Bildrechte: Torsten Gadegast

Punk-Rock-Ikone: Fat Mike und seine Band NOFX spielten vor 5000 Fans auf der ausverkauften Faustwiese in Hannover.

Geduld und die Bescheidenheit alter Schule

NOFX und Freunde spielten auf der Faustwiese

18. Juni 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS

Das war es nun, das zuvor von vielen als das Highlight-Konzert des Jahres bereits im Vorfeld heftig befeierte Punk-Rock-Open Air auf der Wiese neben dem Kulturzentrum Faust in Hannover-Linden-Nord. NOFX, Pennywise und Good Riddance, drei gestandene, bereits in den Achtzigern gegründete US-Bands direkt vor der Haustür vieler Punk-Rock-Fans der Stadt und das unter freiem Himmel an einem Hot-Spot der alternativen Lindener-Szene, das glich einer Sensation. 5000 Menschen wohnten am gestrigen Freitagabend einem friedlichen und fröhlichen Open-Air bei, dessen organisatorischer Rahmen zum Teil aber auch kritisiert wurde.

Viel bis sehr viel Geduld und Wartezeit ist für eine größere Anzahl an Besuchern zunächst am Einlass zum Gelände gefordert, ebenso wie an den Getränkeständen. Lange Menschenreihen, die weit über den ohnehin schon langen Hofgang auf dem Faustgelände bis in die Nebenstraßen ragen, prägen das Bild auch noch, als die zweite von drei Bands – Pennywise- bereits auf der Bühne steht. Diese Umstände sollten später für mitunter rustikal und deftig formulierte Einträge in sozialen Netzwerken sorgen.

Auf der Faustwiese selbst herrscht dagegen eine durchweg positive, heitere und fröhliche Stimmung. „Es ist sowas von friedlich und entspannt hier“, sind sich zahlreiche Fans einig. Wer sich nicht in den vorderen Reihen exzessiv mit Pogo oder Bierbecher-Hoch-und Weitwurf austobt, genießt augenscheinlich ein Treffen mit Freunden und Bekannten, Pärchen umarmen sich, es wird geklönt, viel gelächelt und gelacht und zur Musik gewippt, getanzt und mitgesungen. In weiten Teilen des Geländes blickt man spätestens zur Show von NOFX in vollkommen zufrieden bis glücklich wirkende Gesichter.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (5 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS
Die meisten haben hier sichtlich eine gute Zeit mit Bands der alten Punk-Rock- und Melodic-Hardcore-Schule, Bands die ohne großes Showbrimborium auftreten, sondern mehr oder weniger ihre Songs spielen.

Es bedarf keiner größeren Aufwärmphase, als Good Riddance das Konzert eröffnen. Es ist viertel vor sechs und vor der Bühne wird schon ordentlich gefeiert. Einen mehr als anständigen und runden Gig liefern dann Pennywise ab. So hart und auch aggressiv manche Songs der Band auch sein mögen, die Atmosphäre ist entspannt. Das mag vor allem an der für Konzerte hier auf der Faustwiese stark reduzierten Gesamtlautstärke liegen.

Auf der zweiten Hälfte des Geländes fühlt sich das beinahe wie Zimmerlautstärke an, man kann sich ohne Anstrengung unterhalten und selbst im vorderen Bereich herrscht klangtechnisch kaum Biss und Druck. Insgesamt ist das etwas mager, anderseits auch entspannend und macht den Aufenthalt hier in gewisser Hinsicht auch gemütlich und angenehm, sofern man das so haben möchte. Als Pennywise zum Abschluss ihres Sets traditionell ihr „Bro Hymn Tribute“ in die Menge schicken, erheben sich viele Arme zum gemeinschaftlichen Gesang.

Lässige Punk-Rock-Ikone mit langer Hannover-Tradition

Als Ikone des Punk-Rock und Melodic-Hardcore betritt um 20.30 Uhr NOFX die Bühne, zuvor mit einer wohl angemessenen Portion Enthusiasmus und schon deutlich lädierten Stimme von Jan-Egge Sedelies angekündigt. Die Band um Sänger Mike Burkett, in der Szene besser als Fat Mike bekannt, pflegt im Auftreten und ihrer Darbietung einiges an sehr alter Punk-Attitüde. Der Frontmann kommt mit schwarzem Rock und rotem Irokesen-Putz daher und zeigt sich lässig und gesprächig aufgelegt. Er wendet sich auch früh an die zahlreichen Zaungäste außerhalb des Geländes, die bei zum Teil bester Sicht das Geschehen ebenfalls entspannt verfolgen können. Sie sollten dann später zahlen, kündigt das Punk-Rock-Urgestein an. Ein Ankündigung, die für einige Lacher sorgt.

Statt mit Intro, großem Sound-, Nebel-und Licht-und sonstigem Effektgewitter die Bühne zu entern, bleibt man sparsam und bescheiden. Ganz alte Punk-Rock-Schule: Einstöpseln, ein bisschen auf den Instrumenten rumdaddeln und dann irgendwie anfangen. Im Hintergrund kein Bühnenbackdrop, vielmehr ein Bescheidensheits-Banner mit NOFX-Schriftzug von der Größe eines Badetuchs. Das wirkt wie bewusstes Understatement und passt hervorragend zur Band und in die unaufgeregte Situation auf der Faustwiese.

Ebenso lässig wie sie hier in Linden-Nord auftreten, spielen NOFX auch ihre Songs herunter. „Kill All The White Man“ ist der Opener, der vom groovigen Reggae bis zum Uptempo-Melodic-Punker reicht. Vorn vor der Bühne geht es bei den Fans erwartungsgemäß hoch her, ansonsten freut sich das überwiegend erwachsene oder erwachsen wirkende, wie auch das jüngere und ältere Publikum über die Musik dieser legendären Band, deren Gründung bereits auf das Jahr 1983 zurückgeht.

Man schwelgt in Erinnerungen an frühere NOFX-Auftritte in Hannover und davon gab es schon sehr, sehr viele, teilweise in Spielstätten, die es heute gar nicht mehr gibt: Sei es bei einem Open-Air im Musiktheater BAD, im Flohcircus, im M.A.D oder im Capitol.

Anderthalb Stunden sorgen NOFX mit ihrem variablen und auch partytauglichen Reggae-Ska-Meldodic-Hardcore-Punk-Rock-Mix für Freude und Spaß, bis dann auch diese Einheit der alten Schule schließt. Ein insgesamt schönes Open-Air, nicht nur für eingeschworene Fans.

INFO-BOX

Links
externer Link www.kulturzentrum-faust.de
externer Link www.nofxofficialwebsite.com
externer Link www.pennywisdom.com
externer Link www.grpunk.com

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