Bildrechte: Lisa Eimermacher

"Married To The Noise": Stick To Your Guns bei ihrer gestrigen Show im Pavillon.

“Five nice things”

Stick To Your Guns, Nasty und Get the Shot im Pavillon

15. April 2019, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Rund 800 begeisterte Fans lockte das Hardcore-Dreigestirn um Get The Shot, Nasty und die Headliner Stick To Your Guns ins ausverkaufte Kulturzentrum Pavillon. Ein respektvoller Umgang und die stark gelobte Organisation trugen zu einer reibungslosen Veranstaltung bei. Die Show im Pavillon wurde von unserem Magazin präsentiert.

Obligatorische Körperbemalung in szenetypischen Motiven, Snapbacks, Tunnel in den Ohren, heftiges Kopfnicken, Moshpits oder gar die gute alte „Windmühle“ bis hin zum Crowdkilling werden mit der modernen Hardcore- und Beatdown-Szene oftmals verbunden.

Gepflegte Moshpits und Frontflip-Crowdsurfer gibt es am gestrigen Konzertabend im Kulturzentrum Pavillon zwar auch zu Genüge. Doch von wahlloser Gewalt keine Spur. Bei der Show der US-amerikanischen Hardcore-Band Stick to Your Guns mit ihren Kollegen Nasty aus einer deutschsprachigen Stadt in Belgien und ihren kanadischen Mitstreitern Get The Shot verläuft alles gesittet und respektvoll. Wer hinfällt, wird von den umstehenden Zuschauern schnellstens wieder auf die Beine gezogen und als sich jemand im Pit verletzt, stoppt Stick to Your Guns-Frontmann Jesse Barnett unverzüglich den Fan-Favoriten „We Still Believe“.

Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher

„Deutlich entspannter als so manche Schlagerabende“, lassen Stimmen aus dem Personal verlauten. Im Gegenzug gibt es großes Lob von Nasty-Sänger Matthi für die hervorragende Organisation und Gastfreundschaft der Veranstalter und aller helfenden Hände, ohne die das Ganze nicht möglich wäre.

Bereits das Set der Opener Get The Shot ist gut besucht und die ersten drehen ihre Kreise im Circle Pit, den Sänger J-P, ein Energiebündel mit langer, dunkler Metal-Mähne, immer wieder anfeuert. Während Crowdsurfer links und rechts an ihm vorbei ins Publikum springen, high-fived er mit einer Rollstuhlfahrerin, die vor der Bühne hochgehoben wird, bevor er auch sie auf die Bühne zieht. Dann untermalt er den Songtext überspitzt mit einer Performance, bei der sich dramatisch das Mikrofonkabel um den Hals wickelt.

Als Einflüsse und Vorbilder nennen Get The Shot Bands wie Slayer, Anthrax, Testament, Ringworm, Integrity, All Out War und Indecision. Das Ergebnis bezeichnen sie als brodelndes Gemisch aus Thrash Metal der 80er und Hardcore der 90er.

Egal, ob Stammesältester der Szene, Jugendlicher in Begleitung der Eltern, schlagsig-nervöser Typ von nebenan, das Mädchen mit geschorenen Haaren oder die junge Frau mit ausgewaschenen blauen Haaren mit Glitzer im Gesicht - im Pavillon haben sie sich alle eingefunden. „Das ist Familie“, fasst der Nasty-Sänger Matthias ("Matthi") zusammen. „Jeder, der sich als was Besseres fühlt, kann sich verpissen!“

Als er die Crowd auffordert, einen Schritt auf die Bühne zu machen, nimmt er die Szene aufs Korn. Alle tragen T-Shirts mit krassen Sprüchen drauf, trauen sich dann aber doch nicht nach vorne, weist er humorvoll auf die Ironie hin. „Die ganzen harten Schweine hier heute Abend, kommt nach vorne hier, Alter!“, lacht er. Dann „ballern sie das Ding noch schnell zu Ende“.

