Bildrechte: Constantin Rimpel

Alternative-Folk-Rock mit einem ordentlichen Schuss Punk: The Smith Street Band spielte in Hannover im LUX.

Von der Straße

The Smith Street Band war zu Gast in Hannover

22. Juli 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Constantin Rimpel

Mitten in der Freiluft-und Festivalsaison hatte sich am gestrigen Donnerstagabend die australische The Smith Street Band für ein derzeit in Deutschland rares Clubkonzert im LUX Hannover angekündigt und dabei gleich die niederländischen Kollegen von Coppersky mitgebracht. In einem sehr anständig gefüllten Club brachen beide Bands schweißtreibe Shows im Spannungsfeld zwischen Folk, Alternative Rock, Punk und phasenweise sogar Grunge vom Zaun. Laut, hart, überwiegend melodisch und augenscheinlich mit sehr viel Herz, Spaß und Spielfreude.

Drinnen und Draußen herrschen der Jahreszeit angemessen warme Temperaturen und dieser Umstand scheint sowohl Coppersky als auch The Smith Street Band zusätzlich zu motivieren. Beide spielen Gigs aus der Abteilung Wir-hängen-uns-voll-rein- bis – wir kaum- noch- können.

Es sind zwei sympathisch wirkende musikalische Reisegruppen, die hier im LUX in Hannover antreten, äußerlich, wie gerade aus einem Wohnmobil oder einem Zelt nach kurzer heißer Nacht entstiegen. Würde man die Protagonisten des heutigen Abends auf der Straße treffen, würde man sie kaum als typische Künstler oder gar Rockstars identifizieren, sondern eher als Typen, die im Sommer als Freunde unterwegs sind, sich dann und wann an ihre Instrumente begeben um, wenn sich die Gelegenheit bietet, mit ungeheurer Spielfreude und Herzblut ihre Songs den Menschen vor der Bühne entgegen zu drücken. Mit Kraft und mit Macht.
Fotostrecke (3 Bilder) -Foto(s): Constantin Rimpel
Schon Coppersky gehen laut, mit Härte und Energie zu Werke. Unauffällige, zerschlissene Streetwear-Klamotten am Leib, ein Grinsen auf den Lippen und dann gibt es ein volles Pfund Alternative-Folk-Rock. Ein Energieschub nach dem anderen, ohne Durchhänger. Schon beim zweiten Song reißt eine Gitarrensaite und viel länger dauert es auch nicht, bis das T-Shirt von Sänger Erik fast komplett durchgeschwitzt ist. Obwohl die Bandkollegen ein sehr dickes und lautes Rockbrett bohren und ordentlich aufs Tempo drücken, kann sich der Sänger mit seiner vor Kraft nur so strotzenden Stimme problemlos durchsetzen. Das hier ist ehrliche Schwerstarbeit, die aber gar nicht schwer wirkt und vielen Freude zu bereiten scheint. Ein starker Auftakt.

Aufgekratzt, entfesselt und entrückt

Richtig aufgekratzt ist Wil Wagner, Sänger und Gitarrrist von The Smith Street Gang. Zur Überraschung vieler spielt er nicht, wie in den Tagen zuvor angekündigt und ausführlich thematisiert im Sitzen, sondern zieht die Show im Stehen durch. Seine Beinverletzung ist heute augenscheinlich kein Thema mehr, vermutlich auskuriert und so sehen die Besucher im LUX einen wie entfesselt aufspielenden Frontmann, der die Songs zeitweise wie entrückt und manchmal atemlos rausrotzt. Auch The Smith Street Band treten hier auf, wie von der Kette gelassen.

„Don´t Fuck With Our Dreams“, einer der populären Songs der Band, kommt früh im Set, ein Stück das die Bandbreite der Australier ganz gut abbildet. Vom lässig groovenden Country-Folk-Rock türmt sich der Song schließlich zu einer mächtigen Punk-Welle auf, der man kaum entkommen kann. Im offiziellen Video zu diesem Titel ist bei Live-Szenen kollektives Ausrasten und Crowdsurfen im Publikum zu sehen, im LUX geht es deutlich entspannter zu. Im Publikum wird gewippt und getanzt und der Großteil wirkt zufrieden.

Kein Selbstläufer

The Smith Street Band hat hier einige Fans auf ihrer Seite, ist aber noch eifrig dabei, sich neues Publikum zu erarbeiten oder die Gunst bestehender Sympathisanten zu festigen. Ein Selbstläufer ist das Konzert heute nicht und so genannte Die-Hard-Fans, die jede Kleinigkeit einer Band bejubeln oder gar in Hysterie ausbrechen, sind hier nicht auszumachen. Die Ankündigung von Wil Wagner, die Band würde demnächst im Studio ein neues Album produzieren, das irgendwann nächstes Jahr erscheinen soll, wird nicht enthusiastisch gefeiert, sondern freundlich zur Kenntnis genommen, ebenso, wie der folgende neue Song, der auf der neuen Platte seinen Platz finden soll.

Nach rund 60 Minuten und einem Abschlussstück, das kurz Erinnerungen an die Grunge-Ära zu Nirvana-Zeiten aufkeimen lässt, hat sich die Band offenkundig vollständig entschlackt und sich all das von der Seele gespielt und gesungen, was raus musste. Zumindest wohl das meiste. Eine Zugabe gibt es nicht und die fordert hier auch niemand. Besucher und Musiker zieht es raus. Zurück an die Straße, an die frische Lust zum After-Show-Klönschnack. Es war ein guter Abend, man ist sich hier einig.

INFO-BOX

Links
externer Link www.thesmithstreetband.com
externer Link www.facebook.com/coperskymusic
externer Link www.sunday-entertainment.de
externer Link www.lux-linden.de

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