Bildrechte: Torsten Gadesgast

Laid-Back mit sauber spielender Band: Fish bei seiner Show im Pavillon Hannover.

Nostalgie mit Herz

Fish im gut gefüllten Pavillon in Hannover

25. April 2016, Von: Andreas Haug, Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS

Legendenpflege auch im Pavillon in Hannover. Der schottische Progressive-Rock-Sänger Fish, vor 30 Jahren noch Frontmann der einst führenden Neo-Progressive-Rock- Band Marillion, präsentierte während seiner aktuellen Europatour noch einmal und –nach eigener Ankündigung - letztmals das Marillion-Album „Misplaced Childhood“ .In voller Länge. Das Ganze lief unter dem Motto „Farewell To Childhood Tour“. Im gut gefüllten Pavillon am Sonntagabend konnte das Publikum einem sauber produzierten, entspannten Konzert beiwohnen.

Es ist fast auf den Tag genau zehn Jahre her, als Fish anlässlich des damals 20-jährigen Jubiläums des Albums „Misplaced Childhood“ in Hannover live präsentierte. Am 26.April 2006 im Capitol waren noch gut 1300 Besucher zugegen und eine junge, hoffnungsvolle Göttinger/Hannoveraner Alternative-/Progressive-Rockband namens Seedcake spielte im Vorprogramm.

Heute, am 24.April 2016 sind es nicht ganz so viele Fans, wie vor zehn Jahren, die Atmosphäre ist vergleichsweise entspannter, viele nehmen auf der Tribüne Platz, viele stehen vor der Bühne. Das Konzert ist gut besucht, richtig voll ist es allerdings es nicht. Es mögen –geschätzt-, 700 sein, die hier die zweistündige Show entspannt genießen und in Nostalgie abtauchen.
Vorschau Bild 1Vorschau Bild 2Vorschau Bild 3Fotostrecke (3 Bilder) -Foto(s): Torsten Gadegast | tipiPICS
Im Gegensatz zu früheren Jahren, tritt Fish heute mit einer kleineren Bandbesetzung an: Gavin Griffith am Schlagzeug, Robin Boult an der Gitarre, Steve Vantsis am Bass und Tony Turrell an den Keyboards. Ein zweiter Gitarrist –früher obligatorisch- fehlt ebenso wie eine Gastsängerin, die Fish in hohen Gesangslagen, die der Musiker nach zwei Stimmband-Operationen, langjähriger Gesangsausübung und am Vorabend seines 58.Geburtstages nicht mehr erreicht, unterstützt.

Anders, als vor 30 Jahren

Songs wie „Kayleigh“ oder „Lavender“, Mitte der Achtziger große Single-Hits aus „Misplaced Childhood“, werden heute von einer rauen und tiefen Stimme intoniert. Das klingt anders als noch vor 30 Jahren, nicht mehr wirklich kraftvoll, aber dennoch markant, intensiv und von Herzen vorgetragen.

Band, Sänger und Frontmann spielen das Material sauber und auf den Punkt, machen einen guten Job. Das Ganze kommt sehr „laid-back“ daher, behutsam präsentiert. Fish ist immer noch der humorvolle Entertainer, dem seine langjährig treuen Fans an den Lippen hängen und die „Misplaced Childhood“ von vorne bis hinten relativ textsicher begleiten. Augenscheinlich oder –mutmaßlich- kopfnickend und versunken sitzend auf der Tribüne.

Rituale haben sich nicht geändert, es werden Traditionen gepflegt. Wenn Fish in der Instrumental-Überleitung von „Childhood Ends?“ zu „White Feather“ beide Arme gen Hallendecke reckt und zum rhythmischen Klatschen ansetzt, tun es ihm einige im Publikum gleich, manche kommen spätestens jetzt seiner Aufforderung nach, sich von den Sitzen zu erheben.

Es ist Zeit, zum letzten Song des Albums zu feiern, Gemeinschaftsgefühl zu demonstrieren und mehr oder wenig lauthals oder in Gedanken mitzusingen: „I will wear your white feather, I will carry your white flag, I will swear I have no nation, I´m proud to own my heart“. Fish stellt –wie fast immer an dieser Stelle- seine Musiker vor und verabschiedet sich selbst in alter Tradition mit den Worten: „They call me the Fish“. Großer Rock-Schluss, lauter Jubel, Abgang von der Bühne.

In den Zugaben gibt es noch den Marillion-Klassiker „Marquet Square Heroes“ und den Song „The Company“. Ganz oben auf der Tribüne formen Fans mit ihren Händen ein Symbol über den Köpfen und drehen sich tanzend im Kreis.

Dann ist Schluss und es bleibt ein durchaus gutes Gefühl, Fish in Hannover dann doch einmal in einem Rahmen wie ihn der Pavillon bietet gesehen und gehört zu haben, mit gutem Sound, einer echten Lichtshow und geschmackvoll projizierten Visuals

Der Artikel wurde aktualisiert - 25.04.2016

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