Bildrechte: Lisa Eimermacher

Starke Präsenz: Parlotones-Sänger Kahn Morbee beim Auftritt im LUX am gestrigen Montag.

Herzlichkeit und Charisma

The Parlotones treten im LUX in Hannover auf

30. Oktober 2018, Von: Lisa Eimermacher, Foto(s): Lisa Eimermacher

Am gestrigen Abend luden The Parlotones ins LUX in Hannover ein. Sie gelten als eine der erfolgreichsten Rockbands Südafrikas und sind daher große Hallen gewohnt. Ein besonderer Meilenstein war zum Beispiel ihr Auftritt bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Im LUX zelebrierten sie ihr 20. Bandjubiläum mit den engsten Fans und alten Freunden.

Während die herbstlichen Temperaturen und der leichte Nieselregen draußen die Zeit kurz vor Halloween perfekt untermalen, ist es im Inneren des Clubs umso wärmer und gemütlicher. Schon für die Supports ist das LUX bereits gut gefüllt, später ist es mit insgesamt 180 Zuschauern fast ausverkauft. Der Indie-Pop-Rock-Künstler Adventure Man kommt wie der Hauptact ebenfalls aus Südafrika und ist sicherlich ein anderes Klima gewohnt. Der schwedische Indie-Folk-Künstler Meadows hingegen erzählt, dass es in seiner Heimat sogar schon geschneit hat.

In eisig-blaues Licht getaucht singt er von Herzschmerz und zupft sanft an den Saiten seiner Gitarre. Als er vor dem nächsten Song geduldig seine Akustikgitarre stimmt, bemerkt er anerkennend, was für aufmerksame Zuhörer die Deutschen seien und erinnert sich an einer Tour-Geschichte. Nach einer Show in Berlin kam ein Mädchen zu ihm und zitierte einige Zeilen aus dem folgenden Lied. Als er sie fragte, ob es ihm gefalle, antwortete sie nur: „Ja, aber das spielt keine Rolle. Was viel wichtiger ist: Bist du okay?“ Denn der Text sei so unheimlich traurig. Ja, es gehe ihm gut, beantwortet er die Frage auch auf die Gegenwart bezogen. Das ist die Geschichte, wie er seine jetzige Freundin kennenlernte, erzählt der Solokünstler stolz.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Lisa Eimermacher
Die Stimmung ist gelöst, als die Parlotones die Bühne betreten. Die jüngeren Fans in der ersten Reihe hatten schon vorher bewusst darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Band erst noch den Weg durch die Menge zur Bühne bahnen müsse und sind nun umso enthusiastischer. Auch der Rest des vorwiegend reiferen Publikums heißt die Band herzlich willkommen. The Parlotones tragen wie gewohnt ihre speziellen Bühnenoutfits und buntes, kunstvolles Make-up, das beinahe an Kriegsbemalung erinnert und einen hohen Wiedererkennungswert hat.

The Parlotones sind heute zu fünft. Gegen Ende des Sets stellen sie ihren neuesten Zuwachs, Keyboarder Rob, vor und amüsieren sich, dass er sein Hemd auf links trägt.

Von poppig-rockig tanzbaren Nummern und eingängigen Melodien bis zu seichteren Akustikstücken ist einiges dabei. Mal wird friedlich dazu geschunkelt und einfach nur still und friedlich zugehört, mal aus vollem Herzen mitgesungen und überzeugt geklatscht. Zwei junge Frauen winken mit beiden Armen im Takt zum Song „Beautiful“. Teilweise versperren Smartphones die Sicht auf die Bühne. Pro Song hält sich die Anzahl von Handys meist unter einer Handvoll und nur wenige versuchen, die Hälfte des Sets zu filmen.

Nicht nur die Musik, sondern vor allem die Stimme von Sänger Kahn Morbee erinnert stark an The Killers und deren Frontmann Brandon Flowers. Aber auch Einflüsse von Coldplay sind herauszuhören, mit denen die Parlotones zwei Shows spielte und welche die Band auch Backstage vor ihrem Auftritt hörte.

Zu Songs wie “Beautiful”, “Heartbreak Horizon”, “Giant Mistake” und “Stardust Galaxies” wird beherzt eingestimmt. Neben Hits und Klassikern hat die Band auch ihr aktuelles Album „China“ mit im Gepäck. „Wir dachten, das ist nur angebracht, da wir ja aktuell unser 20-jähriges Jubiläum als Band feiern“, erklärt Sänger und Gitarrist Kahn Morbee.

„Stardust Galaxies“ singt Kahn normalerweise mit einer Frau im Duett. Doch da bei dieser Tour keine weibliche Unterstützung am Mikrofon dabei ist, springt Bassist und Keyboarder Glenn ein. „Aber diesmal ist es umgekehrt und ich bin der Mann und du die Frau, weil du die höheren Töne singst“, lacht Glenn.

Wenn Frontmann Kahn für einige Songs seine Gitarre ablegt, nutzt er die kleine Bühne, um athletisch und gezielt in die Luft zu springen und Energie zu versprühen. Doch auch mit der Gitarre umgeschnallt macht er große Gesten, reckt etwa die Arme nach oben, streckt die Hände nach vorne in Richtung Fans oder formt sie zur Pistole an passender Stelle, um den Songtext zu unterstreichen. Gelegentlich, wenn ein Song höhere Töne verlangt, bricht seine Stimme etwas. Beim Spielen hält er seine Augen meist konzentriert und in den Moment versunken geschlossen. In besonders dramatischen Momenten der rockigeren Songs reißt er seine hellblauen Augen ganz weit auf und sucht Blickkontakt mit den Zuschauern und unterstützt somit die Spannung des jeweiligen Songs.

