Bildrechte: Torsten Gadegast

Kreatives aus der alten Punk-und New-Wave-Schule: Abwärts starteten ihre Tour in Hannover im LUX.

Eigenwillig und verschroben

Zwei Stunden Extravaganz mit Abwärts im LUX

06. Mai 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS

Für die meisten der rund 150 Besucher im nicht ganz ausverkauften LUX war der zweistündige Auftritt der legendären Punk-Band Abwärts am gestrigen „Vatertag-Donnerstag“ wohl ein Zeitsprung zurück in die frühen Achtziger. „Richtiger Punk wie er früher war“, mag man meinen und das stimmt und stimmt auch wiederum nicht. Konsequent Punk spielte die Band bei ihrem Tourauftaktkonzert in Hannover gar nicht, vielmehr kramte man eine vergessen geglaubte Wundertüte aus dem kreativen Untergrund hervor, die gleichermaßen Geradliniges und Verschrobenes zum Inhalt hat.

Wer auf eingängigen Deutsch-Punk der alten Schule zum Feiern eingestellt ist, muss sich im LUX zunächst eine Weile gedulden. Abwärts starten intensiv-düster mit einem Gemisch aus Post-Punk, New Wave und Rock. Das packt zu, das fesselt, das hat vor allem eins: Atmosphäre. Würden in diesem Umfeld hier im Club die frühen The Cure oder Killing Joke vorbeischauen, es würde prima passen.
Fotostrecke (3 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS
Es dauert bis zum vierten, fünften Song, bis in das zunächst verhalten applaudierende, jedoch entspannt-zufrieden wirkende Publikum ein wenig Bewegung kommt. Abwärts geben mit „Aus einen Gartenhaus“ ordentlich Tempo vor und wenn Bandgründer, Sänger und Gitarrist Frank Z. expressiv die Texte in sein Mikro schickt, dann fühlt man sich schon mal an den fieshaft-lässigen, aggressiv-exaltierten aber nicht bösen Stil eines Eff Jott Krüger zu Zeiten von Ideal erinnert, eine Band, die etwa zeitgleich mit Abwärts auf die Bühnen ging.

Beim heutigen Konzert bieten Abwärts dem Publikum einerseits vermeintlich simplen Punk, wie er vor allem in Städten wie Hannover, Düsseldorf, Hamburg oder Berlin vor fast 40 Jahren aus den Kellern auf die Straße gespült wurde, schlagen dann aber wieder in eine innovativ-progressive Kerbe, packen verschrobene Riffs und Grooves aus, frei nach dem Motto: Es ist erlaubt zu spielen was Spaß macht, stilistisch enge Grenzen sind nicht vorhanden. Aus der Konserve schallen vereinzelt elektronische Effekt-Einspieler, Bläser, orientalisch-folkloristische Melodien oder auch mal Vogelgezwitscher. Es ist auf eine eingenwillige Art faszinierend, was hier passiert

Pogo mit Bedacht

Das macht den Musikern sichtlich Spaß und dem Publikum auch, das sich größtenteils im Inneren zu freuen scheint. Einige blicken entrückt drein, andere nicken rhythmisch mit den Köpfen, wieder andere tanzen verhalten, ganz vorn an der Bühne entwickeln sich Ansätze von Pogo-Tanz. Alles aber mit Bedacht. Die Zeiten, in denen Clubs zerlegt wurden oder es aufgrund wilder Feierei blutende Köpfe gab, sind vorbei. Abwärts spielen Neues aus ihrem Album „Krautrock“ und bei Fans bekannte Klassiker. „Computerstaat“, „Terrorbeat“, „Hollywood“ oder „Berlin Görlitzer Park“ finden sich auf der Setlist.

Große Posen oder Showdramaturgie? Beides Fehlanzeige! Abwärts spielen einfach ihre Songs, bleiben vor den Zugaben auf der Bühne stehen und lassen sich erst einmal ein paar Gläschen Schnaps anreichen. Prost, der offizielle Teil ist anscheinend gut gelungen. Nun gibt es noch einmal eine halbe Stunde Punk, Post-Punk, New Wave, respektive einen vielfältig und frisch angerichteten Crossover.

Der Gute-Laune-Pegel steigt auf allen Seiten und gegen nach halb zwölf werden Jubel und Applaus richtig laut und ausgelassen. Am Ende waren das zwei Stunden musikalische Subkultur par excellence. Für einige sicher auch eine Art Schatz, den es zu entdecken oder wiederentdecken galt.

„Hey Leute , war gut“ bedankt sich ein sichtlich ausgearbeitet wirkender Frank Z. knapp bei den Fans. „Alles Gute zum Herrentag“, schließt sich Rod Gonzales zufrieden grinsend an und hebt zum Abschied noch einmal die Bierflasche.

INFO-BOX

Links
externer Link www.abwaerts.com
externer Link www.livingconcerts.de

Tools
Drucken Artikel drucken (PDF) Versenden Artikel versenden An Redaktion E-Mail an Redaktion


Ähnliche Artikel

, Foto(s): ASR, Promo-/Pressefreigabe

Frank Bornemann mit neuen, großen Plänen

Neues Studioalbum der Band Eloy kommt

16.11.2016, Von: Redaktion, Foto(s): ASR, Promo-/Pressefreigabe

 


, Foto(s): Bar Rocker, Promo-/Pressefreigabe

Mal selbst auf der Bühne abgehen

Das Rocker lädt Freitag zum Punk-Rock-Karaoke

04.10.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Bar Rocker, Promo-/Pressefreigabe

 


, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

Freibeuter der Stile

Hammerhai auf dem Strangriede Open-Air

17.08.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Promo-/Pressefreigabe

 


, Foto(s): Peter Kaaden

Liebe braucht kein Geld

Milliarden vor Debüt – bald auch wieder in Hannover

08.08.2016, Von: Redaktion, Foto(s): Peter Kaaden

 


, Foto(s): fkpscorpio.com, Pressefreigabe

Wolken am Himmel

Apologies, I Have None stellen „Pharmacie“ vor

04.08.2016, Von: Redaktion, Foto(s): fkpscorpio.com, Pressefreigabe

 




Zur Startseite