmt die KISS-Rock´n´Roll Maschine Fahrt auf und bekommt nach hinten raus immer mehr Dampf.

Jugenderinnerungen

Bei sehr ordentlichem, auch in der Lautstärke angenehm abgestimmten Sound gibt es einige Hymnen für die große Party: „Shout It Out Loud“, „I Was Made For Lovin´You“, „Crazy, Crazy Nights“ – kaum ein Hit oder Klassiker aus dem großen Fundus der Band, die 1974 ihr Debütalbum, herausbrachte, fehlt. Man spannt im Programm einen großen Bogen über Jahrzehnte und viele, viele Alben. Wer nicht enthusiastisch mitklatscht oder mitsingt, genießt mit einem mehr oder weniger breiten Grinsen Jugenderinnerungen.

Humorvoll-übertrieben

KISS, ihre Show und Musik–und das wird heute auf der Expo-Plaza in Hannover erneut deutlich – sind wichtiges Rock´n´Roll Kulturgut. Mit ihrem humorvollen, sympathisch übertriebenen Kostüm-, Masken-und Monster-Theater untermalt mit kernigem Hardrock, haben sie unzählige Bands inspiriert und die glamouröse Rock´n´Roll-Zirkus-Show inklusive Kunstblut-Gesabber und Feuerspucken perfektioniert. Das war in den Siebzigern richtungsweisend, der Zeit voraus und auch heute Abend wirkt das Spektakel im Science-Fiction-Ambiente wie ein weiterer Blick in eine noch ungewisse, aber spannende, vielleicht sogar verheißungsvolle Rock-Zukunft, eine Zukunft, die für KISS musikalisch dennoch im Gestern liegt.

Die 12.000 feiern mit dieser für eine ganze Rock-Generation auch prägenden Band auf hochmoderne Weise die Vergangenheit, die heute noch einmal in frohen Farben leuchtet und aufblüht.

Auf der Zielgeraden regnet es Unmengen von Konfetti, „Rock´n´Roll All Nite“ beschließt das Programm und als KISS leibhaftig zum letzten Mal in Hannover die Bühne verlassen, werden die 12.000 mit einem alles umarmenden „God Gave Rock´n´Roll To You“ aus der Konserve  auf den Heimweg geleitet.  Das, was KISS hier in Hannover geboten haben, macht ihnen so schnell keiner nach.


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