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Starke, sympathische Präsenz: Frank Turner bei seiner Show im Capitol in Hannover

Der Stimmungsmacher

Frank Turner spielte im ausverkauften Capitol

12. November 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Sein erklärter Wunsch und Ziel war es, eine Punk-Rock-Show in Hannover zu spielen, betonte der britische Singer-Songwriter Frank Turner mehrmals am gestrigen Sonntagabend im ausverkauften Capitol. Über 110 Minuten stand Frank Turner mit seiner Band The Sleeping Souls auf der Bühne und sorgte über weite Strecken für eine fröhliche, bisweilen ausgelassene Folk-und Folk-Rock-Party-Atmosphäre. Viele Hymnen zum Mitsingen, Tanzen und Schunkeln, dazu Ausflüge in Disco-und Pop-Gefilde. Den 1600 Fans hat die Unterhaltungs-Show augenscheinlich gefallen. Inwiefern das etwas mit Punk-Rock zu tun hatte, bleibt eine Sache der Definition.

Frank Turner nimmt es genau: Es sei die 2272.Show, die er in seiner langjährigen Karriere heute Abend im Capitol in Hannover spielt, merkt er an. Es ist ein Konzert, in dessen Verlauf Frank Turner mit seiner Band The Sleeping Souls einen großen Bogen spannt, Songs aus seinen bis dato sieben erschienenen Alben spielt und auch auf ganz altes Material zurückgreift, das er bereits in seiner Jugend vor rund 20 Jahren präsentiert hat.

Es ist ein Konzert voller Leichtigkeit und Spielfreude. Mit schmissigen Folk-Melodien, mit leichten Rock- und vielleicht auch Punk-Elementen. Wenn man genauer hinhört. Frank Turner will das Konzert hier im Capitol in Hannover gern als Punk-Rock-Show laufen lassen. Punk-Rock nach seiner Definition. Dazu gehört unter anderem, ein Gemeinschaftsgefühl zu leben und zu erleben, gemeinsam zu tanzen, zu singen und eine gute Zeit zu haben. Dazu gehört auch, sich mal in den Arm zu nehmen und einfach zu feiern. Okay, wenn das schon Punk-Rock ist, bitteschön.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (4 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Tatsächlich gibt Frank Turner den Stimmungsmacher, den musikalischen Party-Anheizer für einen Abend im größten Club Hannovers, der zeitweilig zur größten Kneipe der Stadt zu werden scheint. Spätestens, wenn Turner ganz allein auf der Bühne eingängige Folk-Weisen zur Akustik-Gitarre spielt, ist die Stimmung ganz oben. Stilistisch ist das alles kein Punk. Die Haltung und das gemeinsame Abfeiern vieler Songs mag es dagegen sein.

Mit seinem aktuellen Album „Be More Kind“ hatte sich Frank Turner seit Mai dieses Jahres nochmals nachdrücklich gesellschaftspolitisch positioniert. Für soziale Gerechtigkeit, Offenheit, Vielfalt und gegen faschistische Tendenzen, Gewalt, rechte Strömungen, Unterdrückung und Ausgrenzung. „Make America Great Again“ war eine herausragende Single und das in der Innenstadt in Austin/Texas entstandene Video sorgte für viel Sympathie und Aufmerksamkeit.

Starke Botschaften ohne erhobenen Zeigefinger

Diesen durchaus zentralen Song des Albums, den Song mit der starken, positiven Botschaft für ein besseres Miteinander, eine vielleicht bessere Welt, abseits von Hass und Spaltung, spielt Frank Turner heute Abend überraschender Weise nicht und er vermeidet auch offene politische Statements. Statements, wie sie viele Punk-Rock-Bands seit mindestens mehreren Monaten bei Konzerten immer wieder abgeben und damit ihr Publikum und die Öffentlichkeit stetig wie nachhaltig gegen rechte Strömungen, Intoleranz und Spaltung in der Politik und Gesellschaft sensibilisieren.

Von Frank Turner gibt hier nicht den erhobenen Zeigefinger, nicht die Faust, nicht die Kampfansage – Der 36-Jährige belässt es bei der Präsentation seiner Songs und die haben durchaus starke Botschaften, aber diese sollen heute Abend für sich stehen, wie etwa in „1933“. Das Publikum darf, respektive muss sich das heraushören.

Stimmungshymnen und kollektive Feierei

„Be More Kind“ ist der Titel des aktuellen Albums und diesen Song spielt Frank Turner genauso wie neuere Titel wie „Brave Face“, „Don´t Worry“ , „Blackout“ oder „Little Changes“, zu dem jüngst Ingo Knollmann von den Donots einen deutschsprachigen Text geschrieben hatte. Der Song trägt in dieser Fassung den Titel „Kleine Schritte“, Frank Turner sang eine neue Version ein.

Es darf bei Frank Turner anno 2018 auch poppig zugehen, es darf getanzt werden wie in 80er-Jahre-Diskotheken. Punk-Rock? Nein, überhaupt gar nicht. Gute Unterhaltung, positive Botschaften und eine freundliche Atmosphäre? Ja, absolut.

Klar, wenn Stimmungshymnen wie „Recovery“ vom 2013er-Album „Tape Deck Heart“ erklingen, das für Frank Turner auch in Deutschland so etwas wie den großen Durchbruch brachte und sich entsprechend hoch in den Charts platzierte, dann ist da was von Folk-Punk-Kollektiv-Feierei. Ab und zu bilden sich im Capitol Circle-Pits, Frank Turner begibt sich schon früh von der Bühne und sucht den engen Kontakt zu den Fans und ist letztlich auch der einzige Crowdsurfer dieser Veranstaltung. Darüber hinaus tanzen viele, singen und klatschen mit.

Letztlich ist diese 110-minütige Frank-Turner-Show auch ein Statement für gemeinsames Feiern, gemeinsamens Singen, sich zu mögen und in einer Gemeinschaft zusammenstehen. Je länger das Konzert andauert, desto mehr Stimmung herrscht im Capitol. Eine positive Stimmung, zeitweise berührend und herzerwärmend. Ob das nun Punk-Rock ist oder nicht, scheint da im Ergebnis vollends egal. Wichtig scheint, was alle mit nach Hause nehmen und was bleibt: Ein gutes Gefühl.

INFO-BOX

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externer Link www.sunday-entertainment.de
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