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Freundlicher, meist fröhlicher Folk-Pop-Rock: Schandmaul starteten ihre Tournee im Capitol in Hannover

Die Kapelle und das Meer

Schandmaul starteten Tour im Capitol

28. Oktober 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Jeff Kahra

Eine prächtig positive, beinahe familiäre Atmosphäre herrschte am gestrigen Donnerstag zum Auftaktkonzert der aktuellen Tournee der Band Schandmaul in Hannover. Gut 900 Besucher hatten den Weg ins Capitol gefunden und erlebten über rund 110 Minuten eine Show mit wärmender Musik für die Seele. Die Münchner Folk-Pop-Rock-Band präsentierte ihr aktuelles Nummer-Eins-Album „Leuchtfeuer“ und erwartungsgemäß zahlreiche Klassiker aus 18 Jahren Bandgeschichte. Der Einstieg in das Konzert ging dabei technisch kräftig in die Hose, was die Band aber geschickt und sympathisch umspielte.

Für ein Konzert in diesem Clubrahmen haben Schandmaul kräftig auffahren lassen. Eine aufwändige und geschmackvolle Bühnendekoration über mehrere Ebenen und eine ebenso ausgeklügelte Lichtproduktion sorgen in diesem Ambiente für einen mitunter spektakulären Rahmen.

Sänger und Frontmann Thomas Lindner erklärt dem Publikum die baulichen Elemente: „Dies soll eine Kaimauer sein, wir sind hier in einem Hafen und ihr seid das Meer. Das werdet ihr aber noch später genauer erleben.“ Zuvor war für Schandmaul spontanes Improvisieren angesagt. Als die Band nach dem Show-Intro loslegen wollte, versagte die E-Gitarre von Martin Christoph Duckstein ihren Dienst. Pause, Beratung und dann das Ganze nochmal komplett von vorn. Die ersten Minuten dieses Tourauftaktkonzertes wirken wie eine leicht verkorkste Generalprobe. Band und Publikum nehmen es mit Humor und beim zweiten Versuch klappt alles perfekt. Eine sympathisch anmutende Mittendrin-statt-nur-dabei-Situation für alle Beteiligten.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Jeff Kahra
Im Vorfeld angekündigt waren unter anderem „Folkrock zum Tanzen, Balladen zum Umarmen und Instrumentals zum Schwärmen.“ Schandmaul ziehen im Verlauf dieses Konzertes viele Register und liefern ihren Fans die passende Musik zum freundlich-fröhlichen Feiern am Abend. Die gut 900 im Capitol brauchen auch keine Aufwärmphase, man ist hier sofort mit rhythmischem Mitklatschen, Tanzen und Armeschwenken dabei. „Leuchtfeuer“, der Titelsong aus dem aktuellen Album ist gleich an Startnummer Drei dran. Thomas Lindner bedankt sich bei den Anwesenden im Namen „der ganzen Kapelle“, dass es das erste Nummer-Eins-Album von Schandmaul geworden ist.

Dieser Abend ist geprägt von eingängigen, gefühlvollen, teils schmissigen Folk-Pop-Rock-Songs. Rockige Riffs mit Geige, Drehleier, Flöten und Dudelsack schaffen ein akustisch locker-leichtes Fundament zum Tanzen und Mitsingen. Dies ist ein Konzert als positives, wärmendes Erlebnis. Aggressionen und Alltagsstress, die es gilt, in einem Club abzuschütteln, bleiben –sofern vorhanden-vor der Tür. Schandmaul sind nicht Hardcore und Moshpits mit Verletzungsgefahr für das Publikum gibt es nicht.

“Sportfreunde Schandmaul“

Wohl aber fröhliche Trinklieder wie „Der Wandersmann“ in dem die Band mit ihren Fans gemeinsam intoniert: „Es fließt der Wein, es fließt das Bier(…)“ Damit ist es aber nicht getan. Schandmaul verlangen ihren Fans noch einige Bewegungsübungen mit den Armen ab. Armschwingen mit abruptem Stopp, Armschwingen in Zeitlupe und schließlich in Zombiemanier mit Griff zum Vordermann oder der Vorderfrau kombiniert mit gruseligem Getöne.

Das geht einige Minuten so im Capitol und während Schlagzeuger Stefan Brunner und Bassist Matthias Richter die Anweisungen von Zeremonienmeister Thomas Lindner mit einem knackigen Groove unterlegen, fühlt man sich an eine Art rhythmische Sportgymnastik als After-Work-Erfrischung erinnert. „Sportfreunde Schandmaul“ entfährt es einer Besucherin spontan, wohl in Assoziation an die Münchner Kollegen aus dem Indie-Rock.

Es geht bodenständig und ohne großes Brimborium weiter, Auf-und Abgänge zu einstudierten Zugabenritualen schenken sich die Musikerinnen und Musiker hier zum Tourauftakt in Hannover, man spielt einfach Songs und lässt die Show laufen. Die Ballade „Euch zum Geleit“ darf nicht fehlen, bildet aber nicht den Abschluss des Konzerts. Schandmaul entlassen die Fans in Hannover positiv gestimmt in die Nacht. Das Meer hat sich beruhigt und draußen vor der Tür ist es scheinbar wärmer geworden.

Der Artikel wurde aktualisiert - 31.10.2016, 23.10 Uhr

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externer Link www.livingconcerts.de
externer Link www.capitol-hannover.de

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