Anzeige:
Anzeige 738
Bildrechte: Joel Barrios

Mit Gitarre, Keyboard und Loop-Station-Set-Up: Neal Morse, hier bei einem früheren Solo-Konzert vor einigen Monaten, spielte auch am vergangenen Samstag im Colos-Saal in Aschaffenburg eine beeindruckende Show.

Songs zum Gutfühlen

Neal Morse spielte lange Solo-Show im Colos-Saal

18. Juni 2018, Von: Andreas Haug, Foto(s): Archiv/Joel Barrios

Ein-vielleicht zweimal im Jahr kann es vorkommen, dass wir unsere unmittelbar heimischen Gefilde verlassen und eine Reise innerhalb Deutschlands auf uns nehmen, um vielversprechende Konzerte besonderer Künstler besuchen, die nicht in Hannover auftreten. Neal Morse, einer der weltweit führenden Progressive-Rock-Komponisten und –Musiker spielte am Samstag im Rahmen seiner „Absolutely Solo“-Tour im altehrwürdigen Colos-Saal in Aschaffenburg. Es war ein Abend voller Energie und Entertainment. Zweieinviertel Stunden spielte Neal Morse Songs aus der Ära Spock´s Beard und Transatlantic, sowie ausgesuchte Stücke aus seinem aktuellen Singer- Songwriter- Solo-Album „Life & Times“.

Er fühle sich derzeit sehr gut, erklärt Neal Morse seinen zahlreich erschienenen Fans im teilbestuhlten, gemütlich hergerichteten Colos-Saal in Aschaffenburg. Auf seinem aktuellem Solo- Album „Lifes And Times“, ein Singer-Songwriter- und kein Progressive-Rock-Album, fänden sich viele einfache Songs, die dieses Gefühl ausdrücken, „Gutfühl-Songs“ sozusagen.

Von diesen gibt es beim heutigen Konzert im gut besuchten Colos-Saal in Aschaffenburg einige, ob „Livin´ Lightly“, „Selfie In The Square“ oder „Manchester“. Die melancholische, nachdenklich stimmende Komposition über einen vom Krieg traumatisierten jungen Soldaten – „He Died At Home“- findet aber ebenso einen Platz im Programm wie Klassiker aus Morse´s Zeit bei der Band Spock´s Beard (u.a. „The Doorway“ und Auszüge aus „Snow“) oder der Progressive-Rock- Supergroup Transatlantic (u.a. „We All Need Some Light).

Kraftvolle Ein-Mann-Band

Wie man diese, im Original mitunter komplexen und teils reichlich instrumentierten Stücke als Einzelmusiker in Szene setzen kann, demonstriert Neal Morse mit einem ausgeklügelten Technik- Set-Up, in deren Mittelpunkt neben Akustik-Gitarre und Keyboard eine Loop-Station steht. Mit deren Hilfe kreiert der Sänger und Multiinstrumentalist direkt auf der Bühne pfiffige Playbacks mit Keyboard-Flächen, mehrstimmigen Gesängen, Percussions und Gitarrenlicks. Da kommt dann manchmal schon ein ordentliches Pfund aus den Boxen zu dem Morse dann mit Gitarre und kraftvollem Gesang seine Gutfühl-Songs in die Menge schickt.

Bis das Keyboard allerdings funktioniert, dauert es ein paar Songs, irgendwo steckt der Wurm in der Technik. Morse nimmt es gelassen, teilt mit dem aufmerksam lauschenden, sehr gut gestimmten Fans Erinnerungen über frühere Technik-Pannen auf großen Festivals wie auf der Loreley. Für solche Fälle hätte man immer die Transatlantic-Ballade „We All Need Some Light“ parat gehabt und genau diese kommt dann auch heute zum Einsatz.