Bloß menschlich

Mit dem Song „I’m Only Human“ scheinen sich besonders viele Menschen im Publikum zu identifizieren. Gemeinsam klatschen alle im Takt, als hätten sie es schon hundertmal geübt.

Nur noch 17 weitere Songs als Zugabe, meint Bassist Glenn Hodgson augenzwinkernd. Auf den WM-Eröffnungssong „Push Me To The Floor“ hat das Publikum scheinbar bereits sehnsüchtig gewartet.

Für das Encore gesellt sich Adventure Man mit seiner Ukulele zu den Parlotones, die gleich auf der Bühne bleiben. „Meine Lieblingsstelle ist immer, ihm dabei zuzusehen wie er sein Kabel sucht“, scherzt der Bassist und führt fort: „Nein, das ist meins. Ihr habt heute die beste Showeinlage von der Kabelsuche des Adventure Man bekommen. Ich hoffe, das hat einer auf Video festgehalten“. „Stop talking“, mischt sich Sänger Kahn schmunzelnd ein und stimmt den Song „We were just having fun“ an, zu dem wieder alle klatschen.

Doch schon wenige Sekunden später wird der Song unterbrochen, irgendjemand aus der Band reißt wieder einen Witz, bevor es dann wirklich losgeht. Mit „Baby Be Mine“ und einem wohlig- warmen Gefühl entlassen die Parlotones ihre Fans in die Kälte der Nacht. „Danke, dass ihr diesen Dienstagabend mit uns geteilt habt“, bedankt sich der Bassist, bevor er bemerkt, dass er sich um einen Wochentag geirrt hat. „Tour brain“, grinst er und entschuldigt sich.

Nach der Show mischt sich die Band wie versprochen unter das Publikum, signiert fleißig das neue Album und unterhält sich mit den Fans. Bodenständig, freundlich und herzlich gehen sie mit ihren Fans um. Glenn Hodgson nimmt sich außerdem etwas Zeit für ein spontanes Gespräch mit Rockszene. Darin gibt er Einblicke über die Rituale der Band vor ihren Auftritten, was es mit dem künstlerischen Make-up auf sich hat, ihre Zeit in Los Angeles und mit welchen Bands er am liebsten getourt hat. Wann genau sie hier das erste Mal aufgetreten sind, kann er nicht mehr genau sagen und schätzt, vor etwa fünf Jahren.

„Ich glaube, in Hannover waren wir jetzt schon dreimal. Das war heute das erste Mal, dass wir hier in diesem Club aufgetreten sind“, sagt Glenn. „Normalerweise sind wir immer wo anders aufgetreten, z.B. im MusikZentrum. Aber ich mag diese Spielstätte hier. Heute Abend war cool. Viele Leute, gute Energie, die Leute haben die Songs ziemlich laut mitgesungen. Wir haben alte und neue Songs und alles dazwischen gespielt und den Leuten hat es gefallen. Also hat es mir auch sehr gefallen“, freut sich Bassist Glenn.

„Um ehrlich zu sein, mag ich die kleineren Clubs lieber als die großen Hallen, weil du näher an deinem Publikum bist. Das ist viel intimer. Und mir gefallen die Spielorte in Europa, weil die Leute in Südafrika normalerweise lieber noch die Option haben, sich hinzusetzen. Daher gibt es dort viele Stühle und Tische, z.B. in Theatern. Aber hier steht jeder automatisch, egal ob jung oder alt“, so Glenn, der nebenbei ab und zu weiter Alben signiert.

Sein Bruder und Leadgitarrist Paul stößt dazu und fragt, wo ihr alter Freund abgeblieben ist. Das ist ein „riesiger Typ“, den wir schon seit Jahren kennen und der heute auch hier ist, erklärt Glenn. Obwohl er heute Abend auch viele jüngere Fans trifft, hat man tatsächlich das Gefühl, dass viele Besucher die Band schon seit vielen Jahren hören. Die Show wurde von Rockszene.de präsentiert.

INFO-BOX

Links
externer Link www.theparlotones.co.za
externer Link www.facebook.com/theparlotones
externer Link www.lux-linden.de/programm
externer Link www.livingconcerts.de
externer Link www.facebook.com/meadowseverbleeding
externer Link www.facebook.com/adventuremanmusic

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): Frank BolzEin Workshop für Metal-Gitarre
Eric Juris kommt Samstag zum Music College Hannover

13.11.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Frank Bolz

 


, Foto(s): Pressefreigabe/ThomasSchleiken/MCH Workshop und Konzert
Planting Robots Sonntag beim Music College Hannover

08.11.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Pressefreigabe/ThomasSchleiken/MCH

 


, Foto(s): Prime CircleAlternative Rock aus Südafrika
Prime Circle spielen im Februar im MusikZentrum

02.11.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Prime Circle

 


, Foto(s): Bernd BrundertZurück ins „Irrenhaus“
Keimzeit präsentieren ihr Debütalbum erneut

01.11.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Bernd Brundert

 


, Foto(s): Gene KirklandSlash mit „Living The Dream“ auf Welttournee
Zusatzshow in Hannover geplant

01.11.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Gene Kirkland

 




Zur Startseite