Nach einem weiteren Mal bravem Anstehen in der Schlange vor dem Getränkestand ist es Zeit für den Headliner. Von der Körpergröße des Stick To Your Guns-Sängers Jesse Barnett darf man sich nicht beirren lassen. Die Schuhe als Frontmann füllt er zweifellos aus und schießt blitzschnell auf der Bühne umher wie eine Pinball-Kugel im Flipperautomaten. Seine Stimme wechselt dabei von gutturalen Parts zu klaren Melodien, während Bassist Andrew Rose und die beiden Gitarristen Josh James und Chris Rawson neben ihm nach alter Punkrock-Schule mit angewinkelten Beinen in die Höhe springen, ins Mikrofon shouten oder sich grinsend abklatschen.

Songs wie „Nobody“, „Married To The Noise” und “Against Them All” zeigen beim Publikum dieselbe Wirkung wie Ölspritzer bei einer Flamme.

Dass der Härte der Musik ab und zu eine ruhigere Nachdenklichkeit zu Gute kommt, wissen Stick To Your Guns geschickt einzusetzen. Die Band hält sich im Hintergrund als Barnett einen Song über seine Mutter ankündigt. „Sie ist die einzige Person, die mir beigebracht hat, wie man ein Mann ist“, sagt er und widmet das Stück allen weiblichen Zuschauern.

Ermutigung

Als sich die Show dem Ende zuneigt, gibt Sänger Jesse Barnett seiner Hardcore-Gemeinschaft noch etwas mit auf den Weg. „Es gibt so viel Angst, Angststörungen, Beklemmungen und verdammt hohe Anspannungen. Und ich weiß, mit Scheiß solcher Art gibt es viele Dinge, über die eine Hardcore- oder Punk-Band sprechen kann.“ Mit dem Alter werde er zunehmend softer, gibt er zu. Dafür habe er sich früher mal geschämt. Jetzt habe er es als etwas Gutes angenommen. „Denn alles, was ich tun will, ist Menschen zu ermutigen“. Das Publikum stimmt ihm applaudierend zu und er führt fort.

„Ich möchte meinen Leuten, all meinen jungen Freunden, Mut zusprechen. Ich bin bei euch. Ich weiß genau, wie es ist, Tag für Tag gesagt zu bekommen, dass du wertlos bist. Dass du es nicht verstehst, zu jung bist. Dass du zu dumm bist. Du nicht die richtigen Werkzeuge hast und es einfach nicht raffst. Also fangen wir an, diese Scheiße zu glauben, weil es uns immer wieder eingetrichtert wurde“, sagt Barnett.

„Aber ich möchte euch jetzt sagen, dass ihr sehr wohl einen Wert besitzt. Ihr seid stark genug! Ihr seid verdammt nochmal wunderschön und stark. Ernsthaft. Ich höre zu viele meiner jungen Freunde darüber reden wie sehr sie sich selbst hassen. Und wie sehr sie davon überzeugt sind, nicht gut genug zu sein. Und ich bin es echt satt. Denn ihr SEID gut genug. Nichts kann sich ändern bis ihr tatsächlich an euch selbst glaubt, um Rückgrat zu haben und zu sagen: `Alles klar, ich bin bereit und kann diese Scheiße bewältigen`“, sagt er mit Überzeugung in seiner Stimme.

„Für jeden Morgen, an dem ihr aufwacht, habe ich eine Challenge für euch: Ich möchte, dass ihr fünf nette Dinge über euch selbst aussprecht. Schaut in den Spiegel und sagt: `Verdammt, bin ich wunderschön! Ich bin mega heiß und bereit, es mit diesem Tag aufzunehmen und allem, was er mir entgegen bringt`“.

Es sind keine weichgespülten Phrasen, sondern ernst gemeinte Worte der Motivation, die Barnett an sein überwiegend junges Publikum richtet. Vielleicht sind es genau die richtigen Worte, die jemand, der eine schwere Zeit durchmacht, hören muss.


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