Menschen und Hintergründe

10.12.2009

„Ich bin niemand der gerne nichts tut“
Neal Morse von Transatlantic im Gespräch
Von Jan Hagerodt

- Als Mastermind von Spock¥s Beard, durch seine Solo Alben und natürlich durch die "Supergroup" Transatlantic hat der Amerikaner Neal Morse (im Bild 2.v.r.) von sich reden gemacht.

Neben Neal, der für die Keyboards, Gitarren und Gesänge zuständig ist, bedient Pete Trewavas von Marillion den Bass, Roine Stolt von den Flower Kings übernimmt ebenfalls Vocals und Gitarren und an den Drums sitzt kein geringerer als Mike Portnoy von Dream Theater. Nach zwei bisherigen Studioalben und folgenden acht Jahren Pause erschien mit "The Whirlwind" vor kurzem ein neues Konzeptalbum der Band.

Der extrem gläubige Morse engagiert sich auflerdem seit rund zehn Jahren intensiv für das Christentum, welches besonders auf seinen Solo Alben immer mehr zum zentralen Thema wird. Wir sprachen mit Neal an einem verregneten Dienstagabend darüber, wie man Musik und Religion miteinander kombinieren kann und selbstverständlich auch über das neue Transatlantic Album "The Whirlwind".


Rockszene.de:
Hi Neal, danke für dieses Interview! Wie gehtís es Dir?

Neal Morse:
Sehr gut, Danke!

Rockszene.de:
Wie ist das Feedback bisher zum neuen Album? Was sagen die Fans und was die Kritiker?

Neal Morse:
Das Feedback ist super bisher, die Leute scheinen es wirklich zu mögen. Das freut mich natürlich sehr. Wir haben ja auch sehr viel Arbeit rein gesteckt.

Rockszene.de:
Eure Fans mussten acht lange Jahre auf ein neues Album warten. Was hat Euch bewogen Euch nach einer so langen Pause wieder an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Musik zu machen?

Neal Morse:
Ein Freund von mir sagte vor einiger Zeit zu mir: "Du musst mal wieder ein episches, progressives Werk schreiben." Da das irgendwie keine Frage, sondern mehr eine Aufforderung von ihm war, hatte ich also gar keine andere Wahl (lacht). Mir kam diese Idee die Wirbelstürme als zentrales Thema einzusetzen. Wirbelstürme in der Art, wie sie in der Bibel vorkommen; eine Art Kommunikationsmittel von Gott zu den Menschen. Das entwickelte sich dann zu einem Selbstläufer.

Rockszene.de:
Wie habt Ihr das Ganze zeitlich hinbekommen zu realisieren? Ist da der Scheduler der beste Freund des Profimusikers?

Neal Morse:
Besonders mit Mike und Pete war es schwierig gemeinsame Termine zu finden, weil beide parallel an ihren eigenen Alben gearbeitet haben. Aber wie Du siehst, haben wir es geschafft (lacht). Die Arbeit mit den anderen macht immer viel Spafl, wir ergänzen uns groflartig. Es ist toll, wenn vier Leute mit so vielen Ideen in einem Raum zusammensitzen und sich daraus etwas Besonderes entwickelt.

Rockszene.de:
Wie habt Ihr "The Whirlwind" dann letztlich aufgenommen? War das mehr eine Jam Session, oder habt Ihr Euch die Sachen ganz neumodisch hin und her geschickt und einzeln Eure jeweiligen Parts eingespielt?

Neal Morse:
Nein, wir haben zehn Tage lang gejammt, eine erste Version am Stück aufgenommen und uns danach noch einmal die einzelnen Parts vorgeknöpft. Das war eine tolle Art zu arbeiten. So war am Ende jeder total zufrieden mit dem Ergebnis. Ich hatte ein Grundgerüst der einzelnen Songs schon vorgeschrieben, umso interessanter war es zu sehen, wie sich die Musik durch die Einflüsse der anderen Bandmitglieder verändert und verbessert hat. Heraus kamen teilweise vollkommen andere Songs und das war gut so.

Rockszene.de:
Werdet Ihr im kommenden Jahr nach Europa kommen um zu touren?

Neal Morse:
Das steht leider noch nicht ganz fest. Wir planen das Frühjahr 2010 dafür zwar ein, aber hundertprozentig sicher ist es noch nicht.

Rockszene.de:
Welche Musik beeinflusst einen ambitionierten Musiker wie Neal Morse?

Neal Morse:
Ich höre natürlich viel den klassischen Prog der 70er und 80er Jahre. Genesis, Yes, Jethro Tull, King Crimson oder auch Singer/ Songwriter wie Simon&Garfunkel oder die Beatles. Du wirst es nicht glauben, aber ich höre auch viel klassische Musik wie z.B. Beethoven. Daher kommt wahrscheinlich der epische Einfluss in meiner Musik.

Rockszene.de:
Was denkst Du über die moderne Musikwelt. Ist das Business härter geworden? Ist Musik immer noch Kunst, oder nur noch ein Produkt?

Neal Morse:
Definitiv Kunst!! So sollte es zumindest sein. Mit Sicherheit hat man es als Musiker heutzutage nicht unbedingt leichter als früher. Andererseits kommt es auch auf das Ziel an, dass Du Dir setzt. Ich habe nicht vor die Charts zu entern, diese Zeit ist lange vorbei und das ist auch gut so.

Rockszene.de:
Du bist ein sehr gläubiger Mensch. Was ist Dir wichtiger, Musik oder Religion?

Neal Morse:
Musik war immer meine Religion (lacht). Nein, im Ernst, natürlich kommt für mich erst Gott und dann die Musik. Es ist so groflartig wenn Du Gottes Geist in so vielen verschiedenen Dingen erfährst. Mein erster Gedanke wenn ich morgens aufstehe gilt Gott. Wir Menschen sollten dankbar dafür sein, was wir haben.

Rockszene.de:
Gibt es einen bestimmten Grund für Deinen starken Glauben? Gab es einen auslösenden Moment dafür?

Neal Morse:
Nein, eigentlich nicht. Das entwickelte sich so über die Jahre. Obwohl mir natürlich schon so einige Wunder widerfahren sind.

Rockszene.de:
Was liegt als nächstes an, jetzt wo Du mit der Arbeit am Transatlantic Album fertig bist? Machst Du erstmal Urlaub oder geht es gleich mit weiteren Projekten weiter?

Neal Morse:
Ich bin niemand, der gerne nichts tut. Ich schreibe schon wieder an neuen Songs, wobei ich mir da noch überhaupt nicht klar ist in welche Richtung die gehen sollen. Aber das wird sich schon noch zeigen.

Rockszene.de:
Neal, Du wirst nächstes Jahr 50 Jahre alt. Gibt es ein Haltbarkeitsdatum für professionelle Musiker, oder wirst Du irgendwann wie z.B. die Rolling Stones von der Bühne getragen werden müssen?

Neal Morse:
(lacht) Oh nein, ich denke nicht, dass das nötig sein wird. Ich mache das, so lange es sich richtig anfühlt. Mal sehen was Gott noch so mit mir vorhat.

Rockszene.de:
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für Deine Zukunft!

Neal Morse:
Danke Dir, pass auf Dich auf. Viele Grüfle nach Deutschland!

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