Bildrechte: Torsten Gadegast

Mit Spaß und Energie kurz vor dem Jahreswechsel: Extrabreit-Sänger Kai Havaii in Aktion im LUX.

Alte Zeiten zwischen den Jahren

Extrabreit spielten im ausverkauften LUX

30. Dezember 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast

Ein Höhepunkt für die vorwiegend reifere Rock-, Punk-und Rock´n´Roll Generation am gestrigen Abend im schon im Vorfeld ausverkauften LUX in Hannover: Extrabreit spielten vor 200 Besuchern eine rund 100- minütige Clubshow und servierten dabei so gut wie alle Hits und Klassiker aus mehr als 36 Jahren Bandgeschichte. Oberflächlich betrachtet mag man Extrabreit mit locker-leichter Neue-Deutsche-Welle-Achtziger-Party-Musik assoziieren, Superhits des Genres wie „Hurra, Hurra, die Schule brennt“ sind sofort wieder präsent. Wer jedoch ein triviales Spaß-Remake in diesem Stil vermutet hatte, lag falsch.

Anfang der 1980er-Jahre gehörten Extrabreit zur Speerspitze der Neuen Deutschen Welle. Sie füllten mittelgroße Hallen mit mehreren Tausend Besuchern, tummelten sich in den Top-10 der Charts und sammelten Goldene Schallplatten. Sie hatten Duette mit Showstars wie Hildegard Knef oder Harald Juhnke, Hits wie „Polizisten“, „Hart wie Marmelade“, „Hurra, Hurra, die Schule brennt“ oder das „Fliegerlied“ (ein Cover) zählen zu den besonders bekannten Songs. Dann sind da noch Titel wie „Rote Rosen“, „Junge“, „Kleptomanie“, „Nichts ist für immer“, „Glück & Geld“, „Russisch Roulette“ und wie sie alle heißen, bei denen bei den meisten der hier Anwesenden Jugenderinnerungen hochkommen und sich Feierlaune einstellt.

Kurz vor dem Jahreswechsel schwelgt man im LUX in alten Zeiten, obwohl Extrabreit nicht ausschließlich auf ihre Erfolgszeit Anfang der Achtziger festzumachen sind. Die 1978 von Gitarrist Stefan „Kleinkrieg“ Klein gegründete Band hat auch in den letzten Jahren immer mal wieder Alben veröffentlicht, auf denen sie als reife, knackige, punkige Rock´n´Roll Band überzeugte. Dennoch sind es die alten Songs, die die 200 heute in Hannover hören wollen und diese bekommen sie auch wie an der Schnur gezogen serviert. Sänger und Frontmann Kai Havaii bemerkt zwischendurch, dass diese Show in dem kleinen Club durchaus speziell, aber „auf jeden Fall cool“ sei.

Punkiger Rock´n´Roll ohne Rockstar-Attitüde

Kai Havaii zählte vor mehr als 30 Jahren zu den schillernden Figuren, Sängern und Frontleuten der deutschen Musikszene. Heute, anno 2016, sieht man ihm den Spaß an dem Auftritt und der Darbietung der alten Klassiker immer noch an. Da ist aber keine Rockstar-Attitüde von einst, da ist ein Sänger und eine Band, die auf der Bühne hart arbeiten und den so häufig angeführten „ehrlichen, bodenständigen, punkigen Rock´n´Roll“ spielen, der ankommt und zündet. Es klingt fast alles im LUX ähnlich wie um 1980 herum oder sogar wie noch viel früher. Druckvoll, ein wenig dumpf,analog, handgemacht, nicht immer perfekt auf den Punkt gespielt und jederzeit ohne Firlefanz.

Vor der Bühne wippt man im Takt, an der Bar wird geschunkelt und mitgesungen, einige knien auf den Barhockern, um im brechend vollen LUX einen Blick zur Bühne zu erhaschen. Als die großen Extrabreit-Hits gen Ende der Show erklingen, bildet sich sogar so etwas, wie ein klitzekleiner Mosphit. Rock-und Punk-Rockfans jenseits der 40 oder 50 Lebensjahre, rein optisch keiner Szene zuzuordnen, beginnen sich beim Tanzen leicht zu schubsen und drehen im Club ihre Runden.

Zuvor hatte Kai Havaii für einige Songs pausiert, sich ins Publikum begeben und seine Bandkollegen allein spielen und singen lassen, was hervorragend funktionierte. Sich den Weg in den Backstage zu bahnen, wäre bei dem Füllstand des LUX einer mittleren Strapaze gleichgekommen und so verzichtet die Band auch, vor den obligatorischen Zugaben die Bühne zu verlassen.

Es geht gerade erst auf 22.15 Uhr zu, als die Show vorbei ist, Extrabreit hatten um kurz vor 20.30 Uhr begonnen, ein Vorprogramm gab es nicht. Einige der Besucherinnen und Besucher hätten augenscheinlich noch mehr ehrlich-erdigen Deutsch-Punk-Rock´n´Roll im Stil von Extrabreit zum Feiern vertragen können, aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Man sei ja keine 50 mehr, bemerkte Kai Havaii im Laufe des Abends schmunzelnd.

INFO-BOX

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externer Link www.die-breiten.de
externer Link www.lux-linden.de
externer Link www.livingconcerts.de

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