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Subtiller Humor, freundliches Unterstatement und musikalisch hohe Kunst: Sophie Hunger und Band in Hannover im Capitol

Fast zu perfekt und schön, um wahr zu sein

Sophie Hunger & Band waren zu Gast in Hannover

07. November 2015, Von: Andreas Haug, Foto(s): Miriam Rosin

Rezensionen und Kritiken hochangesehener Medien überschlagen sich im Zusammenhang mit Sophie Hunger und ihrer Musik schon seit geraumer Zeit. Die Schweizer Künstlerin verzaubert und begeistert mit ihrer unvergleichlichen Fusion aus etwa Art-Pop, Jazz, Folk und Singer-Songwriter-Style Musikliebhaber, die anspruchsvolle und feinfühlige Songs mit Überraschungen und dem gewissen Etwas mögen. Am Freitagabend trat Sophie Hunger mit ihrer vierköpfigen Band in Hannover im Capitol auf.

Das Haus am Schwarzen Bären ist gut besucht. Es mögen rund 800-900 Gäste sein, die die Schweizer Ausnahmemusikerin hören und sehen, eher noch, erleben wollen. Wer musikalischen Anspruch liebt, sich für anderthalb Stunden in eine Art Welt voller spannender Ereignisse, Stimmungen, dichter Atmosphäre und letztlich doch Sicherheit, Freude und Harmonie entführen lassen will, ist bei diesem Konzert richtig und wird kaum enttäuscht sein.

Sophie Hunger und ihre vierköpfige Band bieten Kompositionen und Arrangements voller Überraschungen. Ob Pop mit progressiven Elementen, poetische Singer-/Songwriter-Balladen, jazzig Angehauchtes oder eine Fusion aus Indie, Soul und in seltenen Momenten sogar Rock- die Darbietung überzeugt und fesselt über weite Strecken.

Gebannt schauen die Besucher gen Bühne. Eigentlich hätte diese in puncto Dramaturgie, Sound und Licht sehr behutsam und feinfühlig in Szene gesetzte Show auch in einem Theater stattfinden können oder fast müssen. Dieses Konzert verlangt Aufmerksamkeit, hat Tiefgang, ist aber dennoch nicht kopflastig oder kompliziert.

Ein einziges Alleinstellungsmerkmal

Sophie Hunger und ihre Musik sind ein einziges Alleinstellungsmerkmal. Die Schweizerin umschmeichelt die Besucher mit ihrer weichen Stimme, wechselt zwischen Gitarren und Piano und bildet mit ihrer vorzüglichen Band eine Einheit. Englische Songtexte, deutsche Songtexte, Balladen, in deren Verlauf das Gastronomiepersonal im Capitol seinen Service besonders leise erledigt, sofern in diesen Momenten überhaupt jemand das Bedürfnis hat, ein Getränk zu ordern, denn Sophie Hunger hat soviel Charisma, die Musik ist so außergewöhnlich, dass sie einen unweigerlich in ihren Bann zieht, sofern man sich ihr hingibt. Dies tun die meisten hier augenscheinlich.

Das hier ist eine Art musikalische Hochkultur, es entwickeln sich mitunter cineastische Momente, es knistert vor Spannung, ohne dass das Konzert mit seinen Eindrücken überfordert. Sophie Hunger und ihre Musiker versprühen hier und da auch das wohlige Gefühl von Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Dann kommt man bei den eher ausgesucht platzierten Up-Tempo-Songs, die sich auch in Gefilden von Indie-Pop oder modernem Soul-Rock bewegen, auf der Bühne und davor aus sich heraus.

Wenn das Flügelhorn sanft soliert oder unisono mit der Klarinette schöne Klangbilder malt, gibt es schon mal Applaus auf offener Szene.

Man sei das letzte Mal vor zwei Jahren in Hannover gewesen und man werde vermutlich auch erst in rund zwei Jahren wiederkommen, merkt Sophie Hunger zu Beginn des Auftritts an. All das, was heute passiere, werde für diese lange Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen, führt die Künstlerin mit einem leichten Augenzwinkern fort. „Ich habe Angst“ sagt sie mit lächelndem Unterton. Dezentes Lachen im Publikum. Subtiler Humor, sympathisches Understatement, ein beeindruckendes Konzert. Das ist schon fast zu perfekt und schön, um wahr zu sein.

INFO-BOX

Links
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externer Link www.facebook.com/sophiehunger
externer Link www.hannover-concerts.de

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