Obwohl nach einiger Zeit das Keyboard dann endlich funktioniert, wirft Neal Morse schon früh seine grob abgesteckte Setlist über den Haufen. Es ist hier in Aschaffenburg das letzte Deutschland-Konzert seiner aktuellen Solo-Tour und alles wirkt wie ein Heimspiel. Hier im Colos-Saal ist Morse seit langem Stammgast, wenn er auf Tour in Deutschland ist, unabhängig in welcher Bandkonstellation oder –wie heute- absolut solo. Schon beim Opener, dem über zehnminütigen „Songs Of Freedom“ wird Morse so lautstark bejubelt und gefeiert, als würde hier eine Rockband vor 1000 oder mehr Fans eine Art Live-Abriss zelebrieren.

Brüche und überraschende Ausflüge

Der 57-jährige US-Amerikaner sprüht vor Energie und Spielfreude und gibt ein über die fast gesamte Auftrittsdauer von mehr als zwei Stunden mitreißendes Konzert. Immer wieder kommt es zu spontanen Interaktionen mit dem Publikum. Mit einigen krassen Brüchen innerhalb seiner Songs und teils abenteuerlicher Ausflüge in Fremdkompositionen überrascht und verdutzt der Musiker gleichermaßen. Da gibt es gleich zu Beginn Auszüge aus Deep Purple´s „Space Truckin´“ oder Riffs der Band Yes, seine Songs „Livin ´Lightly“ und „Selfie In The Square“ werden abrupt unter anderem von einen Neil-Young-Cover oder etwa „Yellow Submarine“ von The Beatles unterbrochen, bis er irgendwann wieder den Bogen zum eigentlich Song findet. Das ist Geschmackssache.

Viele im Saal haben damit augenscheinlich großen Spaß und der gut aufgelegte Mann auf der Bühne noch mehr. Als Spaß und Stimmung auf dem Höhepunkt sind, scheinen mit Neal Morse kurzzeitig die Pferde durchzugehen. Fast in Punk-Rock-Manier schmettert er „Mein kleiner grüner Kaktus“ (ein aus den 1930er-Jahren bekannter und später zum Evergreen gewordener Song der Comedian Harmonists) in die jubelnde Menge.

Halt und Orientierung

Alsbald bekommt Neal Morse aber wieder die Kurve, bringt kurze Auszüge aus dem jüngsten The-Neal-Morse-Band-Erfolgsalbum „A Similitude Of A Dream“, darunter „Too Far Gone“.

Es sind hier nicht wenige, die hätten Neal Morse sicher auch noch länger als 135 Minuten singen und spielen hören und sehen können, aber irgendwann ist dann auch Schluss mit dem offiziellen Teil auf der Bühne. Nach einer Pause nimmt sich der sehr gläubige Künstler Zeit zu kurzen bis ausführlichen, mitunter augenscheinlich auch sehr persönlichen Gesprächen mit vielen Fans.

Neal Morse ist für einige der hier Anwesenden nicht nur Musiker, sondern auch ein Mensch mit Vorbild-Funktion und aufgrund seiner sehr aktiven Religionsausübung für nicht wenige auch Halt und Orientierung.

INFO-BOX

Links
externer Link www.nealmorse.com
externer Link www.facebook.com/nealmorse
externer Link www.colos-saal.de
externer Link www.facebook.com/ColosSaal

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

Frische Inspirationen
Spock´s Beard vor ihrem 13.Album

07.03.2018, Von: Redaktion

 


, Foto(s): Francesco CabrasFünfmal neue und neu gemachte Musik
Aktuelle Album-Rezensionen in „Gehört und Gesehen“

21.02.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Francesco Cabras

 


, Foto(s): Joel BarriosAllein unterwegs
Neal Morse mit neuem Solo-Album in Deutschland

19.02.2018, Von: Redaktion , Foto(s): Joel Barrios

 


, Foto(s): Robert SmithImmer in Bewegung
Neal Morse bringt Singer-Songwriter Solo-Album heraus

03.01.2018, Von: Redaktion, Foto(s): Robert Smith

 


, Foto(s): Sarah Lee, PressefreigabeWeltstars, Newcomer und Hannover-Szene
Heute fünf neue CD-und Blu-ray-Disc-Kritiken bei uns

23.11.2017, Von: Redaktion, Foto(s): Sarah Lee, Pressefreigabe

 




Zur Startseite